Verletzte bei Angriff israelischer Siedler im Westjordanland
Bei Angriffen von radikalen israelischen Siedlern in verschiedenen Orten im besetzten Westjordanland soll es Berichten zufolge eine Reihe von Verletzten gegeben haben. Neben mehreren Palästinensern sei auch eine ausländische Journalistin im Krankenhaus behandelt worden, meldeten palästinensische und israelische Medien am Freitag. Die Gewalt habe sich vor allem gegen palästinensische Helfer bei der Olivenernte gerichtet. Zudem wurde eine “Washington Post”-Fotografin verletzt.
Bei einem Vorfall in dem Ort Abu Falah sollen Siedler zwei Palästinenser geschlagen haben, hieß es unter anderem in einem Bericht der palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA. Einem weiteren Mann wurde dem Bericht zufolge ins Bein geschossen. Das israelische Militär sagte Freitagnachmittag, Soldaten hätten in der Gegend Warnschüsse in die Luft gegeben und in Richtung einer verdächtigen Person geschossen. Der Palästinenser sei mit einem scharfen Gegenstand auf sie zugelaufen.
Israels Armee sagte weiter, sie untersuche den Vorfall in Abu Falah, bei dem auch die Fotojournalistin der “Washington Post” verletzt worden sei. Sie sprach von einer “gewalttätigen Auseinandersetzung”. Israelische Einsatzkräfte hätten diese beendet. Laut WAFA soll Israels Militär dabei Tränengas gegen Palästinenser eingesetzt haben.
Radikale Siedler sollen Erntehelfer angegriffen haben
Die israelische Zeitung “Haaretz” meldete unter Berufung auf Augenzeugen, dass rund 30 maskierte Siedler Erntehelfer angegriffen und ihnen befohlen hätten, zu gehen. Israelische Sicherheitskräfte seien dazu gekommen, hätten aber keinen der Angreifer festgenommen.
Israelische und palästinensische Medien meldeten auch in anderen Orten im Westjordanland Siedlergewalt, durch die palästinensische Erntehelfer verletzt worden seien. Laut WAFA setzten Angreifer dabei Fahrzeuge und Olivenbäume in Brand. Israels Polizei meldete auch Steinwürfe. Alle Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
“Washington Post”-Fotografin verletzt
Außerdem überfielen radikale Siedler eine US-Fotografin im Westjordanland, als sie für die Zeitung “Washington Post” Aufnahmen von Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern machen wollte. “Mehr als 50” mit Stöcken bewaffnete maskierte Siedler hätten sie plötzlich angegriffen, sagte Heidi Levine vor Journalisten am Freitag im Krankenhaus in Ramallah, wohin sie nach dem Überfall zur Behandlung gebracht worden war.
“Plötzlich sprangen sie auf mich zu, ich trug glücklicherweise meinen Helm und meine Schutzweste”, berichtete Levine, die Verletzungen an ihrer Hand und einem Bein erlitten hatte. Sie habe versucht, ihr Gesicht zu schützen, sagte die Reporterin, die seit Jahrzehnten im Nahen Osten arbeitet. Die Angreifer hätten mit Füßen auf sie eingetreten. Laut der “Washington Post” wies die Schutzweste Levine mit dem Aufdruck “Press” auf Brust und Rücken eindeutig als Journalistin aus.
Ein Sprecher der US-Botschaft in Jerusalem sagte, die Berichte über den Angriff seien der Botschaft bekannt, er wollte sich aber unter Verweis auf Gesetze zur Privatsphäre nicht weiter äußern. “Wir haben keine höhere Verantwortung als die, amerikanische Bürger zu schützen”, sagte er lediglich.
Laut der “Foreign Press Association”, die internationale Medien in Israel vertritt, stahlen die Siedler Levines Pass, ihr Telefon, ihre Geldbörse und ihre Ausrüstung. Der Vorfall reihe sich ein in viele andere gewalttätige Übergriffe auf Journalisten und andere Zivilisten im Westjordanland. “Aber unsere wiederholten Aufforderungen an die israelischen Behörden, diese Gesetzlosigkeit zu unterbinden, sind ignoriert worden.” Erst vor zehn Tagen war der AFP-Fotograf Jaafar Ashtiyeh von Siedlern im Westjordanland verletzt worden, als er über die Olivenernte berichten wollte.
Netanyahu-Rivale verurteilt Gewalt
Der wichtigste Rivale von Premier Benjamin Netanyahu bei der in elf Tagen anstehenden Parlamentswahl in Israel, Gadi Eisenkot, verurteilte die Siedlergewalt. “Diese Handvoll Randalierer repräsentieren nicht die israelische Öffentlichkeit”, sagte er zugleich. Der Ex-Militärchef forderte harte Maßnahmen der Polizei gegen sie. Israels Armee teilte ihrerseits mit: “Angriffe und Gewalt gegen unschuldige Zivilisten sind schwerwiegende und inakzeptable Taten.”
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gazakrieg nochmals zugespitzt. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1.100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen oder eigenen Anschlägen getötet.
Zugleich hat die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser stark zugenommen. Dem israelischen Militär wird dabei immer wieder vorgeworfen, nicht entschlossen genug dagegen vorzugehen.