Traumwandelnde Uraufführung von “Inge träumt” in Kärnten

Als sinnliches Stationentheater ist am Freitag mit “Inge träumt” ein Auftragswerk für den jungen Theaterverein “Ars ex Machina” anlässlich des 100. Geburtstags von Ingeborg Bachmann über die Bühne des Kärnten Museums in Klagenfurt gegangen. Regisseurin Christina Constanze Polzer ließ bei dem “Kärntner Triptychon” Publikum und Schauspieler durch das Haus traumwandeln. Die logistische Meisterleistung machte die Uraufführung zum poetischen Erlebnis.
Tamara Štajner, die derzeit mit ihrem Roman “Luft nach unten” die ORF-Bestenliste anführt, und ihr Mann Paul-Henri Campbell schufen auf Basis von Ingeborg Bachmanns Erzählung “Undine geht” eine poetische Assoziationskette von teils grotesken Szenen und fantastischen Traumbildern.
Bürgermeister Hans
Im Foyer eröffnet ein Bürgermeister “mit Namen Hans” ein Volksfest mit einer Rede, teils kärntnerisch gerappt, jovial, aber voll frauenfeindlicher Bilder. Die in Deutschland lebende, gebürtige Kärntnerin Eva Brunner verkörpert hinreißend diese schulterklopfende Männerfigur. Sie bezieht das Publikum immer wieder mit ein, lässt keine vierte Wand zwischen Bühne und Zuseherraum zu, mahnt, nicht auf die Kärnten-Fahne zu treten, die quer durch den Raum am Boden liegt.
Gruppenweise macht sich das Publikum dann auf den Weg in zwei fantastische Landschaften. Im von der Künstlerin Lisa Waldner alptraumartig und düster ausgestatteten “Gedärm” wird das Patriarchat “verdaut” und mit Text-Bruchstücken der Kärntner Autorin Bachmann auf die Beziehung zu Max Frisch angespielt. Aufgesplittet in Inge (Julia Hammerl) und Borg (Clemens Janout) kotzt die Dichterinnen-Stimme ihre Wut auf die Männer in die Welt.
Traumraum
Psychedelisch sanft geht es hingegen im völlig in Weiß gehaltenen Traumraum zu, wo ein Porträt von Ingeborg Bachmann auf das Publikum herunter lächelt und ein Klangteppich (Sounddesign: Anna Anderluh) den Hintergrund für die sich ergänzenden Worte von Bachmann und Štajner bildet. Ein Chor, der das Publikum zum Mitsingen eines doppelbödigen “Kärntnerliedes” (Marius S. Binder) auffordert und den Abend in Slowenisch ausklingen lässt, rundet die detailreich gestaltete Produktion ab.
Mit “Inge träumt” verweist das Autoren-Ehepaar Štajner-Campbell sarkastisch und humorvoll auf unterschwelligen Faschismus, Misogynie und Heimattümelei – so wie es auch Ingeborg Bachmann in ihren Texten getan hat.
(Von Karin Waldner-Petutschnig/APA)
(S E R V I C E – Theaterverein Ars ex Machina: “Inge träumt – Ein Kärntner Triptychon” von Tamara Štajner und Paul-Henri Campbell, Kärnten Museum, Klagenfurt. Regie: Christina Constanze Polzer; Schauspiel: Eva Brunner, Julia Hammerl, Clemens Janout; Chor: Alfred Aichholzer, Horst Bernel, Peggy Forma, Marlene Krapfl, Eva Samrock; Ausstattung: Lisa Waldner; Sounddesign: Anna Anderluh; Ausstattungsassistenz: Sarah Mattitsch; weitere Vorstellungen: 8., 11., 12., 14., 15., 16. September, 19.30 Uhr); )