Sport

Wenn ein Star abhebt – oder eben nicht

HEUTE • 19:54 Uhr
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Simon Ehammer beim Training im Stabhochsprung.Jochen Dedeleit

Hallenweltmeister sind bei VLV-Meisterschaften nicht so oft am Start. Der Appenzeller Götzis-Stammgast Simon Ehammer ließ es sich nicht nehmen, in Dornbirn seine Form zu tes-ten. Aus Vorarlberger Sicht machen Zsombor Klucsik und Pauline Schedler auf die Nachwuchs-Großereignisse in Italien und den USA Hoffnung.

Es ist zweifelsohne etwas Besonderes, wenn ein WM- und EM-Dritter und gar Hallenweltmeister in Dornbirn bei den VLV-Hallenmeisterschaften, in die ein internationales Meeting integriert war, an den Start geht, auch wenn dieser Umstand von dem Aushängeschild der Leichtathletikszene der hiesigen Region heruntergespielt wird. „Hier kennt man sich. Und man gewöhnt sich daran“, sagt Simon Ehammer und lacht. Der Appenzeller, mittlerweile Stammgast beim Götzner Hypomeeting, gilt als natürlich und nahbar, was von den zahlreichen Athleten – von rund 200 wurden etwa 500 Starts verzeichnet – wohlwollend zur Kenntnis genommen, aber nicht ausgenützt wird. „Ich sage dann schon, wenn’s gerade mal nicht passt“, so der in wenigen Tagen 25-Jährige, der sich die Zeit auch nimmt, wenn die Meinung eines Top-Mehrkämpfers gefragt ist.

Optimale Trainingsbedingungen

Simon Ehammer kennt die Dornbirner Leichtathletikhalle bestens, ist der Schweizer doch fast jede Woche in den Wintermonaten zum Training hier. Und er nützte die Gelegenheit, unter Wettkampfbedingungen im Hoch- und Stabhochsprung zu testen. Exakt zwei beziehungsweise fünf Meter standen am Ende zu Buche, freilich waren bei diesen Höhen keine anderen Athleten mehr im Bewerb. Während die ersten Ausgeschiedenen im Stabhochsprung schon die Sachen packten, saß der ehemalige U20- und U23-Europameister noch mit ein paar Kids bei einem Gesellschaftsspiel zusammen und hatte Spaß und lobte hernach im NEUE-Gespräch die Anlage. „Die ist super. In St. Gallen, wo mir der Anlauf beim Hochsprung zu glatt ist, oder Magglingen gibt es keine Tartanbahn, zudem kann ich hier mit dem Diskus testen, sehe, wie er rausgeht“, sagt der Weitsprung-Weltrekordler (innerhalb eines Zehnkampfs) und zeigt auf das riesige Netz in einer Ecke der Halle.

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Mika Voss (l.) und sein Trainer Markus Unterkircher (r.)Jochen Dedeleit

Bestleistung übertrumpfen

Das Stelldichein der Weltklasse in Götzis hat Simon Ehammer neben den Hallenweltmeisterschaften Ende März in Torun/Polen („Da will ich einen richtig geilen Siebenkampf machen!“) und der Freiluft-EM Mitte August in Birmingham fest eingeplant, „es ist cool, dass es wieder Ende Mai stattfindet. Dann bleibt etwas mehr Zeit“, sagt das Zehnkampf-Aushängeschild des TV Teufen. 8700 Punkte strebt Ehammer, der eine Bestleistung von 8575 Zählern aufweist, im Mehrkampfmekka an, davor ist wie 2025 auch die Teilnahme am Bronze-Meeting Multistars in Brescia/Italien Ende April geplant, wo es für den Eidgenossen zuletzt zwar Platz zwei gab, jedoch „viel in die Hosen gegangen ist. Aber ich will den Körper wieder dieser Belastung aussetzen“. Vor der Hallen-WM geht es nach Magglingen zu den Schweizer Titelkämpfen, vor wenigen Wochen weilte Ehammer in Frankreich beim speziellen Stabhochsprungtraining im Lager von Olympiasieger Renaud Lavillenie.

