US-Militär meldet Zerstörung von fünf iranischen Öl-Tankern
Das US-Militär hat mehrere iranische Rohöltanker angegriffen, die mit den Iranischen Revolutionsgarden in Verbindung stehen sollen. Die Attacken auf fünf Schiffe seien eine Reaktion auf Raketenangriffe auf ein Kriegsschiff der US-Marine in den vergangenen zwei Tagen gewesen. Iranische Revolutionsgarden reagierten nach eigenen Angaben am Mittwoch mit Raketenangriffen auf einen US-Stützpunkt in Jordanien und Attacken auf Schiffe im Persischen Golf sowie der Straße von Hormuz.
Der Iran weitete daraufhin sein maritimes Sperrgebiet bei der Straße von Hormuz aus. Das neue Sperrgebiet erstrecke sich von der südiranischen Hafenstadt Chabahar bis in Teile des Golfs von Oman und des Arabischen Meeres, teilt die Revolutionsgarde mit. Die genauen Koordinaten sollen noch bekanntgegeben werden.
Bei den US-Angriffen ist im Nordwesten des Iran der sunnitische kurdische Geistliche Mamosta Mohammad Nezhati getötet worden, teilte die iranische Revolutionsgarde in einer Erklärung mit, wie die halbamtliche Nachrichtenagentur Mehr meldet. Die Eliteeinheit macht “zionistisch-amerikanische, kurdische Separatistengruppen” verantwortlich. Die Tat zielte der Mitteilung zufolge darauf ab, Zwietracht zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen zu säen und die Sicherheit in der Provinz West-Aserbaidschan zu gefährden. Nezhati gehörte nach Angaben der Agentur Fars der Basij-Miliz an, einer paramilitärischen Einheit der Revolutionsgarde.
Revolutionsgarden attackierten zehn Schiffe
Man habe zwei US-Schiffe und acht Öltanker angegriffen, die versucht hätten, ein “verbotenes und unsicheres” Gebiet in der Straße von Hormuz zu durchqueren, behaupteten die Revolutionsgarden. Demnach habe man auch bei Vergeltungsangriffen auf Jordanien den dortigen US-Stützpunkt Al-Azraq getroffen und beträchtlichen Schaden angerichtet. Laut der staatlichen jordanischen Nachrichtenagentur Petra fing die Armee des Landes 20 ballistische Raketen erfolgreich ab. 18 seien zerstört worden, zwei in entlegene Gebiete gestürzt. Zwei Geschoße seien in unbewohntem Gebiet niedergegangen, Opfer habe es keine gegeben. Ein US-Vertreter erklärte, die Angriffe seien wirkungslos geblieben und alle Soldaten seien wohlauf.
Zuvor hatten iranische Medien mehrere Explosionen auf der Insel Kharg im Persischen Golf sowie nahe der Hafenstadt Jask an der Straße von Hormuz gemeldet. Die Besatzungsmitglieder seien im Vorhinein aufgefordert worden, die Schiffe zu verlassen, teilte das zuständige US-Regionalkommando CENTCOM auf der Plattform X mit. Die Öltanker könnten nicht mehr genutzt werden. Ein dazu veröffentlichter Videoclip des US-Militärs schien Raketenangriffe im Bereich der Maschinenräume der Tanker zu zeigen. Angaben zu möglichen Opfern gab es nicht. Die erneute Eskalation ließ die Ölpreise weiter steigen.
US-Militär: Vergeltung für Angriff auf eigene Marine
Der erneute Vergeltungsschlag gegen iranische Tanker sei erfolgt, nachdem die Revolutionsgarden in den vergangenen zwei Tagen zweimal ein Kriegsschiff der US-Marine mit ballistischen Raketen angegriffen hätten, teilte CENTCOM weiter mit. Das US-Kriegsschiff sei dabei nicht getroffen worden. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA zitierte die Revolutionsgarden, wonach die mit Marschflugkörpern ausgerüsteten US-Zerstörer DDG-119 und DDG-53 ins Visier genommen worden seien.
