Westeuropa mit meisten Firmenpleiten seit mehr als 20 Jahren

Der schwache Welthandel und geopolitische Auseinandersetzungen haben dafür gesorgt, dass Westeuropa im Vorjahr die höchste Zahl an Unternehmensinsolvenzen seit mehr als 20 Jahren verzeichnete. In den EU-14-Staaten zuzüglich Norwegen, Schweiz und Großbritannien lag die Zahl von 197.610 Firmenpleiten um 4,8 Prozent über dem Vorjahresniveau, wie eine Erhebung des Gläubigerschutzverbandes Creditreform zeigt. In Österreich wurde der vierte Anstieg in Folge verzeichnet.
Damit sei der höchste Stand seit 2002, dem Beginn der Aufzeichnungen, erreicht worden, sagte Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung in Deutschland, bei der Online-Präsentation. “Wir sind in einer neuen Realität seit 2020 mit verschärften Wettbewerbsbedingungen, internationalen Konflikten.” Höhere Energiepreise und geringere Exportquoten machen es Unternehmen in Westeuropa “nicht einfacher”. “Wir haben mittlerweile ein Stadium erreicht, in dem diese ganz vielen Krisen der vergangenen Jahre sich kumulieren”, so Hantzsch. Dies führe zu einer “strukturellen Krise”.
Die meisten westeuropäischen Länder registrierten 2025 einen Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen. Am stärksten fiel der Zuwachs in der Schweiz (plus 35,3 Prozent) aus, gefolgt von Griechenland (+24,4 Prozent), Finnland (+12,1 Prozent) und Deutschland (+8,8 Prozent). Allerdings gab es in der Schweiz mit 1.1.2025 eine Gesetzesänderung, wodurch staatliche Unternehmen “viel schneller einen Konkurs betreiben”, wie Hantzsch ausführte. Österreich lag mit einem Anstieg von 4,3 Prozent im europäischen Mittelfeld. Sechs Länder verzeichneten einen Rückgang der Insolvenzen, wie etwa Niederlande, Irland und Norwegen.
6.982 Firmenpleiten in Österreich
In Österreich stiegen die Firmenpleiten auf 6.982 (2024: 6.693). Damit habe man aber das Jahr 2009, den Beginn der Finanzkrise, nicht erreicht, sagte Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer. Damals gab es erstmals über 7.000 Firmeninsolvenzen. Den größten Anteil am Insolvenzgeschehen hatte im Vorjahr mit 52,7 Prozent der Dienstleistungssektor, in dem es zudem eine Zunahme von 10,6 Prozent gab. In den übrigen Hauptsektoren, insbesondere im Baugewerbe, wurden hingegen Rückgänge verzeichnet.
Im 1. Quartal 2026 gingen die Unternehmensinsolvenzen (eröffnete und massenlose Insolvenzverfahren) in Österreich leicht um 2,1 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 zurück. Dieser Trend ist laut Weinhofer auch bei den Privatinsolvenzen zu beobachten, die um ein Prozent sanken. Bei den eröffneten Insolvenzverfahren bei Unternehmen gab es im 1. Quartal 2026 sogar einen Rückgang um 7,2 Prozent, im April knapp 11 Prozent. Daher rechnet er für das Gesamtjahr 2026 mit “wahrscheinlich rückläufigen Insolvenzzahlen im Firmenbereich” und mit einer Zahl unter 6.800 Firmenpleiten.
In Westeuropa gab es bei den Dienstleistern um 8,7 Prozent mehr Insolvenzen, im Handel (einschließlich Gastgewerbe) waren es 3 Prozent mehr. “Der Verbraucher lässt das Geld in der Tasche”, so Hantzsch. Das verarbeitende Gewerbe verzeichnete einen Anstieg um 3,6 Prozent. 2024 waren es aber noch 9,4 Prozent mehr gegenüber 2023. Im Baugewerbe blieben die Fallzahlen nahezu unverändert (plus 0,1 Prozent), nachdem es 2024 noch zu einem deutlichen Anstieg um 15,3 Prozent gekommen war.
36.939 Insolvenzen in Mittel- und Osteuropa
Anders stellt sich die Situation in Mittel- und Osteuropa dar. Dort wurden in acht der zwölf untersuchten Länder 2025 weniger Insolvenzverfahren von Unternehmen registriert. Die Gesamtzahl verringerte sich um 7,1 Prozent auf 36.939 Fälle (2024: 39.746). In Kroatien gab es einen Rückgang um 19,4 Prozent. Ein Anstieg der Fallzahlen wurde nur in den Ländern Bulgarien, Rumänien, Slowenien und Tschechien beobachtet.
Die zwei am häufigsten betroffenen Branchen in Mittel- und Osteuropa waren laut Weinhofer 2025 der Handel und die Dienstleistungen. Der Handel verzeichnete 33,7 Prozent der Insolvenzfälle, was aber gegenüber den 35,5 Prozent von 2024 einen Rückgang bedeutete. Bei den Dienstleistern hingegen war eine Steigerung zu beobachten (von 31,4 auf 32,7 Prozent). Jede fünfte Insolvenz erfolgte in der Baubranche. Es gebe aber große regionale Unterschiede, sagte Weinhofer.