Einer, der bei den Auftritten seines Schweizer Mehrkampfkollegen genau aufpasste und sich auch mit ihm in beiden Disziplinen matchte (und 1,78 sowie 4,60 Meter erreichte), war mit Mika einer der beiden Voss-Brüder der Sparkasse SG Götzis. Der 23-jährige Hohenemser jagt ähnlich wie die Hörbranzer Siebenkämpferin Chiara-Belinda Schuler, die bei der Hallen-LM wegen Rückenproblemen fehlte, einer bestimmten Marke nach. Während es bei Schuler, die im Mai (falls verletzungsfrei) ihren fünften Start in Götzis absolvieren wird, die 6000 Punkte sind, heißt bei Mika Voss das große Ziel, die 7000 zu knacken. „Götzis ist natürlich das große Ziel, 7200 sollten es aber wohl schon sein, um mir diesen Wunsch erfüllen zu können“, weiß der Physiotherapeut mit einer persönlichen Bestleistung (pB) von 6914 Zählern, der seit 2025 bei Markus Unterkircher, dem Vater von Mehrkämpfer Jonas (TS Lustenau), trainiert. Bis dahin hieß der Coach Herwig Grünsteidl, bei dem Bruder Niklas (pB 7111) in Wien, wo er seinen Master in Sporttechnologie erfolgreich absolviert hat, weiterhin trainiert.

„Bei den Hallen-Staatsmeis-terschaften im Februar in Linz gibt es ein weiteres Battle mit Niklas, bei meinen Vizemeisterschaften in der Halle und im Freien musste ich mich ihm ja mit elf Punkten beziehungsweise einem Zähler geschlagen geben“, erinnert sich der ehemalige Mittel- und Langstreckler, der sich dann aber früh für den Zehnkampf entschieden hat. Der Stabhochsprung ist mit die größte Stärke des 23-Jährigen, das Kugelstoßen ausbaufähig. „Dafür brauchst du halt Masse, mit der Geschwindigkeit sind wir aber auf einem guten Weg“, meint der 1,78 Meter große und 72 Kilogramm schwere Mehrkämpfer, der 2025 mehr mit Verletzungen zu kämpfen hatte und sein Training aufgrund seines Berufs in der Schweiz fast ausnahmslos in die Abendstunden verlegen muss.

Leichtathletik VLV-Meisterschaften 2026
VLV-Landestrainer Sven Benning im Gespräch mit Zsombor Klucsik. Jochen Dedeleit

Rekordjagd

VLV-Landestrainer Sven Benning durfte sich bei den Titelkämpfen in Dornbirn vor allem über seine Kaderathleten freuen, die nach dem Ausfall von Schuler für die besten Leistungen (und Rekorde) sorgten. So „flog“ die 15-jährige Amy Salzgeber (TS Jahn Lustenau) in 9.16 über die 60-Meter-Hürdenstrecke (pB) und EYOF-Teilnehmer Zsombor Klucsik (TS Egg) konnte über die Hürden mit pB sowie VLV-U18-Hallenrekord glänzen (7.25). Laut Benning ist die kurze Hürdenstrecke die Grundlage für ausgezeichnete 400 Meter, die der Egger (pB 51.70) Mitte Juli bei der U18-EM in Rieti (Limit 55.00) laufen soll. Für Italien kommen womöglich auch Mehrkämpferin Salzgeber sowie Wurfspezialistin Amelie Kraml, Zehnkämpfer Felix Kaufmann und Sophia Maria Thoma (Kugel/alle TS Bludenz) infrage.

Weltmeisterschaft

Beim weiteren Nachwuchs-Großereignis, der Anfang August stattfindenden U20-WM in Eugene (USA), ist es vor allem Pauline Schedler (TS Egg), die die Fahnen hochhalten könnte. Schedler konnte in Iowa City ihren österreichischen U20-Hallenrekord über 1000 Meter erneut verbessern, um fast zwei Sekunden auf 2:48.98 (auch ÖLV-U23-Rekord). Mit dieser Zeit schob sie sich auf Rang vier in der ÖLV-All-time-Hallenbestenliste. Über die Meile bedeuteten 4:46.89 neuer VLV-Rekord und Platz fünf in der All-time-Liste.
„Ich kann noch nicht genau sagen, wie viele Wettkämpfe es heuer werden, oft sind es auch an einem Wochenende zwei, aber der Rhythmus ist oft an zwei Wochenenden hintereinander Wettkämpfe und dann ein Wochenende Pause. Ich möchte meine 800-Meter-Bestzeit verbessern, aber werde mich hauptsächlich auf die 1500 Meter fokussieren. Bei der U20-WM in Eugene ist es mein Ziel, dabei zu sein, über eben die 1500 Meter“, so die 18-jährige Schedler, die seit vergangenem Herbst an der Illinois State University studiert, im NEUE-Gespräch.

Von Jochen Dedeleit