Kultur

Kunst zwischen Krise und Verantwortung

04.03.2026 • 14:33 Uhr
UNESCO-Talk "Regenerative Kulturarbeit zwischen Krise und Transformation"
Klara Koštal (österreichische UNESCO-Kommission, l.) und Mirjam Steinbock (IG Kultur Vorarlberg) moderierten das Format.Furxer

Im Feldkircher Theater am Saumarkt wurde diskutiert, wie Kunst ökologischen und sozialen Wandel mittragen kann.

Beim UNESCO-Talk „Regenerative Kulturarbeit zwischen Krise und Transformation“ diskutierten am Montag im Saumarkt Künstlerinnen, Kulturschaffende und Interessenvertreterinnen für Kunst und Kultur über die Möglichkeit, Kultur, Natur und Gesellschaft miteinander in Einklang zu bringen.

UNESCO-Talk "Regenerative Kulturarbeit zwischen Krise und Transformation"
Mirjam Steinbock (l.), Daniela Koweindl, Lea Brückner, Sarah Kuratle, Matthias Merta, Sabine Benzer und Klara Koštal. Furxer

Rigoroser Sparkurs

Moderiert und organisiert wurde die Veranstaltung durch Mirjam Steinbock (IG Kultur Vorarlberg) und Klara Koštal (österreichische UNESCO-Kommission). Das unerfreuliche und zugleich wenig Überraschende zuerst: Kulturlandesrätin Barbara Schöbi-Fink versuchte im Eingangsstatement, den rigorosen Sparkurs der Landesregierung zu erklären. Strukturen sollen erhalten und nicht kaputtgespart werden. Gleichzeitig bedauert sie, dass kein Geld für neue Projekte vorhanden sei. Gefragt nach den Visionen, wünschte sie sich faire Bezahlung der Künstlerinnen und Künstler durch Land, Bund, Gemeinden und Veranstalter. Auch Kathrin Kneissel, Leiterin der Abteilung europäische und internationale Kulturpolitik im Bundesministerium, betonte die Wichtigkeit der fairen Bezahlung, vor allem, was die Künstlerinnen anlangt.

Wandel durch Kultur

Was die regenerative Kulturarbeit betrifft, geht diese weit über ein singuläres Thema hinaus. Mirjam Steinbock sah Kulturinitiativen als regenerative Kulturanbieter also als lebendige Systeme, die nah mit den Menschen interagieren. Durch die verschiedenen Publikumsschichten, die sie erreichen, decken sie viele Themen und Bedürfnisse ab, sei es im sozialen, ökologischen oder gesamtgesellschaftlichen Kontext. Menschen kommen in Berührung miteinander und bewegen etwas. Ökologischer und sozialer Wandel soll durch Kultur mitgetragen und durchgeführt werden. Ein konkretes Beispiel ist die Green Monday Konzertreihe in der Tonhalle Düsseldorf, bei der Violinistin und Klimabotschafterin Lea Brückner 2024 Musik mit Umweltschutz verknüpft hat. „Auch die Künstlerinnen müssen sich bewusst sein, dass wir dazu etwas beitragen können: Wir müssen nicht jedes Engagement annehmen, dass z.B. von Aida Kreuzfahrten gesponsert wird oder können darauf achten, dass das Holz der Geige aus lokalen Wäldern stammt.“ betont Brückner. Sie verwehrte sich dagegen, nur als klassische Geigerin gesehen zu werden. „Musik war immer schon politisch. Auch Mozart war politisch. Nur kann man das heute schwer nachvollziehen, da zum Beispiel seine Oper „Die Hochzeit des Figaro“ stark zensiert wurde, wenn es im Libretto an einigen Stellen darum ging, den Adel zu kritisieren.“, so Brückner.

Mit der Natur leben und wirtschaften

Biosphärenpark-Manager Matthias Merta brachte den Vergleich vom steilen Walsertal, in dem versucht wird, mit der Natur zu leben und zu wirtschaften. Er spannte einen direkten Bogen zur Kulturarbeit. Das Leben im Einklang mit der Natur sei gerade in den Alpen auf komplexe und fragile Zusammenhänge aufbauend. Ähnlich wie in der Kultur. Kulturmanagerin Sabine Benzer betonte die intrinsische Motivation, die Kulturtreibende anspornt, trotz aller Widrigkeiten weiterzuarbeiten. Daniela Koweindl, kulturpolitische Sprecherin der IG Bildende Kunst stellte in der Folge die Frage, wer denn nicht ein gutes Leben für alle wolle. Einige der 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen würden schon ausreichend umgesetzt und man sei auf einem guten Weg. Das fehlende Nachhaltigkeitsziel bleibt jedoch nach wie vor die Kultur Auf dem Podium war man sich einig, dass Kulturarbeit einen gewichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Gesellschaft und der Bewahrung der Erde leisten könne. Die große Anzahl der Personen machte es jedoch leider nicht möglich, tiefer in diese Materie einzudringen. Dies bleibt als Wehrmutstropfe dieser Diskussion, die sich so über weite Teile nur an der Oberflächl bewegte. Bekenntnisse zur besseren Bezahlung von Künstlerinnen und Künstlern wurde als Mantra wiederholt, in der Realität dürfte sich gerade dieser Punkt als sehr schwer zu erreichendes Ziel herausstellen. Trotz allem: Die Diskussionsrunde brachte erste Erkenntnisse, wie ein soziales und ökologisches Interagieren der Kultur in dieser Gesellschaft möglich sein könnte.

Chimäre von Sarah Kuratle
„Chimäre” von Sarah Kuratle aus Bregenz. Otto Müller Verlag

Klima-Roman

Zwischen den Diskussionsblocks las Autorin Sarah Kuratle aus ihrem aktuellen Buch „Chimäre“, in dem sie eine Klima-Fiction Realität beschreibt. Musiker Andreas Paragioudakis begeisterte durch eine aktive musikalische Publikumsbeteiligung.

UNESCO-Talk "Regenerative Kulturarbeit zwischen Krise und Transformation"
Musiker Andreas Paragioudakis. Furxer

Daniel Furxer