Zwei Tote bei russischem Angriff auf Passagierzug
Bei einem russischen Angriff auf einen Passagierzug in der Region Odessa im Süden der Ukraine sind nach offiziellen Angaben der Lokführer und sein Assistent getötet worden. Die 340 Passagiere würden evakuiert, teilte die ukrainische Eisenbahn mit. Es habe sich um einen Drohnenangriff gehandelt. Die Hafenstadt Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim war nach Drohnenangriffen der Ukraine in der Nacht auf Donnerstag erneut ohne Strom, es wurden Tote gemeldet.
Der Drohnenpilot müsse gewusst haben, dass es sich um einen zivilen Zug handelte, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Medien. Dazu veröffentlichte er ein Video, das Feuer und Zerstörung an einem Teil des Zugs zeigt. Selenskyj sprach von nächtlichen russischen Angriffen in elf Regionen des Landes. Einmal mehr forderte er mehr Hilfe bei der Flugabwehr und mehr Druck auf Russland.
Mehrere Tote nach ukrainischem Angriff auf die Krim
Auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist in Sewastopol nach Behördenangaben ein russischer Offizier bei einem Anschlag getötet worden. Der Inlandsgeheimdienst FSB habe eine Verdächtige festgenommen, schrieb der von Moskau eingesetzte Statthalter, Michail Raswoschajew, bei Telegram. Er sprach von einem “zynischen Verbrechen gegen einen Offizier”. Die tatverdächtige Frau soll demnach im Auftrag ukrainischer Geheimdienste gehandelt haben.
Bei dem Toten soll es sich nach inoffiziellen Berichten in Russland und der Ukraine um einen früheren ukrainischen Marineoffizier und U-Boot-Kommandanten handeln. Er sei nach der Annexion der Halbinsel Krim durch Moskau 2014 in die russische Armee übergetreten. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.
In einem anderen Post teilte Raswoschajew mit, dass ein Wachmann und vier Sprengstofftechniker des Zivilschutzes im Einsatz getötet worden seien. Nach ukrainischen Angriffen sollen sie Gelände kontrolliert haben. Dabei sei ein feindliches Kampfmittel detoniert. Sewastopol sei wegen eines massiven ukrainischen Angriffs von der Stromversorgung abgeschnitten, teilte Raswoschajew laut staatlicher Nachrichtenagentur TASS mit.
Russland überzieht die Ukraine seit fast viereinhalb Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg. Bei russischen Attacken gibt es immer wieder Tote und Schäden im Zugverkehr und an Bahnhöfen. Kiew wehrt sich gegen die Invasion auch mit Drohnenangriffen gegen strategisch wichtige Anlagen im russischen Hinterland. Das sind Militärobjekte und Einrichtungen der Öl- und Gasindustrie. Ziel dieser Schläge ist es, dem russischen Militär die Treibstoffversorgung zu erschweren und dem Kreml die Kriegsfinanzierung.
Kiews Drohnen treffen Ölraffinerie und Logistikzentrum in Russland
Unterdessen haben die ukrainischen Streitkräfte bei neuen Drohnenangriffen tief im russischen Hinterland eine weitere Ölraffinerie und ein Lager des größten russischen Versandhändlers Wildberries in Brand gesetzt. Zwei Menschen seien in der Stadt Salawat verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden, teilte der Chef der Republik Baschkortostan, Radij Chabirow, mit. Medien berichteten zudem von einem Drohnenangriff und einem Brand in einer Ölraffinerie des Energieriesen Gazprom.
Die russische Flugabwehr habe 16 von insgesamt 21 Drohnen abgeschossen, sagte Chabirow. Ziel des Angriffs sei ein Logistikzentrum gewesen. Die Firma Wildberries, deren Lager die Ukraine seit Wochen attackiert, bestätigte den Angriff und den Brand. Das Gebäude sei evakuiert worden. Das zentrale Ermittlungskomitee warf der Ukraine einen weiteren “Terroranschlag” gegen zivile Infrastruktur vor.
Die Ukraine selbst behauptet, dass Wildberries russischen Kriegszwecken diene. Das Unternehmen und der Kreml weisen das kategorisch zurück und sprechen von ziviler Infrastruktur. Kommentatoren sehen in den Angriffen den Versuch Kiews, die Lage in Russland durch zunehmende wirtschaftliche Probleme zu destabilisieren.
Raffinerie Orsk nach Angriff wohl sechs Monate außer Betrieb
Nach einem ukrainischen Drohnenangriff stellt eine Ölraffinerie in der russischen Stadt Orsk den Betrieb vollständig ein. Die Reparatur der beschädigten importierten Anlagen könne wegen der Sanktionen bis zu sechs Monate dauern, teilte der Gouverneur der Region Orenburg, Jewgeni Solnzew, mit. Er warnte vor Kraftstoffengpässen für Autofahrer. Die Anlage in Orsk hat eine Jahreskapazität von sechs Millionen Tonnen Rohöl.
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben erneut Soldatenleichen von Russland erhalten. Die sterblichen Überreste von 261 Gefallenen, seien Kiew übergeben worden, teilte der Stab für Kriegsgefangenenbelange mit. Russland erhielt im Gegenzug von der Ukraine 24 Leichen zurück. Laut Informationen der UNO hat die Zahl der zivilen Todesopfer in der Ukraine im Juli ihren höchsten Stand seit dem Mai des Jahres 2022 erreicht. Im vergangenen Monat seien mindestens 437 Zivilistinnen und Zivilisten getötet und weitere 2.610 verletzt worden.