Trockenheit, Hitze und Dürre setzen Landwirtschaft zu

01.07.2026 • 15:33 Uhr

Trockenheit, Hitze und Dürre setzen der Landwirtschaft in Österreich zu. Da Getreide mit den Gegebenheiten schlechter zurande komme als etwa Mais, sei “die Getreideanbaufläche nach derzeitigen Schätzungen gegenüber dem historischen Tiefststand 2025 weiter um 0,7 Prozent auf erstmals unter 0,5 Millionen Hektar gefallen”, so Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger am Mittwoch. Herausfordernd seien Preis-Kosten-Schere, EU-Politik und fehlende Wirkstoffe.

Die Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) prognostiziert mit 2,7 Mio. Tonnen bundesweit für heuer eine deutlich geringere Getreide-Erntemenge (ohne Mais) als im Vorjahr (minus 15 Prozent). Die Ackerbausaison “sei nichts für schwache Nerven”, sagte Moosbrugger bei einem Pressegespräch im burgenländischen Deutschkreutz. Die Witterung beim Herbstanbau 2025 sei wechselhaft gewesen, danach seien teilweise sehr trockene Wintermonate gefolgt. Mit der derzeit herrschenden extremen Hitze werden die Ernteerwartungen laut LKÖ von Tag zu Tag geringer.

Regional seien große Unterschiede zu bemerken, aber “je weiter man in den Osten kommt, umso stärker sind die Ertragseinbußen bei der Ernte”, so Moosbrugger. Die Qualitäten seien durchaus gut, aber die Mengen würden fehlen. Es brauche Niederschläge: “Zu viel Regen ist immer noch besser als zu wenig”, meinte der LKÖ-Präsident. Die Hitze mache auch der Landwirtschaft im Burgenland zu schaffen, sagte LK-Burgenland-Präsident Nikolaus Berlakovich. Im Nordburgenland habe man ein Niederschlagsdefizit von 90 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt. Die Getreideernte habe im Burgenland kaum jemals so früh begonnen, was an sich kein so gutes Zeichen sei.

Landwirtschaft kämpft mit Preis-Kosten-Schere

Die Erzeugerpreise befänden sich auf einem niedrigen Niveau, während die Produktionskosten weiterhin hoch seien, “insbesondere für Dünger, Energie, Treibstoffe, et cetera”, so Moosbrugger. Die Rentabilität sei angesichts der Preis-Kosten-Schere nicht gegeben. Für viele Betriebe werde es dadurch immer schwieriger, kostendeckend zu wirtschaften und notwendige Investitionen zu tätigen. Daher sei die Agrardiesel-Vergütung unverzichtbar und für die Wettbewerbsfähigkeit notwendig. Es werde herausfordernd, dass “wir im Ackerbau auch die Zukunftsperspektiven haben”. Aber: “Nichtanbau ist keine Alternative.” Es brauche eine gute Planung in der Frage, “welche Kulturen” angebaut werden sollen. Notwendig seien Weiterentwicklungen, um Stabilität zu bekommen.

Die Anbauplanung gestalte sich sehr schwierig. Die fünf wichtigsten Kulturen in Österreich seien aber weiterhin Mais (Körner- und Silomais), Weizen, Gerste, Sojabohnen und Triticale. Prozentual an Fläche wurden im Vergleich zum Vorjahr besonders stark Sonnenblumen (+19,7 Prozent), Roggen (+10,1), Ölkürbis (+9,5), Raps (+5,7 auf sehr niedrigem Niveau) und Wintergerste (+3,5) ausgeweitet. Am stärksten verloren hingegen Erdäpfel (-18,5 Prozent) – hier vor allem Stärkeerdäpfel mit minus 50,5 Prozent. In diesem Bereich habe man auf das starke vergangene Jahr reagiert, in dem es ein Überangebot gegeben habe, so Moosbrugger. Rückgänge gab es auch bei Körnererbsen (-21,2), Ackerbohnen (-12,2), Sommergerste (-12,1), Hafer (-9,3) und Zuckerrüben (-8,3).

Weitere Entlastungen von EU gefordert

Moosbrugger forderte von der EU weitere Entlastungen für die Bäuerinnen und Bauern. Er setze sich zudem für wirksame Importkontrollen bei Agrarerzeugnissen ein. Die LKÖ-Kernbotschaft zu allen Abkommen, etwa mit der Ukraine oder Mercosur, sei: “Was man bei uns in der Produktion, in der Tierhaltung nicht will, das darf nicht importiert werden.”

Berlakovich verlangte eine “starke, zukunftsweisende und ausreichend finanziell ausgestattete Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) samt Inflationsanpassung”. Die Betriebe würden auch mit dem kontinuierlichen Wegfall von Pflanzenschutz-Wirkstoffen kämpfen. Es sei aus seiner Sicht schwer zu erklären, dass in der europäischen Zone, in der sich Österreich befinde, ein Pflanzenschutzmittel zugelassen werde, das dann aber nicht in Österreich genehmigt werde.