Verteidigung stellt Aussagen im Stronach-Prozess infrage

Im Prozess gegen den österreichisch-kanadischen Magna-Gründer Frank Stronach wegen Missbrauchsvorwürfen haben in den vergangenen Verhandlungstagen mehrere Klägerinnen mutmaßliche Übergriffe geschildert. Seine Verteidigerin stellte die Darstellungen der Frauen infrage und verwies auf mögliche Widersprüche, während diese ihre Vorwürfe vor Gericht bekräftigten, wie etwa “The Canadian Press” berichtet. Stronach bekennt sich nicht schuldig und weist alle Vorwürfe von sich.
Die fünfte Klägerin, die im Prozess in Toronto gegen Stronach aussagt, muss sich am heutigen Dienstag weiteren Fragen seiner Verteidigerin Leora Shemesh stellen. Zu Beginn der Befragung am Montagnachmittag (Ortszeit) konzentrierte sich die Anwältin auf Unstimmigkeiten zwischen den Details, die die Frau gegenüber der Polizei und vor Gericht angegeben hatte. Zuvor war die mittlerweile 71-jährige Frau in Tränen ausgebrochen, als sie vor Gericht aussagte, dass Stronach sie im Herbst 1990 in seiner Hotelsuite vergewaltigt habe, berichtet “The Canadian Press”.
Vorwürfe von sieben Frauen werden verhandelt
Vergangenen Freitag war eine andere Klägerin befragt worden, wie unter anderem “CBC” berichtete. Stronachs Anwältin argumentierte, die Frau gebe Erinnerungslücken vor, weil sie bereue, freiwillig das Schlafzimmer von Stronachs Wohnung in Toronto betreten zu haben, wo sie angeblich sexuell missbraucht worden sei, so Shemesh. Die Klägerin, die im Sommer 1983 als Studentin für Stronachs Unternehmen gearbeitet hatte, wies die Darstellung zurück.
Insgesamt werden laut kanadischen Medien die Vorwürfe von zwölf Frauen gegen Stronach in Kanada verhandelt, wobei diese in zwei Verfahren gesplittet wurden. Beim Prozess in Toronto werden die Vorwürfe von sieben Frauen behandelt, die übrigen Vorwürfe sollen später im Jahr in Newmarket (Ontario) verhandelt werden. Die Verhandlung in Toronto findet nur vor einer Richterin statt, eine Jury gibt es nicht.
Vorwürfe reichen bis in die 70er-Jahre zurück
Gerichtsdokumenten zufolge reichen die Anschuldigungen der versuchten Vergewaltigung gegen Stronach bis ins Jahr 1977 zurück. Weitere Frauen werfen dem Milliardär Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe in den 1980er, 1990er- und frühen 2000er-Jahren vor. Einige Vorfälle ereigneten sich demnach in Toronto, weitere auch in der kanadischen Stadt Aurora, wo Stronachs ehemalige Firma Magna International ihren Hauptsitz hat. Auch im Frühjahr 2023 soll der Milliardär sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen verübt haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Stronach, gebürtiger Steirer, hat in Nordamerika den Magna-Konzern aufgebaut, der vor allem in der Auto-Industrie reüssierte. In Österreich wurde der heute 93-Jährige durch sein Sport-Investment im Fußball und Pferdesport sowie als Gründer der kurzzeitig auch im Nationalrat vertretenen Partei Team Stronach einer breiten Öffentlichkeit bekannt.