Totschnig hält an “natürlichem” Wörthersee fest

18.06.2026 • 13:12 Uhr
Totschnig hält an "natürlichem" Wörthersee fest

Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) hat für die Forderung der Kärntner Wirtschaftskammer, den Wörthersee im Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan rechtlich neu einstufen zu lassen, wenig Verständnis. Er habe sich über den Vorstoß “gewundert”, eine entsprechende Änderung sei “nicht sein Zugang”, sagte er am Donnerstag am Rande eines Medientermins. Bisher gilt der See als “natürlicher Wasserkörper”, die Kammer will eine Verankerung als “erheblich veränderter Wasserkörper”.

Hintergrund ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Bei natürlichen Wasserkörpern – als solche gelten die meisten Seen in Österreich – ist ein weitgehend natürlicher Zustand das Ziel. Bei einem “erheblich veränderten Wasserkörper” sind die Bewertungskriterien und ökologischen Ziele niedriger gesteckt. Der ÖVP-Wirtschaftsbund argumentiert die “erhebliche Veränderung” in dem Antrag, der im Mai vom Kärntner Wirtschaftsparlament beschlossen wurde, unter anderem mit der Ringkanalisation um den See, Uferverbauungen, Schifffahrt und touristischer Nutzung.

Der Gewässerbewirtschaftungsplan verfolge auch das Ziel, den ökologischen Zustand von Gewässern wie dem Wörthersee zu schützen und zu erhalten, argumentierte Totschnig. “Insgesamt geht es immer darum, die Balance zwischen wirtschaftlichen Überlegungen und ökologischen Notwendigkeiten zu finden.” Außerdem verwies der Politiker auf den “Seendialog”, in dessen Rahmen die unterschiedlichen Interessen ausbalanciert würden.

Maßnahmen wegen “mäßigen” ökologischen Zustands

Kärntens Wirtesprecher Stefan Sternad begründete seine Initiative mit touristischer Weiterentwicklung, auch Seeeinbauten sollen möglich sein. Nach Messungen, aufgrund derer der ökologische Zustand von “gut” auf “mäßig” herabgesetzt wurde – Hauptproblem sind zu wenige Wasserpflanzen (Makrophyten) – wurde im Vorjahr ein Maßnahmenplan präsentiert. Vorgeschlagen wurden unter anderem der Rückbau harter Seeuferverbauungen, ein Besatzstopp für Karpfen und eine Neuregelung des Motorbootverkehrs. Sternad befürchtet dadurch wirtschaftlichen Schaden, ökologische Verbesserungen seien nicht garantiert. Der Plan zur Neueinstufung des Wörthersees stieß auf scharfe Kritik von Umweltschützern, aber auch seitens der Landespolitik.