„Bei uns gibt es keine Fettreserven“

Die neue Kampagne „Kultfür!“stellt sich gegen Sparmaßnahmen im Kulturbereich und warnt vor den Folgen von Kürzungen.
„Ohne eine lebendige Kulturszene ist Vorarlberg wieder ein provinzielles Tal mit vielen Seitentälern“, warnt Poolbar-Geschäftsführer Herwig Bauer bei der Pressekonferenz der neuen Solidaritätskampagne „Kultfür!“, die am Dienstag im Spielboden Dornbirn vorgestellt wurde. Wie ernst die Lage aus Sicht der Kulturszene ist, zeigt eine weitere Aussage des Festivalleiters: Sollte sich die Fördersituation weiter verschlechtern, sei ein Umzug des Poolbar-Festivals aus Feldkirch nicht ausgeschlossen.

Ein Feuer
Auslöser für die Initiative sind die jüngsten Kürzungen der Stadt Feldkirch im Kulturbereich. Für die Organisatoren stellen diese jedoch keinen Einzelfall dar. Vielmehr werden ähnliche Entwicklungen auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene befürchtet beziehungsweise beobachtet. „Die Kunst und Kultur steht extrem auf dem Spiel“, bekräftigt IG-Kultur-Geschäftsführerin Mirjam Steinbock. Gemeinsam mit Sabine Benzer vom Theater am Saumarkt und Herwig Bauer zählt sie zu den Erstunterzeichnenden der Kampagne.
Das „für“ im Namen bekräftigt die Parteinahme und spielt auf den Dialektbegriff für Feuer an. Genau dieses „Feuer“ soll verteidigt und vor dem Erlöschen bewahrt werden.
Die Initiatoren warnen davor, dass Einsparungen in ihrem Bereich nicht mit gewöhnlichen Budgetkürzungen vergleichbar seien.

Während Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen oft über Rücklagen verfügen, würden Kulturvereine und Veranstalter seit Jahrzehnten mit minimalen Ressourcen arbeiten.

„Bei uns kann man nicht sparen, weil da ist nicht genug Futter da. Es gibt keine Fettreserven. Es geht sofort an die Substanz“, schildert Steinbock. Jede Kürzung zerstöre gewachsene Strukturen, die sich später nur mit großem Aufwand oder gar nicht mehr wieder aufbauen ließen.

Ähnlich argumentiert Sabine Benzer vom Theater am Saumarkt. Weniger Geld bedeute nicht nur weniger Veranstaltungen, sondern auch weniger mutige Formate. Gerade Literaturveranstaltungen, experimentelle Musik oder andere Nischenprogramme geraten rasch unter Druck.

Am Limit des Machbaren
Auch Spielboden-Geschäftsführerin Heike Kaufmann weist die häufig geäußerte Forderung zurück, Kulturhäuser müssten eben weniger Programm machen. Schließlich würden damit auch die Einnahmen aus der Gastronomie merklich schwinden. „Wir wehren uns nicht gegen das Sparen, aber wir haben nichts mehr zu sparen“, betont sie. Bereits heute arbeite die Szene am Limit.
Unterstützung erhält die Kampagne auch aus Teilen der Wirtschaft.

Kommunikationsunternehmer Sigi Ramoser (Sägenvier) bezeichnet Kunst und Kultur als wichtigen Standortfaktor und hob insbesondere die Haltung vieler Kulturschaffender hervor.

„Ich kenne in meinem Bekanntenkreis und aus Medienberichten keinen Kultur- und Kunstschaffenden, der Dienst nach Vorschrift macht“, lobt er. Vielmehr handle es sich um Menschen, die mit großer Eigeninitiative, hoher Selbstreflexion und oft unter prekären Bedingungen arbeiteten. Dieses Engagement sei ein gesellschaftliches Kapital, von dem andere Bereiche lernen könnten.

Schaden für Wirtschaftsstandort
Auch Bauer teilt diese Ansicht und verweist auf Diskussionen, die er im Rahmen der Entwicklung der Marke Vorarlberg mit Vertretern aus Wirtschaft und Industrie geführt habe.

Dort sei wiederholt betont worden, dass eine lebendige Kulturszene wesentlich zur Attraktivität des Landes beitrage und mit Blick auf den Fachkräftemangel von großer Tragweite sei.

Während einzelne Unternehmer wie Collini-CEO Günther Reis oder die Hoteliers Josef Walch und Andrea Schwärzler die Kampagne unterstützen, berichten Kulturschaffende andernorts von großer Zurückhaltung.