Eine Tote bei weiterem Messerangriff an Schule in Polen
Einen Tag nach einem Messerangriff mit neun Verletzten an einer Berufsschule in Polen hat sich am Donnerstag an einer Schule nahe Warschau eine tödliche Messerattacke ereignet. Ein 15-Jähriger habe die Hausmeisterin seiner früheren Schule erstochen und zwei weitere Erwachsene verletzt, teilte die Polizei mit. Nach der Tat in Leszczydol-Nowiny, einem kleinen Ort 70 Kilometer östlich von Warschau, wurde der mutmaßliche Täter festgenommen.
Die 37-jährige Hausmeisterin sei nach dem Angriff ihren Verletzungen erlegen, erklärte die Polizei im Onlinedienst X. Ein Lehrer und der Schuldirektor hätten den Angreifer dann überwältigen können, obwohl er sie mit seinem Messer angegriffen habe, führte Polizeisprecherin Katarzyna Kucharska aus.
Weiterer Bursche kündigte Tat an
Am Donnerstagmorgen wurde in Sierpc, 125 Kilometer nordwestlich von Warschau, außerdem ein 17-Jähriger festgenommen, der angekündigt hatte, in seiner Schule “etwas Grandioses” zu tun. Die Polizei fand in seiner Wohnung eine Tasche mit zwei Messern.
Am Mittwoch hatte ein 19-Jähriger in Ostroleka rund 120 Kilometer nördlich von Warschau Schüler, Lehrer und Passanten mit einem Messer angegriffen und dabei neun Menschen verletzt. Auch er wurde festgenommen.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft musste der 19-Jährige zwischenzeitlich im Krankenhaus behandelt werden, weil er sich selbst Verletzungen zugefügt hatte. Bei seinen Opfern handelte es sich nach Angaben des zuständigen Behördenleiters um fünf Schüler, zwei Lehrer und zwei Passanten. Lebensgefahr bestand demnach bei keinem von ihnen. In einer vom Angreifer in der Schule zurückgelassenen Tasche fanden die Ermittler Sprengstoff.
Tusk spricht von “Gewalt-Kult”
Wegen dieser Vorfälle berief der polnische Regierungschef Donald Tusk eine Krisensitzung ein. Tusk machte Online-Netzwerke und Videospiele für solche Taten mitverantwortlich. Es gebe einen “Gewalt-Kult” unter Jugendlichen, sagte er bei einer Pressekonferenz.
“Dieser Kult der Gewalt ist mittlerweile allgegenwärtig auf der Welt, und leider hat er auch Polen erreicht”, sagte Tusk. Dieser gefährliche Trend habe sich entwickelt “unter dem Einfluss des Internets” sowie von Videospielen und Inhalten, “die reine Gewalt fördern” wie sogenannte Freak fights, bei denen sich Influencer oder andere Prominente gewaltsame Auseinandersetzungen liefern. Es gebe einen Trend zur Nachahmung insbesondere bei Jungen “in einer psychischen Krise”.