Tödliche Auseinandersetzung im Westjordanland
Bei einem bewaffneten Zwischenfall in der Nähe des israelischen Außenpostens “Gilad Farm” im palästinensischen Westjordanland sind mindestens fünf Menschen getötet und mehrere weitere verletzt worden. Palästinensische Behörden sprachen von einem Siedlerangriff gegen Palästinenser, während die israelische Armee den Vorfall als Attacke auf israelische Wanderer bezeichnete.
Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums sollen israelische Siedler das Dorf Tel in der Nähe von Nablus angegriffen und ein Haus in Brand gesetzt haben. Es sei zu einem Schusswechsel zwischen den Bewohnern des Hauses und Siedlern gekommen. Dadurch seien mindestens vier Palästinenser getötet und drei weitere schwer verletzt worden.
Israelische Medien berichteten, dass auch ein israelischer Bürger getötet worden sei. Eine Sprecherin der israelischen Armee erklärte auf X, es sei in der Nähe des israelischen Außenpostens “Gilad Farm” zu einem Angriff auf israelische Wanderer gekommen. Die Angreifer hätten die Waffe einer Sicherheitskraft entwendet und das Feuer auf Israelis eröffnet. Rettungskräfte brachten demnach mehrere verletzte Menschen in ein Krankenhaus.
Nablus und das Gebiet um Tel wurden vorübergehend abgeriegelt. Es würden Straßensperren errichtet und die Angreifer verfolgt, teilt das Militär mit.
Israels Sicherheitsminister Ben-Gvir fordert Vorgehen wie im Gazastreifen
Israels rechtsextremistischer Polizei- und Sicherheitsminister, Itamar Ben-Gvir, forderte auf der Plattform X, die Häuser von “Terroristen und deren Unterstützern” aus der Luft und mit Baggern zu zerstören, so wie es im Gazastreifen geschehen sei. “Für jeden ermordeten Juden muss der Feind den Verlust von Land und Häusern hinnehmen. Das ist die Sprache, die man im Nahen Osten spricht, und so wie wir sie in Gaza gesprochen haben”, schrieb Ben-Gvir. In Israel herrscht vor der Parlamentswahl Ende Oktober Wahlkampf. Es ist unklar, ob diese Forderung überhaupt in Betracht gezogen oder umgesetzt wird.
“Gilad Farm”
Der israelische Siedler-Außenposten “Gilad Farm” wurde 2002 errichtet. Das israelische Kabinett erklärte ihn 2018 zu einer vollwertigen Siedlung. Nach völkerrechtlichem Konsens gelten alle Außenposten und Siedlungen im besetzten palästinensischen Westjordanland als illegal.
Dort kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und radikalen israelischen Siedlern. Israel treibt seit langem den Bau von Siedlungen auf besetztem Palästinensergebiet voran. Sie sind hoch umstritten, werden vom Militär bewacht und sind international nicht anerkannt. Verstärkt greifen jüdische Siedler Palästinenser, die dort leben, an, zerstören ihre Häuser und Felder. Zahlreiche Menschen wurden bereits getötet.