Hattmannsdorfer und Verbund-Chef für Industriestrompreis

HEUTE • 17:02 Uhr

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) dürfte die Forderung nach einem niedrigeren Strompreis für die Industrie mit in die morgige Regierungsklausur nehmen. Wenn Deutschland Maßnahmen zum Industriestrompreis setzt, bestehe auch in Österreich “Handlungsbedarf”, sagte der ÖVP-Minister am Montag im Ö1-Radio. Ähnlich sieht das Verbund-Chef Michael Strugl: “Die Industrie braucht sofort Hilfe, das versteht jeder”, sagte er am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Zur Frage der Finanzierbarkeit angesichts des Sparkurses antwortete Hattmannsdorfer vage: Eine wettbewerbsfähige Wirtschaft sei die “Grundlage der Budgetkonsolidierung”. Wirtschaftskammer-Chefin Martha Schultz will konkret einen geförderten Industriestrompreis von 5 Cent pro Kilowattstunde für drei Jahre, was den Staat rund 400 Mio. Euro jährlich kosten würde.

IHS-Ökonom für Gegenfinanzierung über Streichung von Diesel-Privileg

IHS-Ökonom Klaus Weyerstrass sieht aufgrund der “angespannten öffentlichen Kassen” eine Gegenfinanzierung unabdingbar. Als Beispiel nannte der Experte etwa die Streichung von Subventionen für fossile Energieträger – Stichwort: Abschaffung des Dieselprivilegs. “Irgendwer wird das finanzieren müssen und wir haben gleichzeitig noch die Klimaziele”, sagte Weyerstrass im Ö1-Mittagsjournal. Mit Blick auf den geforderten Zeitraum von drei Jahren sagte der Ökonom: Die Stromkosten seien in Österreich auf längere Sicht hoch, ein längerfristiges Senken könnte nur durch den Ausbau erneuerbarer Energien gelingen.

Verbund-Chef Strugl hält den subventionierten Industriestrompreis ebenfalls für eine Übergangslösung: “Längerfristig muss man sich etwas anderes einfallen lassen”. Als Schlüssel zu günstigeren Strompreisen und mehr Resilienz in Europa sieht auch er den Ausbau der Stromerzeugung, insbesondere aus erneuerbarer Energie, und der Netze. Allerdings: “Je nachdem, wie gut und wie kosteneffizient ich die Transformation gestalte und plane, desto günstiger wird sie”, sagte Strugl. Zentral sei es, den Ausbau von Erzeugung, Netzen und Speichern bestmöglich aufeinander abzustimmen und netzdienliches Verhalten bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zu fördern. “Rund um das Thema gibt es eine Menge zu behirnen”, sagte Strugl.

Auch die Industriellenvereinigung (IV) bekräftigte am Montag ihre Forderung nach günstigeren Strompreisen. Hohe Energiepreise, ein verschärfter internationaler Wettbewerb und eine spürbare Investitionszurückhaltung gefährdeten Wertschöpfung und Arbeitsplätze, hatte IV-Präsident Georg Knill gegenüber der APA bereits Ende Dezember erklärt. Die Grünen waren vergangene Woche ebenfalls für einen niedrigeren Industriestrompreis eingetreten. Sie begrüßten am Montag, dass die Regierung den Vorschlag nun diskutiert.

Strompreise in Europa deutlich höher als global

Das Problem bei der Höhe der Strompreise sei allerdings nicht der innereuropäische, sondern der globale Vergleich, sagte Strugl: Der durchschnittliche Industriestrompreis in den USA und China liege etwa bei 8 Cent pro Kilowattstunde (kWh), in Europa seien es hingegen 15 Cent je kWh. Bei kleineren Betrieben sei der Preis in Europa sogar dreimal so hoch. “Das ist das Problem, mit dem sich Europa massiv auseinandersetzen wird müssen.”

Für Haushalts- und Gewerbekunden bietet der Verbund ab März 2026 einen neuen Stromtarif an. Der Strompreis soll darin unter 10 Cent pro kWh liegen, statt 15,6 Cent je kWh bisher. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) sah in der Preissenkung des teilstaatlichen Konzerns einen “weiteren großen Schritt” hin zu “günstigen Energiepreisen”. Auch SPÖ-Staatssekretärin Michaela Schmidt sowie NEOS-Vorsitzende und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger begrüßten die Preissenkung. Kritik kam hingegen von der FPÖ, sie bezeichnete die Preissenkung als “Tropfen auf den heißen Stein”. Der Strompreis macht rund ein Drittel auf der endgültigen Rechnung aus, zwei Drittel entfallen auf Netzkosten und Steuern und Abgaben.