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Von Pioneers bis ELZ: Es kracht und kriselt im Vorarlberger Eishockey

03.04.2026 • 22:28 Uhr
Von Pioneers bis ELZ: Es kracht und kriselt im Vorarlberger Eishockey
Am 30. Mai 2022 hieß es bei der Präsentation der neuen Pioneers-Marke Daumen hoch – die Zeiten waren schnell vorbei. Klaus Hartinger

Analyse. Nach dem Ausstieg von Präsident und Mäzen Pit Gleim bei den Pioneers ist die Zukunft des Eishockeystandorts Feldkirch wieder mal völlig offen. Und auch das Eishockey Leistungszentrum Vorarlberg steht vor einer mehr als nur unsicheren Zukunft. Eine Aufarbeitung.

Mit der Nachricht, dass Pit Gleim den Geldhahn bei den Pioneers zudreht und sich als Präsident zurückzieht, war eigentlich schon vor einem Jahr zu rechnen. Schon im Frühjahr 2025 war das Feldkircher Eishockeyprojekt am Nullpunkt angekommen. Verträge wurden nur per Handschlag besiegelt, wochenlang warteten die Spieler auf eine verbindliche Rückmeldung. Einigen Cracks wurde so mulmig, dass sie bei Ligakonkurrenten nachfragten, ob sie wüssten, wie und ob es denn in Feldkirch weiterginge. Am Ende ließ sich Pit Gleim zu einer weiteren Kostenübernahme erweichen – gebracht hat’s weder dem eishockeyverrückten Deutschen noch dem Standort Feldkirch was: Die Spielzeit 2025/26 war sportlich und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch finanziell ein Desaster. Bis Anfang Dezember waren die Feldkircher de facto nicht konkurrenzfähig. Als dann eine Fördergeld-Tranche vom Land Vorarlberg einlangte, konnte der Kader in der Breite und Spitze so weit verstärkt werden, dass man die Rote Laterne an Innsbruck abgeben konnte. Wobei das Hoch rund um die Weihnachtszeit nicht von Dauer war.

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Konkurrenzfähig waren die Pioneers zu selten in der ICE Hockey League. GEPA

Dilemma
Vom 17. Jänner an gelang nur mehr ein Sieg in zwölf Spielen. Der ohnehin mäßige Zuschauerzuspruch ging von durchschnittlich 1772 Zuschauern in der Saison 2024/25 auf erschreckende 1604 Besucher zurück. Dass sich der Spielbetrieb in der ICE Hockey League bei so einem geringen Zuschauerinteresse nicht trägt, lässt eine banale Aufschlüsselung erahnen: Rund 500 Saisonkarten haben die Feldkircher verkauft, was bedeutet, dass die Pioneers im Schnitt kaum mehr als 1000 Tageskarten pro Spiel abgesetzt haben. Wie viele davon Vollzahler waren, lässt sich schwer abschätzen, aber dass im Raum Feldkirch praktisch Woche für Woche büschelweise Freikarten kursierten, war ein offenes Geheimnis. Hinzu kamen regelmäßige offizielle Freikarten-Aktionen. Durchschnittliche Heimspieltage können daher nach menschlichem Ermessen schlichtweg nicht profitabel gewesen sein. Darüber hinaus dürfte ein nicht unerheblicher Teil der Saisonkarteneinnahmen im Sommer für offene Rechnungen aus der Vorsaison verwendet worden sein. Zumindest wurden verschiedenste Gläubiger immer wieder auf die Sommermonate vertröstet: Selbst eine Zahlungsfrist der Vorarl­berger Gebietskrankenkasse sei wohl bis aufs Äußerste ausgereizt worden. Manch ein Ex-Spieler erhebt schwere Vorwürfe, wonach auch Jahre später noch Gehaltszahlungen offen wären. Wobei, und das sei nicht unterschlagen, es auch Spieler gibt, die berichten, dass sie stets korrekt behandelt wurden. Geholfen hat den Pioneers freilich auch nicht die fällige Steuernachzahlung, die nach einer Anzeige gegen die VEU Feldkirch fällig wurde – die Untersuchungen kosteten dem Profistandort Feldkirch ein Jahr lang den eigentlich standardisierten Sponsorenvertrag mit der Illwerke vkw: In der heimischen Sportbranche gilt die Partnerschaft mit dem Vorarlberger Energieanbieter als indirekte Landesförderung.

