Sport

Eisiger Auftakt und wärmende Worte

08.01.2026 • 20:39 Uhr
Trainingsauftakt SCR Altach 2026
Philipp Steurer

Interview. Der SCR Altach ist noch auf Trainersuche. Dennoch sind die Rheindörfler im Schneegestöber planmäßig in die Rückrundenvorbereitung gestartet. Co-Trainer Atdhe Nuhiu leitet derzeit interimsmäßig die Geschicke, wobei er, was das Traineramt betrifft, durchaus eine unkomplizierte ­Lösung anzubieten hätte.

D er SCR Altach hat am Mittwoch den Trainingsbetrieb nach der Winterpause wieder aufgenommen. Noch ohne neuen Cheftrainer, der laut Klubangaben bald präsentiert werden soll. Bis dahin leitet der Betreuerstab das Training, allen voran Co-Trainer Adthe Nuhiu. Er hatte sich, trotz Bemühungen von Ex-Trainer Fabio Ingolitsch, ihm nach Graz zu folgen, für einen Verbleib bei den Rheindörflern entschieden.

Warum er bleibt, wie er das erste Training im neuen Jahr erlebt hat und was er von Ingolitsch mitgenommen hat, erzählt er im Gespräch mit der NEUE nach der zweiten, schneereichen Einheit am Donnerstag.

Atdhe Nuhiu, sie sind nach dem Abgang von Fabio Ingolitsch, wenn man so will, derzeit die Nummer eins an der Seitenlinie beim SCR Altach. Wie fällt ihr Resümee über die Zeit als Co-Trainer aus?
Atdhe Nuhiu:
Fabio (Ingolitsch, Anm.) und ich hatten und haben nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis. Es hat sozusagen von der ersten Sekunde an gepasst. Als damals die Tür aufgegangen ist und wir uns das erste Mal begegnet sind, habe ich gewusst, das es passt. Ich empfinde das als etwas Schönes und vor allem ist das nicht selbstverständlich. Die Chemie war sofort da und das hat sich auch bis zum letzten Tag unserer Zusammenarbeit nicht geändert. Ich habe mit Fabio einen Freund fürs Leben gewonnen. Das hat sich natürlich von Anfang an sehr positiv auf unsere Zusammenarbeit ausgewirkt, hat das Ganze sehr leicht gemacht. Wir haben uns sehr gut ergänzt und nun hat er als Trainer den nächsten Schritt gemacht. Das freut mich sehr für ihn, er hat es sich verdient. Er hat einen großen Anteil daran, wie sich die Mannschaft entwickelt hat und wie sie derzeit dasteht. Sein Abgang war in gewissem Sinne auch logisch und ­nachvollziehbar, und ich bin überzeugt, dass er auch bei Sturm Graz hervorragende Arbeit leis­ten wird.

Wie ist es für Sie, das Training mit der Mannschaft wieder aufzunehmen?
Nuhiu:
Die Jungs sind fit aus dem Urlaub zurückgekommen, haben sich an ihr Programm gehalten und waren brav. Ich habe ihnen dafür auch ein Kompliment ausgesprochen. Sie sind ready. Das ist eine schöne Sache für mich. Ob es nun zwei Tage, zwei Wochen, zwei Monate oder für immer sein wird, das weiß ich nicht. Jetzt gilt es in der Vorbereitung weiterzumachen, mit dem Schnee ist es derzeit etwas schwierig, aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen. Wir mussten, was den Trainingsplan anbelangt, spontan reagieren.

Sie gehören hier in Altach schon fast zum Inventar, sind schon lange mit dabei. Auch Mike Bähre begeht seine vierte Saison hier. Er meinte, dass die Mannschaft in der Zeit, die er da ist, noch nie so gut war wie unter Fabio Ingolitsch. Stimmen Sie dem zu?
Nuhiu:
Fakt ist, das wir zu diesem Zeitpunkt der Saison noch nie so viele Punkte hatten. Und ich denke, das beantwortet die Frage von selbst. Die Arbeit die Fabio Ingolitsch hier geleistet hat, lässt sich durch Fakten belegen.

