Wien bringt Schuberts Geburtshaus auf Vordermann

15.07.2026 • 12:08 Uhr
Wien bringt Schuberts Geburtshaus auf Vordermann

Wenn das der alte Schubert noch erlebt hätte: Das Wiener Geburtshaus des Komponisten, seit langem im Dornröschenschlaf vor sich hin dämmernd, wird zum nahenden Schubert-Jahr 2028 gänzlich neu gestaltet und in Teilen sanft auf seinen biedermeierlichen Urzustand rückgeführt. Nicht zuletzt wird die Ausstellungsfläche zu Leben und Werk des Frühromantikers verdoppelt. Am Mittwoch wurden die Pläne für das Restaurationsprojekt erstmals enthüllt.

Die Revitalisierung des Geburtshauses hat für die Stadt Wien durchaus eine Bedeutung, war Franz Schubert doch – anders als etwa Mozart, Beethoven, Haydn oder Bruckner – ein echter Wiener. Zumindest fast. Schließlich lag das zweigeschoßige Haus, in dem Schubert 1797 als neuntes Kind der Familie das Licht der Welt erblickte, damals in der Vorstadt Himmelpfortgrund. Die heutige Adresse für das 1731 entstandene, kleine Haus lautet aber Nussdorfer Straße 54 und liegt im Wiener Bezirk Alsergrund. Die ersten vier Lebensjahre verbrachte Schubert hier mit seiner Familie – als eine von heute unvorstellbaren fünfzehn Wohnparteien.

Verdopplung der Ausstellungsfläche

Nun wird die gesamte Flügelanlage also neu gestaltet. Ebenerdig, wo Schuberts Vater einst eine Volksschule führte, sind Shop, Sanitäranlagen und ein “Musikatelier” genannter Vermittlungsraum vorgesehen, aber auch ein kleiner Konzertsaal, der rund 70 Menschen Platz bieten soll. Die neue Dauerausstellung wird sich im Obergeschoß auf gut 200 Quadratmetern und damit der doppelten Fläche wie bisher erstrecken und sich zum einen Schuberts Leben und Zeit und andererseits seinem Werk widmen. Mit einigen Originalobjekten wie Schuberts Brille oder seinem Sterbekreuz will man die Aura des Ortes pflegen.

Das Haus soll nicht zuletzt dank eines Liftturmes barrierefrei werden, die gesamte Haustechnik erneuert und die baulichen Adaptionen aus den 1960ern entfernt werden. “Das Haus wird nach dem Umbau wieder mehr aussehen, wie es ursprünglich war”, versprach Wien-Museums-Finanzdirektorin Christina Schwarz bei der Präsentation des Projekts. Und auch für jene, die weniger mit Schubert oder Architektur als mit der Natur etwas anfangen können, gibt es gute Nachrichten: Der lauschige Garten des Pawlatschenhauses wird künftig während der Öffnungszeiten frei zugänglich gemacht.

Eröffnung 2028

“Trotz Krise bauen wir – und das mit ganzem Herzen”, freute sich Wien-Museums-Direktor Matti Bunzl über das Vorhaben, das primär von seinem Haus finanziert wird, zu dem die Anlage als Teil der Musikerstandorte gehört. Die Stadt als Gebäudeeigentümer leistet bei einzelnen Gewerken einen Beitrag. Über die vorgesehenen Kosten möchte man derzeit aber keine Auskunft geben, da die Ausschreibung noch läuft und man hier nichts präjudizieren will. Fix soll das neue Museum jedenfalls im Schubert-Jahr 2028 anlässlich des 200. Todestags am 19. November wieder eröffnen.

Dass die weiteren Pläne zum Jubiläumsjahr nicht so umfangreich wie beim abgelaufenen Strauss-Jahr ausfallen werden, sei ein Fakt, unterstrich in dem Zusammenhang Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ): “In den jetzigen finanziellen Rahmenbedingungen müssen wir völlig anders agieren, als das beim Strauss-Jahr der Fall war.” Aber dennoch zeige nicht zuletzt das Schubert-Haus Neu: “Kultur ist die Good-News-Factory der Stadt.”