Wohnungsvergabe mit Bonuspunkten in Wien gestartet
In Wien funktioniert die Wohnungsvergabe nun nach einem neuen System. Seit Dienstag erhalten Bewerberinnen und Bewerber Bonuspunkte, die nach gewissen Kriterien vergeben werden. Wer erhöhten Bedarf hat, hat damit bessere Chancen auf einen Zuschlag. Es gibt auch nur mehr ein Wohnticket für alle Segmente. Es umfasst also sowohl den Gemeindebau als auch den geförderten Bereich. Die Umstellung, so versichert man, sei erfolgreich verlaufen.
Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) und NEOS-Klubchefin Selma Arapovic zogen gemeinsam mit den Projektverantwortlichen Maximilian Havelka (Wohnberatung) und Georg Retschitzegger (Wiener Wohnen) am Donnerstag eine erste Bilanz über den Umstieg. Mehr als 32.000 Anträge liegen schon vor, die nun sukzessive abgearbeitet werden. Rund 13.500 neue Wohntickets wurden bereits ausgestellt.
Lebensumstände werden berücksichtigt
Rund die Hälfte davon wurden von Personen beantragt, die schon im alten System eingetragen waren. Sie mussten sich neu registrieren, erhielten dafür aber ebenfalls einen Vorteil in Form eines Startbonus. Diese Umstiegsprämie gibt es noch bis Ende des Jahres. Herzstück der Reform ist aber, dass nun auch die Lebensumstände stärker berücksichtigt werden, wenn man sich für eine Gemeinde- oder Genossenschaftswohnung interessiert. Je dringender das Wohnbedürfnis ist, desto höher sind die Chancen, zum Zug zu kommen.
Die Punkte bestimmen ab sofort die Reihung. Vergleichsweise viele werden etwa vergeben, wenn die betroffene Person mit häuslicher Gewalt konfrontiert ist. Auch eine Mobilitätseinschränkung in einer dafür ungeeigneten Wohnung oder ein Pflegebedarf sind stark gewichtet. Bonuspunkte können weiters unter anderem Alleinerziehende oder Menschen, die von Wohnungsverlust bedroht sind, lukrieren.
Ein Wechsel in eine kleinere Wohnung oder ein in der alten Wohnung fehlendes Bad oder WC sind ebenfalls relevant. Auch eine Trennung bzw. Scheidung wirkt sich aus. Zudem werden Schwangere, junge Menschen oder Personen in Aus- und Weiterbildung speziell berücksichtigt.
Wien-Bonus gibt es weiterhin
Den Wien-Bonus gibt es ebenfalls weiterhin: Wohnwerberinnen und Wohnwerber, die seit mindestens sechs Jahren einen durchgehenden Hauptwohnsitz in Wien haben, können damit Punkte verdienen. Die diversen Bonuspunkte werden kombiniert. Liegen mehrere Kriterien vor, wird bei manchen aber nur die höherwertige Kategorie in die Liste aufgenommen.
Erste Erfahrungen zeigen laut den Projektverantwortlichen, dass es in Sachen Gesamtsumme durchaus große Unterschiede gibt. Die bisherige Höchstzahl an Punkten war 290. Zugleich wurde auch schon eine Wohnung an eine Person vergeben, die gar keine Punkte aufweisen konnte. Für das betreffende Objekt hat sich sonst niemand interessiert, hieß es.
Grundsätzliche Kriterien, um überhaupt ein Angebot zu erhalten, muss aber jeder Interessent erfüllen, wird betont. So sind etwa ehemalige Mieter, die Rückstände bei der Gemeinde haben, oder Menschen, die noch nicht lange genug in Wien leben, ausgeschlossen. Das Antragsprozedere erfolgt prinzipiell online, die Möglichkeit, eine Servicestelle aufzusuchen, gibt es jedoch weiterhin.
“Die Lebensrealitäten ändern sich, es gibt mehr Wendungen und Brüche als früher. Mit der Wohnungsvergabe-Neu wird das berücksichtigt”, begründete Stadträtin Hanel-Torsch die Reformmaßnahme. NEOS-Klubchefin Arapovic zeigte sich überzeugt, dass die Vergabe nun transparenter erfolge. Die ersten Zahlen würden auch auf eine hohe Akzeptanz hinweisen.
Opposition sieht Mangelverwaltung
Die Opposition äußerte sich zurückhaltend. Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp ortete ein “kompliziertes Punktesystem”, mit dem lediglich verfehlte Wohnbaupolitik verwaltet werde. Er sprach sich für eine Bevorzugung für österreichische Staatsbürger aus und forderte, mehr erschwinglichen Wohnraum zu schaffen.
Für Letzteres plädierte auch der grüne Wohnbausprecher Georg Prack. Zwar sei das neue System grundsätzlich einfacher und nachvollziehbarer gestaltet, es würden aber viel zu wenige leistbare Wohnungen gebaut, kritisierte er. Die Stadt habe hier dringend Aufholbedarf. Die ÖVP wiederum forderte Deutschkenntnisse auf Niveau B1 als Zugangsvoraussetzung für eine Gemeindewohnung.