Welternährungsprogramm kürzt Gaza-Hilfe um ein Drittel

19.10.2026 • 13:35 Uhr

Das Welternährungsprogramm (WFP) fährt eigenen Angaben zufolge seine Ernährungshilfe für notleidende Menschen im Gazastreifen runter. Rund eine halbe Million Palästinenser in dem vom Krieg gezeichneten Gebiet erhalte nun keine Hilfe mehr, hieß es in einer Mitteilung. Grund für die Kürzung der Ernährungshilfe um rund ein Drittel seien Finanzierungslücken. Ab diesem Monat unterstützt die UNO-Organisation demnach noch 1,1 Millionen Menschen.

Zuvor habe sie seit Beginn der Waffenruhe-Vereinbarung im Oktober 2025 jeden Monat rund 1,6 Millionen Palästinenser etwa mit Lebensmittelpaketen, Brot und Bargeld versorgt. “WFP verfügt jetzt nicht mehr über ausreichende Finanzierungen, um dieses Hilfsniveau aufrechtzuerhalten”, teilte die Organisation weiter mit. Die Zahl der täglich ausgegebenen warmen Mahlzeiten falle von 250.000 auf 150.000.

Wer weiter WFP-Hilfe erhält, bekommt weniger

Auch diejenigen, die weiterhin Unterstützung erhielten, bekommen demnach nun weniger Hilfe. Die Organisation habe die Lebensmittelrationen um die Hälfte gekürzt. Auch warme Mahlzeiten würden nun seltener verteilt. Das WFP benötigt nach eigenen Angaben für die kommenden sechs Monate dringend 450 Millionen US-Dollar (rund 400 Millionen Euro), um die lebensnotwendige Hilfe im Gazastreifen und im israelisch besetzten Westjordanland fortzusetzen.

Derzeit leiden dem Welternährungsprogramm zufolge etwa 1,4 Millionen Menschen in Gaza – also zwei Drittel der Bevölkerung des Küstengebiets – unter einer schweren Ernährungskrise. Rund 200.000 von ihnen befänden sich in einer akuten Notlage. “Wir sagen der Welt, dass es jetzt nicht am der Zeit ist, wegzuschauen”, sagte der kommissarische WFP-Direktor Carl Skau der Nachrichtenagentur Reuters im Gazastreifen. Ein Jahr nach der Vereinbarung der Waffenruhe sei das Leben dort noch immer schwer. Es fehle an angemessenen Unterkünften, einer Grundversorgung und Sicherheit. Die von der Hamas geführte Pressestelle der Regierung im Gazastreifen nannte die Kürzungen katastrophal. Sie könnten eine Hungersnot auslösen.

Die IPC-Initiative (Integrated Food Security Phase Classification), die Nahrungskrisen in aller Welt beobachtet, sieht das Gebiet derzeit nicht mehr von einer Hungersnot betroffen. Dennoch sei die Bevölkerung des Gazastreifens stark von akuter Mangelernährung und Ernährungsunsicherheit betroffen. Die für Palästinenserangelegenheiten zuständige israelische Behörde COGAT betont wiederum, dass die Menge der Hilfslieferungen den Ernährungsbedarf der Bevölkerung übersteige. Es gebe keine akute Ernährungsunsicherheit im Gazastreifen.

Wiederaufbau kommt kaum voran

Die im vergangenen Jahr von den USA vermittelte Waffenruhe sieht einen Wiederaufbau des Gebiets vor. Die Umsetzung des Abkommens, das auch die Entwaffnung der palästinensischen Terrororganisation Hamas und den Abzug der israelischen Truppen beinhaltet, kommt jedoch kaum voran. Israelische Streitkräfte halten weiterhin mehr als 60 Prozent des Territoriums besetzt und fliegen fast täglich Luftangriffe. Die Hamas kontrolliert den Großteil der Gebiete, in denen mehr als zwei Millionen Palästinenser leben. Sie harren zumeist in provisorischen Unterkünften aus und werden Hilfsorganisationen zufolge nur unzureichend versorgt.