Direktorin des Jüdischen Museums Hohenems über ihr Ankommen in Vorarlberg nach 20 Jahren Israel

Irene Aue-Ben-David eröffnete das Kulturfestival emsiana in Hohenems mit einer sehr persönlichen Rede über ihr Leben in Israel, die Ankunft in Vorarlberg und das Gefühl kulturellen Fremdseins.
„Wenn einer eine Reise tut, dann hat er etwas zu erzählen“, lautet ein bekanntes Sprichwort. Dass dieses Reisen sehr ambivalent sein kann, darauf ist Irene Aue-Ben-David in ihrer Eröffnungsrede am Donnerstag eingegangen
Ortswechsel prägen, so die gebürtige Deutsche, die über zwei Jahrzehnte in Israel lebte und in Jerusalem das Leo Baeck Institut für deutsch-jüdische Geschichte und Kultur leitete. Reisen verändere und man komme anders heim, als man aufgebrochen ist. Noch viel prägender ist es, wenn man wie die neue Direktorin des Jüdischen Museum Hohenems in ein Land auswandert.

„Aber Mama!“
Schon zu Beginn ihrer Rede schlug Aue-Ben-David eine Brücke zwischen persönlicher Erfahrung und jüdischer Tradition. „Als ich zu Hause erzählte, dass ich hier heute bei der Eröffnung der emsiana sprechen würde, sagte meine Tochter sofort: ,Aber Mama, dann ist doch Schawuot‘“, schilderte sie. Tatsächlich begann am Donnerstagabend das jüdische Fest Schawuot, an dem die Übergabe der Tora am Berg Sinai gefeiert wird.
Gerade dieser Moment führte sie direkt zum Thema Fremdsein und kultureller Verschiebung. „Denn mit unserer Reise sind wir aus einem Land gekommen, in dem jüdisches Leben den Alltag geprägt und strukturiert hat“, sagte Aue-Ben-David mit Blick auf Israel. Dort seien Feiertage im öffentlichen Raum sichtbar und spürbar. „An vielen Orten in Israel schließen während den Feiertagen die Geschäfte, Busse fahren nicht oder kaum mehr. Man hört Kinder auf der Straße Lieder singen zu den Feiertagen.“
Wenn die Woche am Sonntag beginnt
„Hier läuft die Welt nach einem anderen Rhythmus.“ Bereits bei ihrer Auswanderung nach Israel vor über zwanzig Jahren habe sie sich lange nicht daran gewöhnen können, „dass die Arbeitswoche am Sonntag beginnt“. Nun erlebt die neue Museumsdirektorin eine umgekehrte Bewegung zurück nach Europa.
„Fremdsein bedeutet nicht nur, etwas nicht zu verstehen, sondern auch zu spüren, dass etwas gefeiert wird, woran man keine Kindheitserinnerungen hat.“ Aue-Ben-David verknüpfte in ihrer Festrede persönliche Erlebnisse und Erfahrungen, hob sie aber auf eine Ebene, in der sie allgemein für andere nachvollziehbar wurden. Eindringlich erinnerte sie die Zuhörer auch daran, dass sich Reisen im 20. Jahrhundert auch zu einem Phänomen entwickelt hat, das nicht freiwillig ist. Flucht in Folge von Kriegen ist die schreckliche Realität von über 100 Millionen von Menschen.

Liechtensteinisches Landesarchiv
Die tonart Sinfonietta unterstrich mit Musik aus Frankreich und England das Gesagte und nahm das Publikum mit auf eine musikalische Reise. Mit dem Gesangsverein Nibelungenhort Hohenems konnten alle zum Schluss das Lied „Abschied von Ems“ mitsingen.
Daniel Furxer