US-Notenbank Fed legt vor Kongresswahlen Zinspause ein
Die US-Notenbank hat ihren Leitzins kurz vor den US-Zwischenwahlen wie erwartet konstant gehalten. Der geldpolitische Schlüsselsatz bleibt in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent, wie die Währungshüter um Fed-Chef Kevin Warsh am Mittwoch bekannt gaben. Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig: Die Währungshüterinnen Lisa Cook und Beth Hammack votierten für eine Anhebung.
Die Notenbank räumte ein, dass die Inflation “weiterhin erhöht” sei. Warsh versicherte zugleich, dass die Fed für Preisstabilität sorgen werde – und zwar “ohne Wenn und Aber.” Er wolle sich aber nicht auf Spekulationen über eine Zinserhöhung im Dezember einlassen. Da bis zur nächsten Sitzung wichtige Daten eingingen, werde die Fed jedoch womöglich besser in der Lage sein, “die richtigen geldpolitische Entscheidung” zu treffen.
Notenbankchef Warsh: Entscheidung ausschließlich geldpolitisch motiviert
Mit der Zinspause nur wenige Tage vor den am 3. November anstehenden Zwischenwahlen zum US-Kongress dürfte die Notenbank auch Kritik aus dem Weißen Haus aus dem Wege gehen. US-Präsident Donald Trump hatte der Fed unter Warshs Vorgänger Jerome Powell immer wieder vorgeworfen, mit ihrer vermeintlich zu straffen Geldpolitik die Wirtschaft zu bremsen.
Notenbank Warsh betonte, die Zinspause war ausschließlich geldpolitisch motiviert: “Politik spielte bei der Entscheidung keine Rolle.” Auf der zweitägigen Fed-Sitzung sei das Thema Wahlen gar nicht zur Sprache gekommen. Warsh kündigte zugleich überraschende Änderungen am Sitzungskalender der Zentralbank an. Im kommenden Jahr soll es bei einer der acht Notenbank-Sitzungen keine Zinsentscheide geben, 2028 sollen zwei der Zinssitzungen ohne Zinsentscheidung ausfallen.
Mitte September hatte die Fed erstmals seit Juli 2023 wieder den Leitzins um einen Schritt, also 0,25 Prozentpunkte, angehoben. Fed-Chef Kevin Warsh argumentierte, dass die Entscheidung eine schnellere Rückkehr zum Zwei-Prozent-Inflationsziel der Fed unterstützen werde. Die Teuerungsrate lag zuletzt allerdings fast doppelt so hoch wie gewünscht: Die Verbraucherpreise hatten im September im Jahresvergleich um 3,7 Prozent zugelegt und sich damit dem höchsten Stand seit über drei Jahren angenähert.
Angetrieben wurde die Preisentwicklung vor allem durch Kosten für Energie, nachdem sich wichtige Rohstoffe wie Erdöl in den vergangenen Wochen infolge des Iran-Kriegs deutlich verteuert hatten. Auch der KI-Boom und solide Konsumausgaben heizten die Inflation weiter an. Zugleich verlangsamte sich aber auch das Beschäftigungswachstum.
“An und für sich hätte es für die US-Notenbanker gute Gründe gegeben, ihr Tagesgeldzielband bereits heute abermals nach oben zu schleusen”, so Elmar Völker von LBBW Research in einer ersten Reaktion. Man könne nur mutmaßen, ob die Fed gefürchtet haben, dass sie sich mit einer Zinserhöhung kurz vor den US-Zwischenwahlen dem Vorwurf einer Einflussnahme auf den Wahlausgang auszusetzen. “Warsh hatte keine wirklich klare Antwort darauf, warum die Fed angesichts überhöhter Inflation und starken Wachstums nicht jetzt schon eine weitere Zinserhöhung geliefert hatte”, schrieb auch der Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner.
Lena Dräger, Forschungsdirektorin beim Kiel Institut für Weltwirtschaft, hält die aktuelle Pause der Fed hingegen für richtig: “Ein weiterer Zinsschritt schon jetzt wäre verfrüht.” Die US-Inflation sei zwar mit 3,4 Prozent zu hoch, aber sie komme vor allem von der Tankstelle. Die Expertin verweist darauf, dass Benzin 34 Prozent mehr koste als vor einem Jahr: “Dagegen helfen höhere Zinsen wenig. Eine Lohn-Preis-Spirale droht nicht, denn die Löhne steigen mit drei Prozent langsamer als die Preise.”
Ökonomen erwarten nun Zinserhöhung im Dezember
Für die kommende Zinsentscheidung im Dezember halten Ökonomen eine Zinserhöhung angesichts der hohen Inflation jetzt für sehr wahrscheinlich. “Aufgeschoben ist nicht aufgehoben”, so Völker in einer ersten Reaktion. Mit Blick auf die nächste Fed-Sitzung im Dezember dürften sich die Gewichte der Argumente pro und kontra Zinsanhebung seiner Einschätzung nach maßgeblich zur “Pro-Seite” verschieben. Auch der Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner und der US-Experte der Förderbank KfW, Stephan Bales, erwarten angesichts der hohen Inflation nun eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt im Dezember.
Eine Zinssenkung, wie sie US-Präsident Donald Trump seit langem erfolglos verlangt, halten Experten dagegen für unrealistisch. Diese lässt sich nicht mit den aktuellen Wirtschaftsindikatoren begründen. Zuletzt forderte er etwa, der Leitzins solle “bei einem Prozent oder darunter liegen”.
Fed sucht mit Zinsschritten Kompromiss aus Preisstabilität und Vollbeschäftigung
Mit ihren Zinsentscheidungen versucht die US-Notenbank, einen Kompromiss zwischen stabilen Preisen und möglichst vielen Vollbeschäftigten zu finden. Bei höheren Zinsen verteuern sich Kredite für Verbraucher und Unternehmen. Menschen und Firmen geben wegen der höheren Kreditkosten zögerlicher Geld aus, das bremst die Wirtschaft. Ein niedrigerer Zins stimuliert zwar Wachstum und den Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen.
Mit der Straffung der Geldpolitik im September hatte Warsh gleich zwei Lager von Kritikern besänftigt. So vermissten einige Experten seit seinem Amtsantritt im Mai tatsächliche Schritte, um der von ihm priorisierten Preisstabilität nachzukommen. Zudem nahm Warsh jenen Skeptikern den Wind aus den Segeln, die ihm eine zu große Nähe zu Trump nachgesagt hatten. Mit dem Zinsschritt nach oben sahen Experten die Glaubwürdigkeit der Fed gewahrt, die von Gesetzes wegen unabhängig von der Politik über den Zins entscheiden soll.