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Spärlich gefüllte Tribünen gehörten bei den Pioneers zum Alltag. Klaus Hartinger

Bilanzverlust
Selbst die mit dem Viertelfinaleinzug sportlich erfolgreiche Spielzeit 2023/24 schlossen die Pioneers laut Jahresabschluss mit einem Bilanzverlust von fast einer Million (!) Euro ab – und in jener Saison lag der Zuschauerschnitt immerhin bei 1925 Besuchern. Außerdem hatten die Pioneers mit Bemer anfangs noch einen Hauptsponsor, der jedoch nach zwei Jahren ausstieg, was das Liechtensteiner Unternehmen auf eine intuitiv gestellte NEUE-Anfrage bereits am 14. September 2023 und damit noch vor Beginn der zweiten ICE-Spielzeit bestätigte, was seinerzeit einen großen Wirbel auslöste. Regionale und nationale Medienvertreter ließen sich von den brüskierten Reaktionen der Feldkircher täuschen, getreu dem Motto: Wer nichts weiß, muss alles glauben. Viele nahmen es für bare Münze, wonach eine Bemer-Sekretärin unautorisiert auf Hörensagen hin die Antwort an die NEUE verfasst hätte: Am Bemer-Ausstieg sei nichts dran. Und das war mitunter das größte Problem bei den Pioneers: Man glaubte die eigenen Fantastereien sogar selbst und stachelte die Fans bis zur Weißglut mit Falschinformationen an.
Nach zwei Jahren in der ICE Hockey League hatten die Feldkircher 1,77 Millionen Euro mehr Ausgaben als Einnahmen bilanziert. Um wie viel in den Spielzeiten drei und vier der Bilanzverlust angewachsen ist, werden erst die kommenden Monate zeigen. Wenn Gleim am Ende einen Strich unter seiner Präsidentschaft bei den Pioneers zieht, wird er wohl auf ein Invest von mehreren Millionen Euro kommen. Gleim deckte nämlich dem Vernehmen nach ab der zweiten Spielzeit nicht nur die Bilanzverluste ab, sondern ersetzte in den ICE-Spielzeiten 2024/25 und 2025/26 auch den fehlenden Hauptsponsor. Dass Gleims Spendabilität nun ausgereizt ist, kann dem scheidenden Präsidenten wahrlich niemand übel nehmen: Der Mann hat viel getan fürs Feldkircher Eishockey, aber die ICE Hockey League war für die Pioneers-Organisation sowie die Verantwortlichen schlichtweg mindestens eine Nummer zu groß. Letztendlich fehlte von Tag eins an der Businessplan. Dass man den Sprung in die ICE Hockey League mit einem nur zweijährigen Hauptsponsorenvertrag gewagt hat, war Harakiri. Eigentlich war das Projekt schon mit der Gründung der Pioneers Vorarlberg gescheitert. Der Retortenklub kam nie an, viele VEU-Fans, wohlgemerkt nicht nur die Hartgesottensten von der Südtribüne, boykottieren die Pioneers, die sich anfangs sogar darüber aufregten, wenn man sie Feldkircher nannte: Man sei das Team Vorarlberg.

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In den goldenen Jahren brannte in der Vorarlberghalle die Luft. Dietmar Stiplovsek

