Kultur

Chorarbeit mit klarer Handschrift und starker leuchtender Kraft

19.01.2026 • 14:20 Uhr
O Radiant Down
Dirigent und Sänger Jakob Peböck. Marin

Studierende der Stella Vorarlberg und der Kammerchor Feldkirch ließen unter Dirigent und Sänger Jakob Peböck stilistische Bandbreite erklingen.

Mit einem breit gefächerten Programm zwischen Renaissance, Romantik und zeitgenössischen Vertonungen zeigten der junge Sänger und Dirigent Jakob Peböck im gemeinsamen Auftritt von Studierenden (im Stella Chor) und Kammerchor Feldkirch ihre Vielseitigkeit. In der Kapelle der Stella Musikhochschule entfalteten sich die Chorstimmen mit leuchtendem und vollem Klang, zusätzlich setzten fünf Sängerinnen aus der Gesangsklasse von Dora Kutschi und drei Harfenistinnen aus der Klasse von Viktor Hartobanu Leuchtpunkte mit Ausschnitten aus Benjamin Brittens „A Ceremony of Carols“.

O Radiant Down
Ein Abend von harmonischer Stimmgewalt. Marin

Von kalt zu heiter

Aus der Kälte des Winters in die Heiterkeit des Frühlings führte das Programm: den starken Auftakt bildete eine Vertonung des „Dies irae“ von John Michael Trotta, in der sich die gregorianische Melodie machtvoll hören ließ, verbunden mit intensiver dynamischer Steigerung bis hin zum gemeinsamen Aufstampfen. In Anton Bruckners Motette „Christus factus est“ führte Jakob Peböck seinen intonationssicheren Chor durch die dichte Chromatik und die Steigerungen zum gleißenden Klang. Die Klarheit der Renaissancemusik mit ihren verflochtenen Linien machten die Sängerinnen und Sänger, bei denen sich die jungen Stimmen der Studierenden mit den erfahrenen Mitgliedern des Kammerchors mischen, in Palestrinas Motette „Sicut cervus“ (Wie der Hisch schreit nach frischem Wasser) deutlich. Arthur Sullivans „The long day closes“ schenkte freilich wieder ein Bad im warmen romantischen Klang mit ausdrucksvollen Harmoniewechseln, ebenso wie das vielstimmig aufgefächerte und gefühlvolle „O lux beata Trinitas“ des slowenischen Komponisten Andrej Makor.

O Radiant Down
Marin

Dazwischen brachte ein Madrigal der Renaissancekomponistin Vittoria Aleotti aus Ferrara die typische heitere musikalische Rhetorik dieser Zeit mit hellem Klang und bewegten Linien zum Ausdruck. Das kraftvolle „O radiant dawn“ von James MacMillan, das dem Programm seinen Namen geben hat und im mehrmaligen Ruf „Come!“ gipfelt, und der schwungvolle schwedische Chorschlager „Och jungfrun hon går i ringen“ setzten den Schlusspunkt in diesem kurzen, aber facettenreichen Programm. Schön, dass die „Staffelübergabe“ von Benjamin Lack zu Jakob Peböck so gut geklappt hat und die Vorarlberger Chorszene weiter blühen kann!

O Radiant Down
Marin

Elegant

Mit den fünf Sängerinnen in ihren eleganten Glitzerkleidern und der Begleitung durch drei Harfenistinnen entführten die Lieder von Benjamin Britten, dessen Todestag sich im Dezember zum 50. Mal jährt, in die Welt der englischen Knaben- bzw. Frauenchöre: „Fast eine Weihnachtsmusik“ kommentierte der Komponist, der die „Ceremony of carols“ unter widrigen Umständen 1942 auf dem Schiff von Amerika zurück nach Europa komponiert hat. Und bis zum 2. Februar darf man ja weihnachtlich jubilieren und auf den Frühling hoffen!

Katharina von Glasenapp