Ende für Kunstraum Johanniterkirche

24.03.2026 • 19:09 Uhr
Martina Morger_Johanniterkirche
Im März vor zwei Jahren stellte die Künstlerin Martina Morger aus Liechtenstein in der Johanniterkirche aus. Neben ihr, Kurator Arno Egger. Jaeneke

Stadt Feldkirch streicht administrative Unterstützung. Der Verein sieht unter neuen Bedingungen keine Zukunft.

Der Kunstraum Johanniterkirche in Feldkirch wird Ende des Jahres seine Ausstellungstätigkeiten einstellen. Hintergrund der drastischen Maßnahme ist die Entscheidung der Stadt Feldkirch, ihre bisherige Unterstützung neu zu organisieren.

Vergläserung
Die Aktuelle Ausstellung „Vergläserung” von Michael Hirschbichler. Keckeis

Konkret geht es um den Entzug administrativer Unterstützung für die Johanniterkirche. Dieser Umstand betrifft auch den Verein Kunst Palais Liechtenstein, die Rheticus-Gesellschaft und den Musikverein „Musik in der Pforte“ und „Gesellschaft der Musikfreunde“. Laut Stadt Feldkirch sei es seit den 1970er-Jahren Praxis, ausgewählte Kulturvereine nicht nur direkt finanziell, sondern auch organisatorisch zu unterstützen. Über das Kulturamt wurden dabei Aufgaben wie Mitgliederverwaltung, Buchhaltung, Öffentlichkeitsarbeit und Teile der Veranstaltungsorganisation übernommen. „Die Personalleistungen der Stadt belaufen sich derzeit auf rund 80.000 Euro jährlich“, heißt es in einer Aussendung der Stadt.

Ende für Kunstraum Johanniterkirche
Bürgermeister Manfred Rädler (ÖVP): „Die Stadt Feldkirch führt derzeit Gespräche mit den betroffenen Vereinen über die zukünftige Organisation der Unterstützung und prüft dabei auch deren Eigenverantwortung bei angepasster finanzieller Förderung. Eine Entscheidung ist noch offen, da die Grundlagen und Kosten aktuell gemeinsam erhoben und diskutiert werden.“

Dieses Modell wird nun grundsätzlich hinterfragt. Nicht zuletzt, da die von der Stadt beauftragte BDO Corporate Finance GmbH sich dafür ausspricht.

Natascha Soursos Grüne Feldkirch
Kulturstadträtin Natascha Soursos (Grüne): „Die Johanniterkirche Feldkirch ist ein herausragender Ort für zeitgenössische bildende Kunst und ein kultureller Magnet für Feldkirch und darüber hinaus. Es ist ein klares kulturpolitisches Ziel der Stadt diesen wichtigen Ort in seiner Qualität und Ausstrahlung langfristig zu sichern.“ Nussbaumer/Grüne

Für die Johanniterkirche bedeutet diese Neuausrichtung eine fundamentale Zäsur. Kurator Arno Egger: „Budgetkürzungen hinzunehmen ist die eine Sache, aber Strukturen, die über 30 Jahre gewachsen sind unter dem Titel Sparmaßnahmen aufzulösen, ist kurzsichtig und realitätsfremd.“ Was bislang im Hintergrund organisiert wurde, müsste künftig von einem kleinen Verein selbst getragen werden. Egger hält das unrealistisch. Der zusätzliche Aufwand würde Ressourcen binden, die bisher in die künstlerische Arbeit geflossen sind. Auch wenn die Stadt höhere finanzielle Mittel in den Raum stellt, reichen diese laut Egger nicht aus, um ein eigenes Sekretariat wie auch Aufsichtspersonen zu bezahlen.

Feste Größe der Kulturszene

Dabei gilt die Johanniterkirche seit Jahrzehnten als feste Größe der überregionalen Kunstszene. Seit 1995 werden im einstigen Sakralbau Performances und Installationen zeitgenössischer Kunst gezeigt, oft mit internationaler Beteiligung und bewusst niederschwelligem Zugang. Der 2010 gegründete Verein schuf dafür eine Struktur, die Professionalität mit begrenzten Mitteln verbindet. Unter den Ausstellenden finden sich Namen wie David Pountney, Miriam Prantl, Martina Morger oder aktuell Michael Hirschbichler. Dessen aktuelle Schau zeigt Glasobjekte, die aus dem der Kirche entnommenen Sand gebrannt wurden und noch bis zum 25. April ausgestellt sind. Bevor mit der Johanniterkirche Ende des Jahres ein laut Kulturstadträtin Natascha Soursos „kultureller Magnet für Feldkirch“ seinen Betrieb einstellt, ist noch eine letzte Ausstellung geplant.

Letzte Ausstellung

Ende für Kunstraum Johanniterkirche
Mathias Kessler, bei seiner Ausstellung „Staging Nature” im Bildraum Bodensee, Bregenz, 2024. Hartinger

Der Ex-New Yorker und wieder im Kleinwalsertal lebende Mathias Kessler wird voraussichtlich ab Juni im Kirchenschiff ausstellen. „Danach wird sich der Verein auflösen, da die neuen Rahmenbedingungen keine qualitätsvolle Arbeit mehr garantieren“, stellt der Kurator klar.