Kultur

Frischer Wind für die heimische Metal-Szene

07.01.2026 • 19:20 Uhr
Band Reality Break
Maya Merten (l.), Simon Paulitsch, Fiona Splinter, Noa Waibel, Naima Waibel und Luis Bösch sind Reality Break. Unterweger

Die Metal-Band Reality Break aus Lustenau veröffentlichten mit „Prism Surge“ ihre erste Single.

Ältere Generationen werden mit der nörgelnden Debatte, was Metal Musik „true“ macht, vertraut sein. Doch eine Antwort auf die Frage sucht man besser nicht in diversen Sub-Genres, sondern in der Haltung der Musiker. Jetzt zeigt die junge Band „Reality Break“ aus Lustenau, wie man mit eigenen Melodien auf den Zeitgeist pfeift. Denn währen spätestens mit dem Aufkommen von Kurzvideoplattformen wie TikTok aufwendig Intros zunehmend aus der Musik verschwinden, hält die Gruppe am Wert alter Songstrukturen fest. Doch alles andere als altmodisch verschränken sie ihren harten Sound mit unverkrampftem Pop. Davon kündet ihre neueste Single „Prism Surge“, die vergangen Freitag veröffentlicht wurde. Diesen Freitag folgt das Musikvideo und damit eine Leistung, die in der einstigen Metal-Hochburg Vorarlberg nur wenige Bands vorweisen können.

Frischer Wind für die heimische Metal-Szene
Im vergangen Jahr rockte die Band zum zweiten Mal auf dem Szene Openair in Lustenau. Steurer

Jazzseminar

Reality Break gehen aus einer Workshop-Band des Jazzseminar Lustenau hervor, wobei sie das Cover-Song-Stadium längst hinter sich gelassen haben. Der rhythmische Kopf der Band, Informatiker Noa Waibel (Jahrgang 2001), war zuvor in der Metal-Band „Dreaming of Tomorrow“ aktiv. Anfangs fungierte der Gitarrist noch als Bassist: eine Rolle, die jetzt seiner Schwester, der Pädagogin Naima Waibel (Jahrgang 2006) zukommt. Als Kinder des Musikers Christoph Waibel (u.a. Woodstock, Tequila Sharks) wuchsen die gebürtigen Hohenemser in einem Umfeld auf, in dem das Musizieren selbstverständlich ist. Mit Simon Paulitsch (Jahrgang 1998) steht ein angehender Jurist an der Gitarre, während Keyboarderin Maya Merten (Jahrgang 2005) Deutsch und Sport auf Lehramt studiert. Schlagzeuger Luis Bösch (Jahrgang 2006) wirkt hingegen als Elektriker. Ein Feld, mit dem Sängerin Fiona Splinter (Jahrgang 2005) immer näher in Berührung kommt. Schließlich absolviert sie eine Lehre als Veranstaltungstechnikerin im Festspielhaus Bregenz.

Frischer Wind für die heimische Metal-Szene
steurer

Geografisch zwischen Vorarlberg und Wien verstreut, müssen mögliche Proben im dô (Lustenau) gut genutzt werden. Daher versorgt der in der Bundeshauptstadt ansässige Waibel seine Kollegen laufend mit Demo-Aufnahmen und Ideen. Dieser digitale Feedback-Prozess tritt an die Stelle des freien Probens. Ein Umstand, dem der Gitarrist einiges abgewinnen kann: „Das Problem am Jammen ist, dass man die Songs irgendwann aufnehmen muss. Wir gehen dagegen gleich ans recording.“

Band Reality Break
Unterweger

Ein wirkliches Album ist aktuell dennoch nicht geplant. Stattdessen wollen Reality Break übers Jahr verteilt vier Songs veröffentlichen. „Nach einem Album droht mitunter zwei Jahre Funkstille. So ist immer etwas da“, erläutert Waibel die Strategie dahinter.

Angst und Wunsch

Mit dem Bandnamen drücken sie den Wunsch aus, den Hörenden eine Ausflucht aus der Realität zu ermöglichen. Text und Video von „Prism Surge“ widmen sich hingegen der angstvollen Erfahrung des Gedächtnisverlusts. Im Clip findet das Motiv seinen Ausdruck in Form persönlicher Aufnahmen aus Alltag und Urlaub. Fragmentiert auf diversen Wänden ausgestrahlt, formen die frohen Einzelstücke ein unrettbares Ganzes, vor dem Mitglieder der Band Stück für Stück verzweifeln. Episodisch eingespielte Konzert-Passagen runden das Video der elegant ab. Es entstand unter Federführung der jungen Videografin Magdalena Elender (me_productions), wobei man gespannt sein darf, ob Reality Break noch weitere Musikvideos veröffentlichen werden. Immerhin hat MTV das Format jetzt abgeschafft. Angesichts des Eigensinns der Band dürfte das kein Kriterium sein.