Tony Rizzi beim ImPulsTanz: Leben und Leinwand lieben

“I love a shitty show.” Er liebe eine schlechte Show, verkündet Tony Rizzi gleich zu Beginn von “Endless Love / Endless Life”. Denn nirgendwo sonst könne man so gut entspannen. So gesehen gab es keine Entspannung für das ImPulsTanz-Publikum, das am Samstag ins Schauspielhaus Wien gepilgert war. Schließlich geht der 1965 geborene Tänzer und Performer mit den Anwesenden auf einen gut einstündigen Parforceritt durch sein Leben – zwischen Leinwand, Bühne und Sexclub.
So ist auch “Endless Love / Endless Life” wie praktisch alle Programme, die der Künstler mit seiner Gruppe Tony Rizzi and the Bad Habits in den vergangenen Jahren zusammengestellt hat, autobiografisch. Schließlich hat der aus den USA stammende und seit Jahrzehnten in Frankfurt beheimatete Rizzi als langjähriger Kooperationspartner von Tanzlegenden wie William Forsythe und Jan Fabre auch einiges zu erzählen.
Das Kino und die Diven
Für seine neueste Arbeit, die im Rahmen des ImPulsTanz österreichische Erstaufführung feierte, geht Rizzi ganz an den Anfang zurück – in die Zeit, in der er als Kind der Sucht des Kinos verfiel, das für den queeren Heranwachsenden Flucht in und Utopie einer anderen Welt darstellte. Er liebte und liebt die großen Diven – von Bette Davis über Judy Garland bis hin zu Louise Brooks und Brooke Shields. Und gemeinsam mit seinem Sidekick Manuel Gaubatz verkörpert er sie nun – mal lippensynchron zu einem projizierten Ausschnitt, mal als Tanzhommage mit Perücke.
Mal schlüpft Rizzi ins Tierkostüm für den schüchternen Löwen aus “Zauberer von Oz”, mal in den Brooks’ Bubikopf. Alles fließt hier zusammen, alles ist hier verbunden – Leben und Leinwand, Ironie und Inszenierung, Trash und Traurigkeit. Ein stetes Namedropping und augenzwinkernde Künstleranekdoten von Jodie Foster über Pedro Almodóvar bis zu Willem Dafoe zum Drüberstreuen, und das Schauspielhaus mutiert zum Off-Off-Broadwayclub, in dem nostalgisch von vergangenen Zeiten erzählt wird oder weniger nostalgisch, wie man sich im AKH das stecken gebliebene Sexspielzeug aus dem Hintern entfernen lassen muss. Und am Ende zählt einfach was, so Rizzis Erkenntnis? Richtig: Die Liebe. Ist doch auch schön.
(Von Martin Fichter-Wöß/APA)
(S E R V I C E – “Endless Love / Endless Life” von Tony Rizzi and the Bad Habits im Rahmen des ImPulsTanz im Schauspielhaus Wien, Porzellangasse 19, 1090 Wien. Regie/Choreo/Bühne/Licht/Text/Musik/Kostüme/Styling/Performance: Tony Rizzi, Performance: Manuel Gaubatz. Weitere Aufführung am 27. Juli. )