Millionen Menschen bei Trauerprozession für Khamenei

06.07.2026 • 16:20 Uhr

Der Trauerzug mit dem Sarg von Irans oberstem Führer Ayatollah Ali Khamenei nimmt seine Fahrt durch die iranische Hauptstadt Teheran. Das war am Montag live im iranischen Staatsfernsehen zu sehen. Iranischen staatlichen Angaben zufolge sind mehrere Millionen Menschen der Trauerprozession gefolgt. Eine genaue Zahl wurde nicht genannt. Bilder im staatlichen Sender IRIB zeigten riesige Menschenmengen, die den Weg des Leichnams durch die Hauptstadt säumten.

Der Trauerzug stellt den Höhepunkt der öffentlichen Trauerbekundungen für den bei US-israelischen Angriffen am 28. Februar getöteten Khamenei dar. Der Kondukt soll mehr als zehn Stunden dauern. Die iranischen Behörden waren um einen geordneten Ablauf der Trauerfeierlichkeiten bemüht. “Wir bitten die Bevölkerung, sich friedlich zum Azadi-Platz zu begeben”, wo der Trauerzug vorbeikommen soll, erklärte General Hassan Hassansadeh, ein ranghoher Kommandant der iranischen Revolutionsgarden. Sonntag und Montag wurden zu Feiertagen erklärt, damit die Bevölkerung Abschied von Khamenei nehmen könne.

“Rache, Rache” oder “Tod für Amerika”

Viele Teilnehmer der Prozession skandierten “Rache, Rache” sowie “Tod für Amerika” und “Tod für Israel”. Einige Anhänger hielten Plakate hoch, auf denen US-Präsident Donald Trump als Zielscheibe dargestellt war. An der Prozession nahmen auch zahlreiche Anhänger aus der Region teil, etwa Afghanistan, Syrien, dem Libanon oder Irak. Insgesamt rechneten die Behörden in Teheran mit bis zu 20 Millionen Teilnehmern an den tagelangen Trauerzeremonien.

Die Behörden fürchteten offenbar ein erneutes Chaos wie bei den Trauerfeierlichkeiten für Khameneis Vorgänger, Ayatollah Ruhollah Khomeini, im Jahr 1989. Damals kamen bei einem Massengedränge mehr als zehn Menschen ums Leben und mehr als 10.000 weitere wurden verletzt, wie die iranische staatliche Nachrichtenagentur IRNA angibt. Außerdem hatten seinerzeit zahlreiche Trauernde das Fahrzeug gestürmt, wobei das Leichentuch zerriss und Khomeinis Leichnam zu Boden fiel.

Seit 1989 an höchster Stelle

Khamenei stand seit 1989 an der Spitze des klerikalen Systems im Iran und war damit der mächtigste Mann im Staat. Der erzkonservative oberste Führer war Ende Februar am ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran bei einem Angriff auf seine Residenz in Teheran getötet worden. Neben dem 86-Jährigen wurden dabei auch mehrere seiner Angehörigen und weitere ranghohe Vertreter der iranischen Führung getötet. Bei dem Angriff am 28. Februar soll auch Khameneis Sohn Mojtaba Khamenei verletzt worden sein, der später zum neuen obersten Führer ernannt wurde. Er trat seitdem nicht mehr öffentlich auf.

Nach dem Trauerzug soll Khameneis Sarg am Dienstag in die schiitische Gelehrtenstadt Qom gebracht werden, am Mittwoch in schiitische Heiligtümer im Nachbarland Irak. Die Beisetzung ist für Donnerstag in Khameneis Heimatstadt Mashhad im Nordosten des Iran vorgesehen. Dort soll er zusammen mit seinen getöteten Familienmitgliedern begraben werden.

Die Tötung Khameneis nach mehr als dreieinhalb Jahrzehnten an der Macht hat in der Islamischen Republik eine neue Ära eingeläutet, die jedoch von Ungewissheit geprägt ist. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Massenproteste gegen das Regime im Jänner mit tausenden Toten gelten die Trauerfeierlichkeiten für Khamenei als Test, wie stark die Unterstützung für die Führung ist.

Seit dem 8. April herrscht in dem US-israelischen Krieg gegen den Iran eine brüchige Waffenruhe. Mitte Juni einigten sich der Iran und die USA auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges. Beide Seiten haben aber gedroht, dass sie die Kämpfe jederzeit wieder aufnehmen könnten.

Bekannte Reformer abwesend

Aus Sicherheitsgründen sperrte der Iran für Montag den Luftraum über Teheran. Auch für Dienstag und bis zu Khameneis Beerdigung am Donnerstag wurden zeitweise und örtlich begrenzte Einschränkungen beim Flugverkehr verkündet.

Während hochrangige Vertreter aus Regierung und Militär an den Trauerfeiern teilnahmen und sich teils erstmals seit Kriegsbeginn wieder öffentlich zeigten, kritisierten einige Politiker die Abwesenheit prominenter Persönlichkeiten. Der ehemalige Vizepräsident Mohammad Ali Abtahi beklagte auf X, dass frühere Präsidenten nicht eingeladen worden seien. “Eine solche Anwesenheit hätte (…) ein Bild der inneren Geschlossenheit und des nationalen Zusammenhalts vor den Augen der Weltöffentlichkeit vermitteln können”, schrieb er.

Vor allem führende Politiker aus dem Lager der Reformer waren nicht bei den Trauerfeiern zu sehen, darunter die ehemaligen Präsidenten Hassan Rouhani und Mohammad Khatami sowie der frühere Außenminister Mohammad Javad Zarif. Auch Ex-Präsident Mahmoud Ahmadinejad aus den Reihen der Hardliner war abwesend.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Montag, Ali Khamenei sei getötet worden, weil er ein Programm zur Vernichtung Israels angeführt habe. “Jeder iranische Führer, der erneut versucht, Pläne zur Vernichtung Israels zu verfolgen, wird ebenfalls getötet werden”, sagte Katz.