Tschechiens Notenbankchef gegen schnellen Euro-Beitritt

21.07.2026 • 11:35 Uhr

Der tschechische Zentralbankchef Ales Michl stellt sich offen gegen die Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Andrej Babis und Präsident Petr Pavel. Er warf den beiden Spitzenpolitikern in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der “Financial Times” unangebrachte Ideen vor. Er widersetzte sich zugleich Forderungen nach Zinssenkungen und warnte vor einem verfrühten Beitritt zur Eurozone.

Babis sei ein “Sammelsurium-Ministerpräsident, der einer Idee im Stile Trumps folgt: Je billiger das Geld, desto besser.” Dem Druck des Regierungschefs nachzugeben, würde die Preisstabilität in Tschechien gefährden, warnte Michl.

Ebenso kritisch äußerte sich der Notenbankchef über die Kampagne von Präsident Pavel für eine Einführung des Euro. Die tschechische Wirtschaft habe sich noch nicht ausreichend der Währungsunion angenähert, um einen solchen Schritt zu rechtfertigen. Ein verfrühter Beitritt könne die Inflation durch steigende Löhne und Kosten anheizen, warnte Michl. Die Zentralbank müsse unabhängig bleiben. Pavel hatte argumentiert, es sei “eindeutig besser, mit am Tisch zu sitzen, an dem die Entscheidungen getroffen werden, als vor der Tür zu warten”.

Notenbank-Chef schätzt flexible Wechselkurse

Die tschechische Nationalbank (CNB) hatte im Juni den Leitzins erstmals seit vier Jahren um einen Viertelpunkt auf 3,75 Prozent angehoben. Sie begründete dies mit dem Lohnwachstum und dem allgemeinen Inflationsdruck. Michl erklärte, er bevorzuge eine flexible Währung. “Ich mag flexible Wechselkurse, und die Aufwertung der Krone ist ein Instrument zur Inflationsbekämpfung”, sagte er. Grundsätzlich sind alle EU-Staaten mit Ausnahme Dänemarks verpflichtet, den Euro einzuführen. Es gibt dafür jedoch keinen festen Zeitplan. Tschechien trat 2004 der Europäischen Union bei.

Bulgarien hat im Jänner den Euro eingeführt. Ungarns neuer Ministerpräsident Peter Magyar strebt dies bis etwa 2030 an.