Wenn Kiebitzen Wasser fehlt, stirbt der Nachwuchs

22.06.2026 • 10:49 Uhr
Wenn Kiebitzen Wasser fehlt, stirbt der Nachwuchs

Trockenheit, fehlender Wasserzugang und menschliche Eingriffe in Lebensräume setzen Vögeln massiv zu. Die Brutsaison des Kiebitz, des heurigen “Jahresvogels”, verläuft laut der Vogelschutzorganisation Birdlife besorgniserregend: In einigen Gebieten bestehe noch Hoffnung auf Nachwuchs. Insgesamt zeige sich aber “ein dramatischer Rückgang” des Bruterfolgs. Durch die extreme Trockenheit im Frühjahr haben viele Jungtiere nicht genug Nahrung.

“Besonders in trockenen Maisäckern fanden die Kiebitzfamilien nicht genügend Würmer oder Insekten, was in mehreren Gebieten zum kompletten Ausfall der Brut führte”, berichtete Daniel Leopoldsberger, Projektverantwortlicher bei Birdlife Österreich, am Montag. Sehr deutlich seien die Auswirkungen im Zentralraum Oberösterreichs, wo ein Großteil der Brutpaare vorkommt. Bereits Anfang April wurden erste Küken beobachtet. Trockenheit und Bodenbewirtschaftung führten laut Birdlife jedoch vielerorts dazu, dass nur wenige Jungvögel erfolgreich flügge wurden.

Bessere Ausgangslage in Ostösterreich

In Ostösterreich zeige sich ein anderes Bild: Viele Kiebitze begannen ihre Brut ungewöhnlich spät, teilweise erst Ende Mai oder Anfang Juni. “Dies verlängert die Brutsaison 2026 auf ein Rekordniveau, bietet aber auch eine kleine Chance, da die Äcker zu diesem Zeitpunkt bereits bearbeitet waren und die Niederschläge aktuell wieder regelmäßiger werden”, so Leopoldsberger.

Aus Niederösterreich und dem Burgenland wurde indes berichtet, dass sich Trupps erwachsener Kiebitze ohne Jungvögel zur Nahrungssuche zusammenschließen. Dies sei wohl ein Hinweis, dass es die Jungtiere nicht geschafft haben. Zusätzlich zur Trockenheit könnten Jungvögel in größerer Anzahl Beute von Füchsen, Rabenvögeln oder Mardern geworden sein. Heuer gibt es laut Leopoldsberger nämlich auch ungewöhnlich wenige Mäuse, wodurch Räuber auf alternative Beute ausweichen.

Besonders im Tullnerfeld zeige sich, wie schnell sich die Bedingungen verschlechtern können: “Nach einem Rekord-Brutjahr 2025 mit hohen Grundwasserständen nach dem Hochwasser 2024 sind die Bestände 2026 wieder stark zurückgegangen”, sagte Leopoldsberger. Es gebe einen direkten Zusammenhang mit Eingriffen in den Wasserhaushalt.