Chronologie
Das ganze Unheil nahm in Wahrheit schon im Herbst 2018 seinen Lauf, als man bei der VEU ein praktisch besiegeltes, echtes Team Vorarlberg mit dem EHC Lustenau und dem seinerzeitigen EBEL-Klub Dornbirner EC platzen ließ. Man wähnte einen Investor an der Hand, der 50 Millionen Euro für die Kaderzusammenstellung und 70 Millionen Euro für einen Hallenneubau versprach. Selbst der Bau eines Wohnblocks mit Wohnungen für die Spieler war im Gespräch. Und ja, das alles wollten Gleim und Lampert glauben. Obwohl man nie mehr als eine rechtlich wertlose Absichtserklärung des vermeintlichen Investors vorliegen hatte, nannten die Feldkircher im Jänner 2019 für die EBEL. Noch heute schallt es vielen Eishockeykennern in den Ohren, wie Gleim Tage nach der Bewerbung im NEUE-Interview meinte: „Es gab auch schon früher Interesse von Sponsoren, bei uns einzusteigen. Aber was nutzt uns eine Zusage für ein, zwei Jahre? Da wäre das nächste Chaos doch schon wieder in Sichtweite gewesen – für so was bin ich nicht zu haben.“ Später entpuppte sich der Inves­tor als Betrüger und wurde verhaftet. 2021 erhielt die VEU nicht die nötige Mehrheit für einen Ligaeinstieg, stattdessen wurden Znojmo, Ljubljana und Pustertal aufgenommen. Die Feldkircher witterten eine Verschwörung.
Als 2022 die Bulldogs aus der ICE-Liga ausstiegen, war erneut eine Partnerschaft zwischen der VEU, Dornbirn und Lustenau im Gespräch, die scheiterte jedoch an völlig unterschiedlichen Auffassungen. Die Feldkircher hielten trotzdem an der Erzählung einer gemeinsamen Nennung fest, schrieben in einer Bekanntmachung am 15. April 2022: „Vorarlbergs Eishockeyvereine haben in den letzten Wochen ihre Stärken gebündelt – und eine Allianz geschaffen, die das Ziel verfolgt, dem Eishockeysport im westlichsten Bundesland noch mehr Aufmerksamkeit und Perspektive zu geben.“ Selbst gegenüber der Liga blieb man bei der Version einer Vorarlberger Allianz, obwohl die NEUE bereits wenige Stunden später aus Ligakreisen in Erfahrung brachte, dass bei der Nennung nur ein VEU-Vertreter unterschrieben hatte und ein weiteres Feld leer geblieben sei: Das für die Unterschrift von Alexander Kutzer. Der ehemalige General Manager der Bulldogs tauchte monatelang ab, ehe er ein Jahr später in einem NEUE-Interview bestätigte: „Die Gespräche waren weit fortgeschritten, aber die haben nicht erst im Frühjahr 2022 begonnen, sondern Jahre davor mit einem anderen Ausgangspunkt. Doch es war dann einfach nicht möglich, in der Kurzfristigkeit so knapp vor Nennschluss das eigentlich geplante Projekt umzusetzen.“ Davon hätte er die Feldkircher informiert, nur hätten die seine Entscheidung ignoriert.
Nach und nach löste sich in der Öffentlichkeit die Mär von der Allianz schließlich auf. Am Ende blieb eine Feldkirch-Bewerbung im neuem Gewand: eben den Pio­neers Vorarlberg. Geld war vom ersten Tag an Mangelware.

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Am 14. Jänner 2019 verkündeten die Feldkircher bei der VEU-Jahreshauptversammlung, dass man für die EBEL genannt hat – und einen potenten Investor an der Hand hätte. Frederick Sams

Blase geplatzt
In den vergangenen Jahren machten teils abenteuerliche Erzählungen über die Pioneers die Runde. Einen Tiefpunkt hatten die Pioneers erreicht, als Spieler in der Vergangenheit gegen Saisonende hin beim Gegner Stöcke ausleihen mussten, weil intern kein Geld für neue da war. Immer wieder wurde den Spielern der Einstieg von Großsponsoren und Investoren versprochen. Letztmals soll das im Dezember 2025 so gewesen sein. Jetzt hat Gleim genug – und damit ist die Blase geplatzt.
Hinter den Kulissen soll ein Hauen und Stechen eingesetzt haben. Dass Sportdirektor Michael Lampert und Geschäftsführer Christian Gross keine vernünftige Gesprächsbasis mehr miteinander haben, gilt seit Langem als sicher. Gross wird intern vorgeworfen, in seiner vierjährigen Geschäftsführer-Tätigkeit praktisch nichts bewegt zu haben. Vor zwei Jahren meldete sich ein Unternehmer bei der NEUE, der davon erzählte, dass Gross in Badeschlapfen und kurzer Hose bei einem Termin erschienen sei, und ihm in dieser Aufmachung ein Sponsoring schmackhaft machen wollte.
Wie die ICE Hockey League am Donnerstag bekanntgab, wollen die Pioneers innerhalb der nächs­ten drei Wochen entscheiden, ob sie den ICE-Spielbetrieb aufrecht erhalten können. Klar ist: Dass sich eine Gruppe findet, die sich bereit erklärt, die aktuelle Pioneers Betriebs GmbH zu übernehmen, ist unvorstellbar: Niemand weiß, welch unliebsame Überraschungen da warten würden. Eine solche Gesellschafts-Übernahme würde auch nicht der üblichen Praxis entsprechen. Ein Neubeginn mit Gross und Lampert an der Vereinsspitze scheint sowieso ausgeschlossen. Es heißt, die beiden hätten intern ihren Rückzug angekündigt, öffentlich haben sie sich zu diesem Schritt noch nicht bekannt. Klar ist: Lampert steht nach 14 Jahren an der Vereinsspitze nicht für Aufbruch. Ein Verbleib von Gross wiederum wäre ob dessen schlechter Bilanz als Geschäftsführer überhaupt nicht vermittelbar. Gross hätte stets rosige Perspektiven mit neuen Geldgebern und steigenden Zuschauerzahlen in Aussicht gestellt. Die Realität war dagegen fast schon brutal: Selbst der Streamingdienst der eigenen Heimspiele soll hoch defizitär gewesen sein, die Rede ist von einem Saisonminus um die 100.000 Euro. Frühjahrskrisen ist man rund um die Pioneers und zuvor der VEU Feldkirch gewohnt. Aber dieses Mal ist es sehr viel ernster: Sollten sich keine Retter finden, ist eine Reamateurisierung unvermeidbar. Und doch: Die Feldkircher haben die Chance, erhobenen Hauptes die Liga zu verlassen. Bei allen Fehltritten der vergangenen Jahre wäre ein Eingeständnis, dass die ICE Hockey League nicht mehr finanzierbar ist und es in Wahrheit nie war, keine Schande, sondern ehrlich. Ein Weiterwurschteln wie bisher unter semiprofessionellen Bedingungen könnte dagegen im Fiasko enden. Mit einer Rückkehr zur VEU würde man, in welcher Liga auch immer, zumindest die Herzen der Fans gewinnen, und das ist nicht zu unterschätzen. Fanliebe ist zwar nicht alles, aber ohne Fanliebe ist alles nichts.

