Trockenheit: Niederschläge verhindern “katastrophale Ernte”

14.05.2026 • 07:36 Uhr

Die Niederschläge der vergangenen Tage konnten die Rekordtrockenheit im März und April bei Weitem nicht kompensieren, haben aber laut Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger eine “absolut katastrophale Ernte” verhindert. “Die jüngsten Niederschläge haben für die meisten Regionen und Betriebe eine leichte Erholung, aber längst keine echte Entwarnung gebracht”, sagte Moosbrugger zur APA. Es habe “nicht überall nennenswerten Niederschlag” gegeben.

Österreich hat nach Angaben von Geosphere Austria heuer die trockenste März-April-Periode seit Beginn der Messungen im Jahr 1858 verzeichnet. Erst in der zweiten Mai-Woche gab es nennenswerten Niederschlag. “Angesichts der niedrigen Grundwasserspiegel sprechen viele, gerade in der Forstwirtschaft und bei Dauer- bzw. tiefwurzelnden Spezialkulturen, auch von einem Tropfen auf den heißen Stein”, sagte der Landwirtschaftskammer-Chef. Außerdem habe man “trotz fortgeschrittener Vegetation noch zu einem relativ späten Zeitpunkt Spätfröste und trotz warmer Tagestemperaturen schon mehrere Frostnächte” gehabt. “Es war bisher kein Klimajahr für schwache Nerven”, so der oberste Bauernvertreter.

Landwirtschaftskammer rechnet mit “unterdurchschnittlicher Ernte”

Bereits vorhandene Schäden und Wachstumsdepressionen, etwa bei Raps, Zuckerrüben, aber auch bei Getreide, können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Die Landwirtschaftskammer rechnet trotz der jüngsten Niederschläge mit “einer unterdurchschnittlichen Ernte”. “Endgültige Aussagen hängen von der Witterung bis zum Sommer ab. Es kann noch viel passieren und der Regen schafft uns gerade einmal eine erste Atempause”, sagte Moosbrugger.

Die Trockenheit hat vielen Wiesen in Österreich stark zugesetzt. Den Rinder- und Milchbauern fehlt dadurch Futter für ihre Tiere. “Im Grünland ist der Schaden bereits eingetreten, der erste Schnitt ist deutlich unterdurchschnittlich bis katastrophal”, berichtete der Landwirtschaftskammer-Generalsekretär Ferdinand Lembacher. Der erste Grünschnitt sei der wichtigste Schnitt für die Landwirtschaft. Nun hoffe man durch mehr Niederschläge auf einen besseren zweiten Schnitt.

Raps von Trockenheit schwer betroffen

Die Trockenheit hat für die heimischen Ackerbauern bereits zu “spürbaren Schäden”, unter anderem bei Getreide und Raps, geführt. Der Raps schaut ganz schlimm aus, ist extrem schnell verblüht”, so der Landwirtschaftskammer-Generalsekretär. Auch bei Weizen gibt es laut Lembacher “bereits Schäden, aber das Pflanzenwachstum findet etwas später als beim Raps statt. “Der Regen kam für den Weizen quasi “auf den letzten Drücker”, um noch für eine einigermaßen passable Ernte sorgen zu können, wenn es jetzt gut weitergeht”, sagte der Bauernvertreter.

Aufgrund der Trockenheit im März und April sowie Rüsselkäfer-Befall mussten 1.500 von 22.800 Hektar Zuckerrübenanbaufläche in Österreich “umgebrochen” werden. Die gesamte Anbaufläche wurde vom Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern Agrana mit den heimischen Rübenbauern vertraglich fixiert. Auf 500 Hektar, die umgeackert werden mussten, erfolge noch eine Zuckerrüben-Neusaat, hieß es am Dienstag bei der Agrana-Bilanzpressekonferenz. Die Agrana verarbeitet die Rüben in ihrer Fabrik in Tulln zu Zucker. Bei Zuckerrüben, Stärkekartoffeln und Mais ist Agrana-Produktionsvorstand Franz Ennser “nach wie vor optimistisch”, dass es durch die Trockenheit in Österreich nicht zu größeren Mengenausfällen kommen wird. Die aktuellen und prognostizierten Niederschläge hätten “einen gewissen mildernden Effekt”.