UNESCO berät erneut über Wiens Verbleib auf “Roter Liste”

17.07.2026 • 05:00 Uhr
UNESCO berät erneut über Wiens Verbleib auf "Roter Liste"

Das Interesse Wiens an Busan ist grundsätzlich wohl eher überschaubar. In den kommenden Tagen wird man im Rathaus aber recht genau in Richtung südkoreanischer Metropole blicken. Denn dort tagt ab Sonntag das UNESCO-Welterbekomitee. Entschieden wird dabei auch, ob die Wiener Innenstadt wegen des Heumarkt-Projekts weiterhin auf der Liste der gefährdeten Welterbestätten bleibt oder ob man diesmal eine Streichung erwirken kann.

Spannend wird es wohl ab Dienstag (21. Juli), wenn die Causa Wien auf die Tagesordnung kommt. Je nach Sitzungsverlauf kann es aber auch erst an einem der Folgetage so weit sein. Das UNESCO-Treffen ist bis 29. Juli angesetzt.

Das Bauprojekt, das das Areal Hotel Intercontinental/Eislaufverein/Konzerthaus umfasst, stößt seit Jahren auf Unmut der Welterbeschützer. Denn das Vorhaben der Wertinvest von Michael Tojner beinhaltet auch Hochhaustürme, die den UNESCO-Experten trotz mehrfacher Abänderungen immer noch ein Dorn im Auge sind. Seit 2017 befindet sich das Historische Zentrum Wiens deshalb auf der “Roten Liste” der Welterbestätten.

Projekt schrumpfte bereits von 73 auf knapp 50 Meter

Geht es nach dem Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS), der die UNESCO berät, dann soll das auch so bleiben. Denn in der kürzlich veröffentlichten “Draft Decision”, die bei der Sitzung als Entscheidungsgrundlage dienen soll, gibt es ganz klar die Empfehlung, Wien “rot” zu lassen. Denn im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Projekt nicht verändert. Dabei geht es um die 2023 vorgestellte Heumarkt-Variante, deren Maximalhöhe bei 49,95 Metern – in der allerersten Version waren es einmal 73 Meter – liegt und die laut einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts im heurigen Februar zudem eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) braucht, gegen die wiederum Tojner mit einer außerordentlichen Revision vorgeht.

In den vergangenen Jahren sind die Welterbevertreter stets der ICOMOS-Vorentscheidung gefolgt. Dass es diesmal anders sein könnte, scheint zumindest nicht ausgeschlossen. Denn laut mehreren Medienberichten in den vergangenen Wochen hat Österreich – also Bund und Stadt Wien – hinter den Kulissen versucht, die Stimmung zu drehen. So hat man demnach nicht nur einen von Wertinvest produzierten Imagefilm herumgereicht, sondern auch auf politischem und diplomatischem Wege lobbyiert. Das Ziel: Wien soll von der “Roten Liste” gestrichen werden.

Lobbying-Offensive von Bund und Stadt

Diese Vorgangsweise wurde zuletzt etwa von der FPÖ kritisiert, die vor dem Hintergrund der “Draft Decision” meint: “Die Fachgremien lassen sich weder von Imagefilmen noch von Hinterzimmerdiplomatie beeindrucken.” Auch die Umweltorganisation Virus, die die UVP vor Gericht erkämpft hatte, hielt fest: “Die Bundesregierung möge ihre unstatthaften Interventionen zugunsten eines privaten Bauprojekts unverzüglich einstellen, und es bleibt zu hoffen, dass sich das Welterbekomitee davon nicht irritieren lässt.”

Normalerweise setzt das Welterbekomitee bei derlei Entscheidungen auf das Konsensprinzip. Kommt man in Busan aber auf keinen grünen Zweig, wird abgestimmt, wobei eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig ist. Will Wien also den Gefährdungsstatus loswerden, müssen 15 der 21 im Komitee vertretenen Nationen – Österreich selbst ist kein Mitglied – entsprechend votieren.

(S E R V I C E – )