Von Pioneers bis ELZ: Es kracht und kriselt im Vorarlberger Eishockey
Am 23. Juli 2019 präsentierten die Feldkircher um Präsident Pit Gleim den neuen Geschäftsführer Christian Gross. Philipp Steurer

Leistungszentrum
Fast zeitgleich zur Krise um die Pioneers steht auch das Eishockey Leistungszentrum Vorarlberg auf dem Prüfstand: Der vom Vorarlberger Eishockeyverband getragenen Nachwuchseinrichtung, die von den Pioneers und dem EC Bregenzerwald federführend in Feldkirch umgesetzt wird, droht unabhängig von den Entwicklungen bei den Pioneers das Aus. Die Gerüchte dazu verdichteten sich nach einem anonymen Hinweis seit vergangenem Samstagabend. Ein ELZ-Insider berichtete danach zu Wochenbeginn der NEUE davon, dass es dem ELZ an Kindern und Jugendlichen fehle und die Stimmung extrem angespannt sei. VEHV-Präsident Florian Kleber hat gegenüber der NEUE auf Anfrage am Dienstag erklärt: „Vorweg möchten wir festhalten, dass aktuell die Weiterführung des Eishockey Leistungszentrums Vorarlberg geplant ist. Gleichzeitig ist es aber korrekt, dass sich das gesamte System derzeit in einer sehr kritischen Phase befindet.“ Und weiter: „Sobald es eine finale Entscheidung gibt, werden selbstverständlich alle betroffenen Gruppen entsprechend informiert.“
Die NEUE fragte bei Sportlandesrätin Martina Rüscher nach, ob dem Sportreferat bekannt sei, dass ein Aus des ELZ im Raum stünde. Die Antwort der Landeskommunikation fiel bemerkenswert aus. „Das Land Vorarlberg ist im engen Austausch mit dem Vorarlberger Eishockeyverband und einigen Vertretern des Eishockeysports. Wir sehen die Bemühungen des Verbandes, Kräfte zu bündeln und zu koordinieren, um eine qualitätsvolle Eishockeyausbildung zu ermöglichen, vom Kindesalter an, über U16, U18 bis zum Profi. Dazu braucht es ein Zusammenspiel vieler Organisationen und Personen, wie zum Beispiel Vereine, Verband, Sportgymnasium, Nachwuchskompetenzzentrum, Lehre, Spitzenvereine. Die strukturelle Situation des Eishockeysports in Vorarlberg ist komplex. Erschwerend wirken teilweise Regularien des Bundesverbandes bzw. der Ligen. Wir gehen davon aus, dass bei allen wichtigen Akteuren des Eishockeysports die kontinuierliche Förderung des Nachwuchses eine hohe Priorität hat und gemeinsam daran gearbeitet wird, Spielerinnen und Spielern bestmögliche Rahmenbedingungen zu bieten.“

Eishockey: Kindermarsch am Marktplatz, Etwa 40 Kinder laufen in Eishockey-Montur über den Marktplatz.
Florian Kleber beim ELZ-Kindermarsch vom 21. September 2024: Damit die Aktion überhaupt stattfinden konnte, stellten die Bulldogs die Kinder, obwohl die Dornbirner kein Teil des ELZ sind. Steurer

