US-Kongresskandidat im Westjordanland kurz festgenommen

Israelische Sicherheitskräfte haben im besetzten Westjordanland vorübergehend den US-Kongresskandidaten Brad Lander festgenommen. Der demokratische Politiker wurde mit Dutzenden weiteren Aktivisten bei einer Olivenernte nahe Bethlehem festgesetzt, so Menschenrechtsgruppen am Mittwoch. Laut israelischer Armee fehlte für die Ernte in dem Gebiet eine vorherige Abstimmung. Die Aktivisten begleiten palästinensische Bauern, um sie vor Übergriffen israelischer Siedler zu schützen.
Während Lander nach Polizeiangaben als Kongresskandidat rasch wieder freigelassen worden sei, blieben andere Helfer, darunter mehr als 30 US-Bürger, zunächst in Gewahrsam. Lander selbst erklärte am Mittwoch in Onlinenetzwerken, er sei zusammen mit einer Gruppe von Rabbinern und Freiwilligen festgenommen worden, als sie westlich von Bethlehem palästinensische Olivenbauern unterstützten. Später schrieb Lander, er sei aufgrund seiner Bekanntheit wieder freigelassen worden.
“Die Besatzung ist ein Verbrechen nach dem Völkerrecht. Das Ernten von Oliven ist nach keinem mir bekannten Gesetz ein Verbrechen”, notierte Lander im Onlinedienst X. Der US-Politiker tritt am 3. November für den Wahlbezirk von New York für einen Sitz im Repräsentantenhaus an.
Israelisches Außenministerium: “Kalkulierte politische Inszenierung”
Das israelische Außenministerium warf Lander eine “kalkulierte politische Inszenierung” vor. “Es ging hier nicht darum, Oliven zu ernten. Es ging darum, Schlagzeilen zu ernten”, hieß es in einer Erklärung. Zudem habe der Demokrat Anweisungen ignoriert, sich mit den israelischen Behörden abzustimmen.
Die israelische Armee erklärte, der palästinensische Olivenbauer habe keine Genehmigung für die Ernte beantragt. Dies sei aber “notwendig, um die Sicherheit des Gebietes zu gewährleisten und die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten”.
Israel hält Westjordanland seit 1967 besetzt
Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler, deren Siedlungen nach Völkerrecht illegal sind. Die Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser hat sich in den vergangenen Monaten verschärft.
UN-Menschenrechtsexperten hatten Israel angesichts der derzeit stattfindenden Olivenernte aufgefordert, die palästinensischen Olivenbauern vor Übergriffen zu schützen. Im vergangenen Jahr hatte es UN-Angaben zufolge im Zusammenhang mit der Ernte 178 Angriffe von Siedlern auf 88 palästinensische Gemeinden gegeben – fast doppelt so viele wie 2024. Mehr als 6000 Bäume und Setzlinge wurden demnach “mutwillig beschädigt”.