Der Weg, der eingeschlagen wurde, scheint also der Richtige zu sein?
Nuhiu:
Ja, ganz klar. Wir wollen positiven Fußball spielen und werden diesen Weg konsequent weiterverfolgen. Wir werden alles dafür tun, das beizubehalten und unserer Linie treu zu bleiben.

Das hängt natürlich auch vom neuen Cheftrainer ab. Gibt es einen Wunschkandidaten und was sollte er mitbringen?
Nuhiu:
Ich glaube, dafür bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Ich treffe diese Entscheidung nicht und darum ist es schwierig für mich, dahingehend etwas zu sagen. Wir haben uns, was unser Spiel betrifft, gewisse Tugenden zurechtgelegt und der neue Trainer sollte dazu passen.

Trainingsauftakt SCR Altach 2026
Atdhe Nuhiu leitete den Trainingsauftakt beim SCR Altach. Philipp Steurer

Wer auch kommen wird – sind Sie gespannt auf Ihre neue Rolle?
Nuhiu:
Wenn ein neuer Trainer kommt, werde ich versuchen, die Anforderungen bestmöglich zu erfüllen und mich voll in den Dienst der Mannschaft stellen. Es geht um den Erfolg des Vereins, das hat oberste Priorität.

Wie haben Sie vom Abgang von Fabio Ingolitsch erfahren?
Nuhiu:
Er hat mich persönlich informiert – und er hat sich sehr um mich bemüht. Er wollte mich als seinen Co-Trainer zu Sturm Graz mitnehmen. Das ehrt mich sehr. Auf der anderen Seite hat sich Altach auch sehr bemüht, dass ich hierbleibe. Natürlich habe ich mir dann Gedanken gemacht. Sturm Graz ist ein großer Verein, klar ist das verlockend. Ich habe ja mittlerweile auch eine Familie, mit der ich mich beraten habe. Und dann habe ich mich für einen Verbleib entschieden. Ein weiterer Grund war auch, dass es mir hier in Altach ja sehr, sehr gut geht. Ich fühle mich immer noch sehr wohl hier. Und ich habe das Gefühl, dass ich hier noch nicht fertig bin. Ich glaube, wir sind noch nicht da, wo wir hinkönnten.

Wie würden Sie das Verhältnis beschreiben, das zwischen Fabio Ingolitsch und der Mannschaft geherrscht hat?
Nuhiu:
Sehr gut, ganz klar. Wir haben als Trainerteam immer versucht, menschlich zu bleiben. Klar muss man ab und zu schwierige Entscheidungen treffen, die für den ein oder anderen Spieler enttäuschend sind. Das ist normal in diesem Job. Wir wollten einfach menschlich sein, und menschlich heißt, sich um die Spieler zu kümmern. Egal, ob man einen spielen lässt oder nicht. Im einen sowie im anderen Fall hat man sich um den Menschen selbst zu kümmern. Das war unser Kredo, und ich glaube, es ist uns bis zu einem gewissen Grad gut gelungen, uns daran zu halten. Perfekt machen kann man es ohnehin nicht. Einfach menschlich bleiben, das ist ab und zu ohnehin schwer genug.

Könnten Sie sich vorstellen, in Altach Cheftrainer zu werden?
Nuhiu:
Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass ich hier gerne Cheftrainer wäre beziehungsweise langfristig Trainer werden will. Sagen wir so: Wenn man mich fragen würde, würde ich mich sicher nicht davor drücken (lacht).

Testspiele

Beim Trainingsauftakt fehlten Diego Madritsch und Salif Tietietta verletzungsbedingt, Leonardo Lukaevic fiel wegen Krankheit aus. Srdjan Hrstic trainierte, ebenfalls nach Krankheit, individuell und Marlon ­Mustapha weilte beim Bundesheer. Am Samstag folgt ein Testspiel in Luzern, nächste Woche folgt ein Trainingslager in Wien. Geübt wird auf dem ÖFB-Campus in Aspern, Testgegner sind AS Trencin (14. Jänner) und der FAC (17. Jänner). Das erste Pflichtspiel im neuen Jahr absolviert Altach dann ausgerechnet gegen den Ex-Trainer: Am 1. Februar (17.30 Uhr) ist Ingolitsch mit Sturm Graz in Vorarlberg zu Gast.