Ungarns Ex-Notenbankchef Matolcsy festgenommen

21.10.2026 • 11:54 Uhr
Ungarns Ex-Notenbankchef Matolcsy festgenommen

Der ehemalige Präsident der ungarischen Nationalbank (MNB), György Matolcsy, ist am Mittwoch im Rahmen einer groß angelegten Razzia verhaftet worden. Diese Festnahme erfolgte durch die Zentrale Ermittlungsstaatsanwaltschaft (KNYF), berichteten ungarische Medien. Unter der Führung von Matolcsys Nachfolger Mihály Varga hatte die Bank Strafanzeige erstattet, unter anderem wegen des Verdachts auf Untreue, Misswirtschaft, Betrug und Amtsmissbrauch.

Zu den Beschuldigungen gegen Matolcsy gehören schwerer wirtschaftlicher Betrug mit erheblichen finanziellen Schäden und Urkundenfälschung, bestätigte sein Anwalt Pál Bátki laut dem Onlineportal “Telex”. Er war bis 2025 an der Spitze der Nationalbank gestanden.

Milliarden Steuergelder veruntreut

Die Ermittlungen gegen Matolcsy und dessen Umfeld begannen, nachdem Berichte des Staatlichen Rechnungshofes (ÁSZ) offenlegten, dass während seiner Amtszeit enorme Summen an Steuergeldern über Stiftungen der MNB in Netzwerke seiner Familie und Freunde abgeflossen sein sollen. Nach Angaben des ÁSZ handle es sich um einen Verlust von rund 500 bis 560 Milliarden Forint (1,37 bis 1,54 Mrd. Euro).

Die Untersuchungen konzentrierten sich auf Finanztransaktionen und Immobiliengeschäfte mit öffentlichem Geld, die auch im Zusammenhang mit Ádám Matolcsy, dem Sohn des Ex-Notenbankchefs, stehen. Das Stiftungsnetzwerk von Matolcsy war unmittelbar nach seinem Amtsantritt 2013 gegründet worden. Er galt als enger Vertrauter des abgewählten rechtsnationalen Premiers Viktor Orbán. György Matolcsy war sowohl in Orbáns erster als auch in dessen zweiter Regierung Wirtschaftsminister gewesen.

Ex-Premier Orbán erwartet von den Behörden eine “unparteiische Untersuchung” mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten hinsichtlich der Wirtschaftsführung der Stiftungen der MNB – “ohne politischen Druck”, teilte er am Mittwoch mit. Dabei müsse die Verantwortung aller Beteiligten geklärt werden. Der Chef der Oppositionspartei Fidesz betonte, dass für jeden die Unschuldsvermutung gelte und jeder Anspruch auf ein faires Verfahren habe.

Verdacht des Amtsmissbrauchs im Fall Erste Group

Matolcsy war bereits im September im Zusammenhang mit einem Verfahren rund um die Erste Group und mutmaßlichen Amtsmissbrauch als Verdächtigter verhört worden. Dabei geht es um den Rücktritt des ungarischen Aufsichtsrates der Erste Group, András Simor. Dieser hatte nach eigenen Aussagen sein Mandat niedergelegt, nachdem die MNB Druck auf die Erste Bank Ungarn ausgeübt hatte. Grund dafür soll Simors Kritik am damaligen MNB-Chef Matolcsy gewesen sein. Simor war bis 2013 dessen Vorgänger an der Spitze der ungarischen Notenbank.