Dass der Iran auch Schiffe der US-Marine ins Visier nehme, schüre Befürchtungen, dass er fortgeschrittenere Waffen einsetzt und bei der Ortung der Kriegsschiffe möglicherweise Unterstützung aus China oder Russland erhält, sagten US-Beamte dem “Wall Street Journal”. Der Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats im Iran, Mohsen Rezaei, hatte zuvor vom erstmaligen Einsatz eines neuartigen Seezielflugkörpers berichtet. Rezaei sprach im staatlichen Rundfunk von einer “wichtigen Warnung an den Feind”, dass die von den USA gegen iranische Häfen verhängte Seeblockade verwundbar sei.
US-Außenminister warnte Teheran
US-Außenminister Marco Rubio warnte den Iran unterdessen, dass die USA als Vergeltung weiterhin iranische Öltanker attackieren werden. Während eines Besuchs in Kolumbien erklärte Rubio, dass das Land jedes Mal, wenn der Iran versuche, Schiffe der US-Marine zu treffen, Tanker verlieren werde. Die USA versuchen, die Öl-Lieferungen aus der Region am Persischen Golf durch Geleitschutz in der Straße von Hormuz zu sichern, während die Öl-Exporte des Iran durch eine Blockade unterbunden werden sollen.
Bei den Attacken habe das US-Militär die Tanker “M/T Kaviz”, “M/T Charminar”, “M/T Horizon 1” und den bereits sinkenden Tanker “M/T Riesco” im Golf von Oman zerstört, teilte CENTCOM mit. Nahe der Insel Kharg sei zudem das Schiff “M/T Derya” angegriffen worden, hieß es weiter. Die Tanker seien “Teil eines milliardenschweren Schattennetzwerks” gewesen, durch das sich die Revolutionsgarden finanzierten. Dazu zählen die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen, die Hisbollah-Miliz im Libanon, schiitische Milizen im Irak sowie die Houthi-Rebellen im Jemen.
Raketenangriffe auf Jordanien
Laut der regierungsnahen Nachrichtenagentur Mehr waren Explosionen auf verschiedenen Teilen der Insel Kharg zu hören, darunter auch im Hafengebiet. Auch nahe der Hafenstadt Jask im Südosten des Irans an der Straße von Hormuz seien Explosionen zu hören gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur Fars. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim gab es auch mehrere Explosionen auf zwei US-Stützpunkten in Jordanien. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.
Im Persischen Golf südlich des iranischen Festlands liegen mehrere Inseln von strategischer Bedeutung für die Führung in Teheran. Sie spielen auch wirtschaftlich eine wichtige Rolle.
Insel Kharg ist das wichtigste iranische Öl-Exportterminal
Die iranische Insel Kharg etwa ist das wichtigste Exportterminal für iranisches Erdöl im Persischen Golf. Ein großer Teil der Ölproduktion wird von dort verschifft. Im Iran-Irak-Krieg (1980-1988) war Kharg wegen seiner strategischen Bedeutung wiederholt Ziel von Angriffen.
Die Straße von Hormuz hat sich im Verlauf des jüngsten Iran-Kriegs zum zentralen Streitpunkt zwischen Washington und Teheran entwickelt: Der Iran blockiert mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe den Verkehr durch die für den Transport von Öl, Erdgas und Dünger weltweit bedeutende Meerenge noch immer weitestgehend. Vor dem Krieg war die Meerenge für den Schiffsverkehr offen. Die USA wollen mit einer Seeblockade gegen iranische Häfen den Iran unter Druck setzen. Zuletzt kam es immer wieder zu gegenseitigem Beschuss. Infolge der Blockade und Preissteigerungen in den USA steht Trump vor den wichtigen Parlamentswahlen im November auch innenpolitisch stark unter Druck.