Wahrnehmung
Diese Antwort ist deshalb bemerkenswert, weil das Land Vorarlberg damit Fragen beantwortete, die seitens der NEUE gar nicht gestellt wurden. Was wiederum die Frage aufwirft, ob man beim Sportreferat auch mit den Verantwortlichen der anderen regionalen Ausbildungseinrichtung spricht, dem Rheintal Future. Oder ob das Land Vorarlberg ausschließlich mit Vertretern des ELZ-Kosmos Gespräche führt. Das würde bedeuten, das Land würde die offensichtlich notwendigen Verhandlungen mit Rheintal Future dem Verband überlassen – und damit de facto dem ELZ selbst: Florian Kleber ist bekanntermaßen Funktionär beim EC Bregenzerwald. Hinter kaum mehr vorgehaltener Hand wird aus ELZ-Kreisen angeführt, dass eine Trennung zwischen dem Vorarlberger Eishockeyverband und dem EC Bregenzerwald fehle und der Verband, so die Schilderung, mehrfach vornehmlich die Interessen des ECB vertreten hätte. Die NEUE fragte beim VEHV auch dazu nach, auf was diese Wahrnehmung beruhen könnte. Präsident Kleber antwortete: „Unser Fokus lag und liegt immer auf einer gesamtheitlichen Entwicklung des Vorarlberger Eishockeys. Dass einzelne Maßnahmen unterschiedlich interpretiert werden, lässt sich in einem komplexen System mit mehreren Beteilig­ten nie ganz vermeiden. Entscheidend ist aus unserer Sicht aber, dass die strukturellen Rahmenbedingungen so gestaltet sind, dass sie allen Vereinen und insbesondere den jungen Spielern zugutekommen.“ Ein vom Vorarlberger Eishockeyverband forcierter Versuch, Jugendliche vom Rheintal Future für das ELZ abzuwerben, soll zuletzt gescheitert sein. Demnach hätten alle Jugendlichen, die unter dem Einverständnis von Rheintal Future ein Probetraining in Feldkirch absolviert haben, einen Wechsel danach abgelehnt.

Von Pioneers bis ELZ: Es kracht und kriselt im Vorarlberger Eishockey
Christof Schwendinger, Toni Walch und Ralph Kessler vom Rheintal Future. Bei dem grenzüberschreitenden Nachwuchsprojekt haben sie das, was dem Eishockey Leistungszentrum Vorarlberg fehlt: Spieler und nicht zuletzt ein großes Budget. Stiplovsek

Gegensätze
Vergangene Woche hatte die NEUE exklusiv berichtet, dass mit 1. Mai Nachwuchstrainer-Koryphäe Toni Walch zu Rheintal Future wechselt. Das grenzüberschreitende Nachwuchsprojekt, an dem der EHC Lustenau, Dornbirner EC, SC Samina Hohenems, der Windauer Verein SC Rheintal sowie als Juniorpartner der EHC Hard teilnimmt, betreut in Summe über 500 Kinder und Jugendliche, die von über 100 Trainern und Betreuern gecoacht werden; mit einem Gesamtbudget von über einer Million Euro. Das sind Dimensionen, von denen sie beim 2024 gegründeten ELZ sehr weit entfernt sind. Das Eishockey Leistungszentrum Vorarlberg hat dieser Tage vielmehr einen herben Verlust zu verzeichnen: Mastermind Michael „Schudo“ Schurig hat die Organisation verlassen, was nicht der Verband oder das ELZ verkündete, sondern die VEU Feldkirch, wo Schurig der Nachwuchsleiter war: Am Ende schließen sich eben oft die Kreise. Das gilt wohl auch für den EC Bregenzerwald. Die Wünsche der Wälder nach einem Wechsel in die deutsche Oberliga Süd führten ins Nichts. ECB-Pressesprecher Mario Kleber hatte gegenüber der NEUE am 18. März auf Anfrage erklärt, der Verein „prüfe“ die Option Oberliga Süd. Aus ÖEHV-Kreisen hieß es dagegen, die Wälder würden trotz einer Absage beharrlich weiter auf einen Wechsel nach Deutschland drängen.
Offensichtlich ist, dass es an ungewöhnlich vielen Fronten aktuell heiß hergeht im heimischen Eishockey. Die kommenden Wochen dürften entscheidend für die Zukunft des Vorarlberger Eishockeysports werden.