Vorarlbergs E-Busse – Clevere Ladeinfrastruktur ist zentral

30.08.2026 • 06:00 Uhr
Vorarlbergs E-Busse - Clevere Ladeinfrastruktur ist zentral

Bis Ende 2029 werden in Vorarlberg über 200 öffentliche Busse elektrisch unterwegs sein. Das westlichste Bundesland treibt die Elektrifizierung seiner Busflotte seit 2020 mit Fördermitteln des Bundes stark voran. Bereits derzeit fährt ein Gutteil der Busse des Vorarlberger Verkehrsverbundes (VVV) mit E-Antrieb, Vorarlberg ist damit Vorreiter. Der Umstieg bringt Herausforderungen mit sich, Knackpunkt ist vor allem die Effizienz bei Lademanagement und -infrastruktur.

2020 begann Vorarlberg den E-Umstieg mit vier Bussen. Aus dem aus EU-Geldern gespeisten Programm “Emissionsfreie Busse und Infrastruktur” (EBIN) des Verkehrsministeriums erhielt Vorarlberg aus zwei Calls 38,5 Mio. Euro Anteilsfinanzierung für Busankauf und Infrastruktur zugesagt. “Kein anderes Bundesland hat so ambitionierte Konzepte eingereicht wie Vorarlberg”, hieß es dazu vom VVV, der alle im Bereich des ÖPNV tätigen Unternehmen vereint und die Öffi-Modernisierung zwischen Land, Gemeinden und 21 Verkehrsbetrieben zentral koordiniert. Ausschlaggebend war dabei das gemeinsame Engagement aller Beteiligten: Die Verkehrsunternehmen beschaffen die Busse, Energielieferant illwerke vkw AG stellt die Ladeinfrastruktur, die dann die Busbetreiber und Kommunen aus der Rahmenvereinbarung abrufen können.

142 E-Busse bereits im Einsatz

“Bei den aktuellen Fahrzeugpreisen wäre ein Umstieg ohne Förderungen nicht denkbar”, hieß es seitens des Verkehrsverbunds, denn ein elektrischer Bus kostet etwa doppelt so viel in der Anschaffung wie ein Dieselfahrzeug. Über EBIN wurden zunächst 80, nun 60 Prozent dieser Mehrkosten gefördert. Im Betrieb seien die weniger wartungsintensiven E-Busse insgesamt wirtschaftlicher, so der VVV. Mit Sommerbeginn 2026 waren in allen Landesteilen bereits 142 Busse elektrisch im Einsatz, allein sie haben laut VVV bisher rund 6,8 Mio. Kilometer zurückgelegt. Bis 2029 kommen weitere 69 E-Busse dazu, vom Kleinbus bis zum 18 Meter langen Gelenkbus. Mit dann 211 E-Bussen wird man rund 10.500 Tonnen CO2 jährlich einsparen. Die tägliche Belastungsprobe haben die Busse laut VVV bereits “bravourös in allen Situationen bestanden”. Buspersonal und Fahrgäste schätzten die ruhigere Fahrweise und geringere Geräusch- und Vibrationsentwicklung.

Ladedepot Wolfurt mit 5 Megawatt Strom

Entscheidend für einen reibungslosen Betrieb der E-Busflotte ist die Ladeinfrastruktur. Ihr Ausbau obliegt der illwerke vkw AG über ihre Tochter vlotte vkw GmbH. Der Energiekonzern übernimmt für Busbetreiber alle Leistungen – Planung, Errichtung und Betrieb der Ladepunkte sowie die Energielieferung. Für die Verkehrsbetriebe entstehen keine hohen Erstinvestitionskosten: Für die Vertragslaufzeit bleibt der Energiekonzern Eigentümer der Ladesäulen, abgerechnet wird per monatlicher Pauschale. Eine modulare Bauweise der Ladepunkte ermöglicht laufende Erweiterungen, bis 2029 werden die illwerke vkw laut vlotte vkw-Geschäftsführer Philipp Österle rund 15 Mio. Euro investiert haben.

155 Ladepunkte sind in Vorarlberg bereits in Betrieb, allein an den Postbus-Standorten Wolfurt (Bez. Bregenz), Bludenz und Feldkirch sind es 87. Das Ladedepot im Bereich des Güterbahnhofs Wolfurt sei damit der größte Ladestandort Österreichs für E-Busse. “Wir bieten hier eine Anschlussleistung von fünf Megawatt”, so Österle bei einem Lokalaugenschein. Viele der Ladeplätze waren an jenem Vormittag leer, die meisten Busse unterwegs. “Und so soll es sein”, befand Österle. Der Öko-Strom dafür kommt direkt vom Netz und wird über mehrere Trafos und Leistungseinheiten an die Ladepunkte verteilt. Dort sind dann bis zu 240 Kilowatt (kW) Leistung abrufbar.

Intelligente Steuerung von Ladevorgängen

Ein intelligentes Lastmanagementsystem sorgt für eine optimale Verteilung, je nach Einsatzzeiten und Fahrplan der Busse. “Ziel ist ein Laden mit wenig Leistungsspitzen: ein fahrplanbasiertes und damit möglichst wirtschaftliches Lademanagement. Da ist viel Know-how dahinter”, erklärte Österle. Dabei hilft eine Software: Die Busbetreiber laden ihre Fahrpläne hoch, je nach Dauer des Ladefensters wird das Fahrzeug dann priorisiert. Für eine Nachtladung der im Dach verbauten Akkus sind Leistungen von 30 bis 50 kW ausreichend. Kann der Bus nur für eine kurze Zwischenladung stoppen, braucht es deutlich mehr Ladeleistung. Die Lebensdauer eines E-Bus-Akkus beträgt laut Österle zehn Jahre, “auch im zehnten Jahr muss die volle Reichweite abrufbar sein”.

Mit Optimierungsfragen befasst sich das Projekt “FreeE-Bus” am Forschungszentrum Energie der FH Vorarlberg. Hier wird mithilfe von Simulationen berechnet, wann am besten mit welcher Leistung geladen werden soll und wie ein Umstieg auf E-Busse wirtschaftlich sein kann. Damit schafft man eine Grundlage für die Betriebsplanung. Denn in der Praxis müssen viele Faktoren für einen wirtschaftlichen E-Bus-Betrieb zusammenspielen: Reichweite, Ladezeiten, Fahrpläne, Streckenprofil, Fahrgastzahl, Wetter und Kapazität des Stromnetzes. Gerade Sommer und Winter sind herausfordernd: So ziehen etwa die Nutzung von Schneeketten oder Steigungen mehr Energie, ebenso Heizung bzw. Klimatisierung. Im Schnitt kommt ein E-Bus zwischen 300 und 340 Kilometer weit mit einer Akkuladung.

Dieselbus wird zur Ausnahme im Ländle

Ab Ende 2029 werden Dieselbusse im Ländle die Ausnahme sein. Österle zeigte sich überzeugt, dass E-Busse die insgesamt günstigere Antriebsart sind. “Wir haben im kleinen Feld viel Erfahrung gesammelt, die Technik ist ausgereift. Und jetzt gehen wir step-by-step vor beim Ausbau”, erklärte der Geschäftsführer. Noch gebe es viele Stellhebel zur Optimierung. Bei gutem PV-Wetter könnten Busse zukünftig etwa häufiger tagsüber zwischenladen. “Es gibt noch keine Antwort auf alles, aber die wird kommen”, so Österle, der auch betonte: “Bisher ist noch kein Bus wegen eines leeren Akkus irgendwo liegengeblieben.”