Die Frage nach den Farben der Medaillen

Ab heute ist Dornbirn drei Tage lang erneut Schauplatz der Kunstturn-Staatsmeisterschaften, diesmal mit den Entscheidungen der Jugend. In der Eliteklasse liegen die heimischen Hoffnungen auf Leni Bohle und Gino Vetter.
Von einer „illustren Runde“ sprach Wolfgang Eichler (Turnsport Austria), als er vier der 268 Protagonisten aus 51 Vereinen, stattliche 108 davon in der Eliteklasse, den anwesenden Medienvertretern präsentierte. Es war freilich nicht irgendein Quartett, das von heute bis Samstag bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften im Kunstturnen in der Dornbirner Messehalle 6 antritt.
Mit Gino Vetter (TS Lustenau), den Olympia-Kaderathletinnen Leni Bohle und Leonie Gschließer (beide TS Hohenems) sowie Junior Samuel Wachter (TS Fußach) saßen vier der wohl größten Medaillensammler einträchtig nebeneinander, das Selbstvertrauen ist nach den bereits gezeigten Erfolgen vorhanden. Zum 80-jährigen Bestehen der Staatsmeisterschaft finden erstmals alle österreichischen Einzel-Meisterschafts-Bewerbe im Kunstturnen – von der Elite bis zur Jugend – zusammen statt, bei der Jugend kommen zusätzlich noch die Team-Entscheidungen dazu. „Ob die doppelten Staatsmeisterschaften besser sind, wird sich zeigen“, meinte Turnsport-Austria-Sportdirektor Fabian Leimlehner, „wir wollen die Veranstaltungen damit auf jeden Fall auf ein höheres Niveau heben und auch das Publikumsinteresse stärken“, so der ehemalige WM-, EM- und Olympiateilnehmer. Der Nachwuchs würde mehr Fans bringen, die Elite ihre Vorbildfunktion erfüllen.
Leimlehner hätte sich allerdings gewünscht, dass nicht so viele namhafte Turner auf diese Meisterschaften verzichten müssen: „Aurea Wutschka (Wolfurt), Mateo Fraisl (Satteins) und Paul Schmölzer fehlen verletzungsbedingt, was einen herben Verlust bedeutet, die WM-Siebente Charlize Mörz wird zwar in der Halle sein, sie soll sich aber auf ihre mündliche Matura konzentrieren, um dann für die Saisonhöhepunkte EM und WM den Kopf frei zu haben.“ So wird die Nennliste von den Mehrkampf-Vorjahresmeistern Selina Kickinger (Sportunion Böheimkirchen) und Gino Vetter, dem jüngsten Mehrkampf-Goldmedaillengewinner der Geschichte, angeführt.
Keine Medaillenvorgabe
„Ich bin dann zufrieden, wenn alles ohne grobe Fehler abläuft, nicht allzu viele Stürze passieren und wir, wenn sie passieren, simple Erklärungen dafür finden“, drückt es der ehemalige Weltklasseturner, der nicht nur im Hinterkopf bereits die Europameisterschaften Mitte August in Zagreb hat, recht simpel, aber deutlich aus. Vorarlbergs Sportdirektor Marc Brugger ist recht entspannt, was die Organisation und das Sportliche angeht. „Ob es wie im Vorjahr 31 Medaillen werden – 16 davon glänzten golden – bleibt abzuwarten. Es wird von mir keine Medaillenvorgabe geben. Aber natürlich wollen wir wieder auf Rang eins des Medaillenspiegels landen.“ Gino Vetter steuerte fünf Goldene bei, Samuel Wachter, für den die Olympischen Jugendspiele im Herbst in Dakar ein, also nicht das einzige, Ziel sind, gar sechs. Leni Bohle gewann im Mehrkampf die Silbermedaille, wie auch am Sprung, Stufenbarren und Balken. Leonie Gschliesser sicherte sich in ihrem letzten Jahr bei den Juniorinnen Gold im Mehrkampf sowie am Sprung, Stufenbarren und Boden.

Vetter ist wieder voll fit
„Die Konkurrenz ist qualitativ stark, aber nicht in großer Zahl vorhanden. Ich fühle mich auf jeden Fall stärker als im letzten Jahr, vor allem stabiler“, so die Kampfansage des Titelverteidigers Gino Vetter, dessen Schulterprobleme zu Beginn des Jahres inzwischen nicht mehr existent sind. „Der Schwierigkeitsgrad meiner Übungen ist deutlich gestiegen.“ Leni Bohle hingegen weiß sehr wohl um ihre Konkurrenz, der Name Selina (Kickinger) ist an diesem Morgen nicht nur einmal gefallen. Dennoch geht die Hohenemserin freilich auf den Titel los: „Ich werde ein paar neue Elemente am Boden präsentieren, die Abgänge am Barren und Balken werde ich jetzt doch beibehalten“, sagt die 19-Jährige, die schon zahlreiche Topplatzierungen, national (26-fache Nachwuchsmeisterin) wie international (EM- und WM-Teilnahmen, fünf Weltcup-Podestplätze), vorweisen kann. Sie selbst nennt als eine ihrer Hauptgegnerinnen Klubkollegin Leonie Gschließer. Die 16-Jährige gibt ihr Staatsmeisterschaftsdebüt in der Eliteklasse und lässt Richtung Leni Bohle wissen: „Wir unterstützen uns gegenseitig.“
Rund 120 freiwillige Helfer
„Es sind die dritten Meisterschaften in Dornbirn in Folge, dass die Landessmeisterschaften heuer vorher waren, war sicher ein Vorteil. Da der Nachwuchs diesmal mit dabei ist, benötigten wir zusätzliche Geräte“, lässt Marc Brugger, EYOF-2015-Marketingdirektor, wissen, der an den kommenden drei Tagen auf rund 120 Helfer vertrauen kann. Dass vier Tonnen Turngeräte (mit einem Warenwert von 200.000 Euro) angeliefert wurden, hat den Ex-Kicker (unter anderem SCR Altach) nicht groß aus der Ruhe bringen können, „als ehemaliger Weltgymnaestrada-Ausrichter lachen wir fast darüber“. 2019 waren über 20.000 Sportler aus über 60 Nationen nach Vorarlberg gekommen, auch Turnsportasse wie der deutsche Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen. Der Turnsport-Austria-Homepage ist zu entnehmen, dass des Weiteren zwölf Tonnen an Betonblöcken zum Fixieren der Geräte, 900 Kilo Nudeln und 800 Kilo Sugo für die Verpflegung der Teilnehmer, 600 Liter Fruchtsäfte und 500 Liter Wasser angeschafft wurden.
Täglich werden in Dornbirn 600 bis 800 Zuschauer erwartet, in einer Halle mit rund 4000 Besuchern Fassungsvermögen keine Massen, „ich denke aber, dass die, die kommen werden, so viel Lärm wie 4000 machen werden“. Die Titelkämpfe starten heute ab 9.30 Uhr mit dem Mehrkampf und werden Samstagabend mit den Elite-Geräte-Finals abgeschlossen.
Von Jochen Dedeleit