steirischer herbst 2026 flaggt rot

23.06.2026 • 14:56 Uhr
steirischer herbst 2026 flaggt rot

Der steirische herbst stellt sein diesjähriges Programm unter das, heutzutage meist mit der Dating-Kultur assoziierte, Motto “Red Flags”. Gemeint sind Warnsignale, die auf eine problematische oder sogar toxische Entwicklung in einer Beziehung hindeuten. Für den steirischen herbst sind aber vor allem auch jene Warnsignale gemeint, die von der Politik an jene gesendet werden, die von einer vorgegebenen ideologischen Linie abweichen und die daraus resultierende Konfliktscheue.

Aus welcher Richtung diese Signale aus Sicht des Festivals kommen, machte herbst-Intendantin Ekaterina Degot auf der Pressekonferenz am Dienstag in einem ehemaligen Gasthaus und aktuellen Leerstand am Grazer Griesplatz klar: Genau jenes Gebäude sei erst vor ein paar Tagen in einem rechtsextremen Video aufgetaucht, das im Internet viral gegangen sei und das sich gegen Migranten gerichtet habe. “Wir sind als steirischer herbst solidarisch mit den Bewohnern und den Unternehmen mit migrantischem Hintergrund.”

“Monoethnizität brechen”

Degot erinnerte daran, dass in der Welt der Kunst das Wandern zwischen den Ländern von Künstlern und Kuratoren zum Alltag gehört. “Wir sind international. Die Mission des steirischen herbst ist es, die Monoethnizität zu brechen”, stellte die Intendantin fest. Dass in Graz (gemeinsam vom Johann-Joseph-Fux-Konservatorium und der Volkskultur Steiermark initiierten und von der FPÖ befürworteten, Anm.) ein “Haus der Volkskultur” – im Singular – errichtet werden soll, sei skandalös, sagte Degot. Ebenso skandalös sei, dass gleichzeitig zeitgenössische Kultur “ausgehungert und abgewertet” werde.

Das Festival startet seine 59. Ausgabe heuer am 24. September auf dem Grazer Karmeliterplatz. Nach der Eröffnungsrede findet dort eine von der neuen Kuratorin für Theater und Performance, Line Spellenberg, als “unterhaltsam, aber nicht harmlos” beschriebene Ringkampf-Performance des deutsch-britischen Künstlers Julian Warner und im Anschluss daran eine Platzparty statt. Der Eröffnungsabend setzt sich dann in der Helmut List-Halle mit einer Tanzperformance des in Berlin basierten polnisch-britischen Choreografen Alex Baczyński-Jenkins und einer Club-Party fort.

Hauptausstellung am Griesplatz

Die Hauptausstellung des steirischen herbst 2026 ist in jenem, aus dem 17. Jahrhundert stammenden Barockbau an der Kreuzung Griesplatz/Rösselmühlgasse angesiedelt, das gleichzeitig als Herbstcafé, Pressezentrum und zentrale Anlaufstelle für Besucher dienen wird. Erstmals soll die Ausstellung über die Festivaldauer hinaus zu sehen sein: Während das Festival am 18. Oktober endet, soll die Ausstellung bis zum 15. November dauern – ebenso lange soll es diesmal auch Workshops und andere Bildungsangebote der “Herbstvermittlung” geben.

Eine Reihe namhafter Künstlerinnen, darunter Heather Phillipson, Julia S. Goodman, bespielen in der Ausstellung verschiedene Räume, in denen den Besuchern fiktive Hausbewohner begegnen, darunter feministische Sektenmitglieder, Detektive und Schützengräben-Camgirls. In der Arbeit “Edge of Empire” von Josefin Arnell wird die spätestens seit der diesjährigen Biennale zu Weltruhm gelangte Performerin und Choreografin Florentina Holzinger als steirischer Proto-Vampir “Carmilla” zu sehen sein.

29 Projekte im Partnerprogramm

Im Lauf der vier Festivalwochen ist eine Vielzahl von Theaterstücken, Performances, Kabarett- und Musikveranstaltungen und anderen Programmpunkten zu sehen. Exemplarisch genannt seien eine in der Welschen Kirche am Griesplatz geplante Performance der in Wien lebenden Künstlerin Stina Fors, die Uraufführung des Stücks “Austria Demenzia” von Franz von Strolchen im Orpheum, das sich mit der Zukunft der Erinnerungskultur beschäftigt, ein neues Stück der Rabtaldirndln über patriarchale Gewalttradition und Femizid.

Traditionell im Rahmen des steirischen herbst sind auch das ORF-Musikprotokoll (3. bis 11. Oktober) unter dem Titel “Supernova” und das Literaturfestival “Out of Joint” mit dem Motto “dissident”. Bei letzterem sind unter anderem Lisz Hirn, Florian Scheuba und Şeyda Kurt zu Gast. Das Partnerprogramm enthält heuer 29 Projekte, Partner sind unter anderem Forum Stadtpark, Schauspielhaus, Oper, Haus der Architektur und Kunsthaus sowie zahlreiche weitere Initiativen und Institutionen.

Das vollständige Programm des diesjährigen Festivals veröffentlicht der steirische herbst am 10. August.

(S E R V I C E – steirischer herbst, 24. 9. – 18. 10. 2026, )