Warnstreik bei öffentlich-rechtlichen Medien in Tschechien

Mit einem eintägigen Warnstreik haben Tausende Beschäftigte der öffentlich-rechtlichen Medien in Tschechien gegen die geplante Abschaffung der Rundfunkgebühren protestiert. Zahlreiche Sendungen wie die Nachrichten begannen am Montag im Fernsehen jeweils mit einer einminütigen Verspätung. Viele Moderatoren trugen demonstrativ schwarze Trauerkleidung. Auf den Online-Seiten, in den sozialen Medien und im Videotext hatte das Angebot einen geringeren Umfang als üblich.
Die Nachrichtensendungen auf ČT24 begannen eine Minute nach Mitternacht. Bis dahin erschien auf einem schwarzen Bildschirm eine Uhr, die die Minute herunterzählte, sowie ein erklärender Text. Auch andere Nachrichtensendungen begannen um 5:01, 6:01 und 7:01 Uhr. In den Sendungen selbst wurde der Streik nicht erwähnt. Im Laufe des Tages waren Protesthappenings geplant. Ansonsten hielten sich die Auswirkungen zunächst in Grenzen.
Abschaffung der Rundfunkgebühren
Das rechte Kabinett hatte vor einer Woche die Abschaffung der Rundfunkgebühren beschlossen. Das Parlament muss dem noch zustimmen. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender (ČT) und der Rundfunk (ČRo) sollen künftig direkt aus dem Staatsbudget finanziert werden. Sie sollen zudem deutlich weniger Geld erhalten als bisher.
Kritiker sehen in dem Schritt einen Angriff auf die Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien. Kulturminister Oto Klempíř von der Autofahrerpartei warf den streikenden Beschäftigten hingegen vor, es gehe ihnen nicht um Werte, sondern nur ums Geld. In Tschechien regiert eine Koalition aus der rechtspopulistischen ANO des Milliardärs Andrej Babiš und zwei Kleinparteien am rechten Rand des politischen Spektrums.
Proteste und Kritik
Bereits am Sonntag hatten sich mehrere tausend Menschen vor dem Sendezentrum des tschechischen Fernsehens ČT in Prag versammelt, um gegen die Regierungspläne zu protestieren. Sie hielten Spruchtafeln mit Texten wie “Freie Medien = Freie Gesellschaft” oder “Wir wollen kein Regierungs-Programm” hoch.
Auch der liberale Präsident Petr Pavel äußerte sich jüngst kritisch zu der geplanten Medienreform, weil das bisherige System gut funktioniere. Derzeit zahlt in Tschechien jeder Haushalt monatlich 55 Kronen (2,28 Euro) für den Rundfunk und 150 Kronen (6,21 Euro) für das Fernsehen.