U1-Brand: Untersuchungsbericht ortet mögliche Wartungsmängel

08.10.2026 • 12:52 Uhr
U1-Brand: Untersuchungsbericht ortet mögliche Wartungsmängel

Der Brand einer U1-Garnitur im November 2024 ist laut dem Untersuchungsbericht der Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB) auf eine Kombination aus beschädigter Kabelisolierung und einem nicht funktionierenden Schutzschalter zurückzuführen, berichtete der “Kurier” in seiner Donnerstagsausgabe. Zudem ortete der Bericht mögliche Wartungsfehler, die zum Unglück beigetragen haben könnten. Die Wiener Linien sprachen von einer “Verkettung zweier unabhängiger Ereignisse”.

Am 19. November 2024 war eine U1-Garnitur während der Nachmittagsverkehrsspitze zwischen den Stationen Taubstummengasse und Südtiroler Platz in Brand geraten. Der Zug war zu diesem Zeitpunkt ohne Fahrgäste als Sonderzug unterwegs. Fünf Menschen wurden leicht verletzt, der Sachschaden ging in die Millionen. Der U1-Betrieb war auf dem betroffenen Abschnitt rund zehn Tage unterbrochen.

Laut “Kurier” brachte der Untersuchungsbericht der Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes nun “höchst brisante Fakten an die Oberfläche”. Demnach hätte der Kabelschaden bei der wenige Tage davor stattgefundenen Zug-Wartung erkannt werden können. Und: Jener Schutzschalter, der bei einem Kurzschluss den Stromkreis hätte unterbrechen sollen, löste nicht aus – und zwar mutmaßlich wegen Wartungsmängeln.

Langzeitmangel nicht erkannt?

Der Untersuchungsbericht wirft laut “Kurier” zudem die Frage auf, ob ein Langzeitmangel nicht erkannt wurde. Erst eine Woche vor dem Unglück habe in Heiligenstadt eine Zug-Wartung (“B-Revision”) stattgefunden, bei der der Isolationsfehler der Kabel (” Scheuerstellen “) “hätte erkannt werden können”, da es sich dabei um einen “Langzeitmangel” handle. Der im Fahrzeug befindliche “Hauptschalter”, den der Kurzschluss (“Masseschluss”) rechtzeitig zum Abschalten hätte bringen müssen, “funktionierte nicht”. Wobei aber wegen des völlig zerstörten Schalters “kein direkter Nachweis” erbracht werden kann.

Wiener Linien sehen “Verkettung zweier Ereignisse”

Die Wiener Linien betonten in einer Stellungnahme hingegen, dass sowohl ein externer Brandsachverständiger als auch die Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes übereinstimmend zu dem Schluss kommen, “dass eine Verkettung zweier unabhängiger Ereignisse zu dem Vorfall geführt hat”. Den Ermittlungen zufolge wurde der Brand durch einen Isolationsschaden an einem Kabel ausgelöst. Dieser führte zu einem Kurzschluss, der letztlich zum Brandereignis führte.

Unmittelbar nach dem Vorfall hatten die Wiener Linien als Sofortmaßnahme zudem sämtliche Züge der betroffenen Baureihe einer umfassenden Überprüfung unterzogen. “Dabei wurden insbesondere die Kabel auf mögliche Beschädigungen kontrolliert”, hieß es.

Hauptschalter zerstört

Die Wiener Linien verwiesen auch darauf, dass sich die von der SUB vermutete mangelhafte Wartung des Hauptschalters nicht nachweisen ließ. “Aufgrund der Zerstörung des Hauptschalters konnte dies jedoch nicht nachgewiesen werden. Es wurden auch in den anderen überprüften Zügen keine mangelhaften Schalter gefunden. Die Untersuchungen ergaben keinen Hinweis auf einen systematisch bedingten Fehler”, so die Wiener Linien. Die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien dennoch diesbezüglich vom Hersteller des Hauptschalters geschult worden.

Das Unternehmen betonte zudem, dass bereits während der laufenden Untersuchungen zusätzliche Maßnahmen zur weiteren Erhöhung der Betriebssicherheit umgesetzt wurden. “Künftig werden die Kontrolle der Kabelisolation sowie die Überprüfung des Hauptschalters umfassender in den Wartungschecklisten verankert. Darüber hinaus wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt sensibilisiert und entsprechend nachgeschult”, so die Wiener Linien.