Stocker und Hattmannsdorfer werben in China für Kooperation

Bei einem Festakt in Shanghai haben Bundeskanzler Christian Stocker und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (beide ÖVP) für eine vertiefte Kooperation mit der Volksrepublik geworben, von der beide Seiten gleichermaßen profitieren sollen. In Zeiten geopolitischer Spannungen liege “die Lösung ausschließlich im miteinander”, sagte Hattmannsdorfer in einer Rede an der Tongji-Universität am Mittwoch.
Anlass war das 100-Jahr-Jubiläum der Berufung des Grazer Ingenieurs Hans List an die chinesische Tongji-Universität. Dieser gründete 1948 den steirischen Technologiekonzern AVL List, der heute weltweit rund 12.000 Beschäftigte hat und enge Beziehungen zur Tongji-Universität pflegt. In der Volksrepublik ist es mit drei Technologiezentren, einem Softwarezentrum und weiteren Niederlassungen vertreten. Das Unternehmen bietet Autoherstellern unter anderem Ingenieurdienstleistungen und Prüftechnologien an.
Stocker nannte die Partnerschaft der Universität mit dem Grazer Unternehmen in seiner Rede als beispielhaft für die technologische und wissenschaftliche Zusammenarbeit beider Länder. Österreich werde auch künftig ein “selbstbewusster und verlässlicher Partner Chinas sein”, getragen von gegenseitigem Vertrauen und Fairness, so der Kanzler.
Robotertanz: “Unbelievable”
Nach einem Empfang mit österreichischen und chinesischen Wirtschaftsvertretern im historischen Peace Hotel an der Shanghaier Uferpromenade Bund trafen Stocker und Hattmannsdorfer den Bürgermeister der Stadt für ein Arbeitsgespräch. Im Anschluss bekamen der Kanzler und der Wirtschaftsminister noch einen Roboter der chinesischen Firma Agibot vorgeführt. Das 2023 gegründete Unternehmen ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei humanoiden Robotern. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte es demnach 8.400 Roboter aus. Der oberösterreichische Technologiekonzern Miba soll künftig Teile für den Roboter liefern.
“Unbelievable”, kommentierte Stocker eine kurze Tanzeinlage des 1,69 Meter großen Roboters. Hattmannsdorfer erkundigte sich unterdessen bei Roboter “Luca”, ob er einen Besuch in seiner Heimatstadt Linz empfehlen würde, was dieser bejahte. Linz sei eine Abwechslung zu Wien und ruhiger. “Sollen wir mal ein bisschen rumtollen?”, fragte der Roboter den hochrangigen Besuch aus Österreich auf Deutsch. Letztendlich reichte es nur für einen Handschlag mit dem Kanzler.
Mehrtägiger Arbeitsbesuch in China
Stocker ist auf einem mehrtägigen Arbeitsbesuch in China. Begleitet wird er von Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer, WKÖ-Vizepräsident Wolfgang Hesoun sowie von rund 50 Vertretern heimischer Unternehmen. Mit dem Besuch sollen die diplomatischen Beziehungen vertieft, europäische Interessen vertreten und Chancen für heimische Unternehmen in der Volksrepublik ausgelotet werden. Den politischen Höhepunkt der Reise bilden die Gespräche mit Staatspräsident Xi Jinping und Premierminister Li Qiang, die für Freitag in Peking angesetzt sind. Am Samstag geht es für die Delegation dann wieder zurück nach Österreich.
Österreich und die Ein-Parteien-Diktatur China feiern heuer 55 Jahre diplomatische Beziehungen und 60 Jahre offizielle Wirtschaftsbeziehungen. Auch Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) hat China heuer aus diesem Anlass im Juni besucht. Im September war Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) auf Einladung des Nationalen Volkskongresses in der chinesischen Hauptstadt.