Vorarlberg

Warum Wildbiologe Schatz nach der Bärensichtung in Brand “neugierig” ist

09.06.2026 • 16:44 Uhr
Warum Wildbiologe Schatz nach der Bärensichtung in Brand "neugierig" ist

Für den Experten sind nun Hinweise aus der Bevölkerung entscheidend. Unterdessen zeigen sich Bürgermeister Bitschi und Hüttenpächter Beck entspannt.

Eine Wildkamera hat im Brandnertal einen Braunbären aufgenommen. Diese Meldung des Landes sorgte am Dienstag für Aufsehen, obgleich Landesrat Christian Gantner (ÖVP) “keinen Anlass zur Beunruhigung” sieht. Indes machte sich eine Taskforce rund um den Landesfachbereichsleiter für Jagd und Fischerei, Luca Fuchs, auf den Weg zur betroffenen Stelle in Brand, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Mögliche Bärenhaare ins Labor nach Wien geschickt

Landeswildökologe Hubert Schatz berichtet der NEUE von den Ergebnissen des Lokalaugenscheins: “Am Standort der Wildkamera hat mein Kollege keine weiteren Spuren vom Bären gefunden. Allerdings waren Haare vor Ort, die vom Bären stammen könnten. Diese wurden eingesammelt und werden nun zur Genotypisierung nach Wien geschickt.” Dort wird überprüft, ob die Haare, so sie denn vom Bären sind, einem bereits erfassten Tier zugeordnet werden können. Laut dem Experten dauert die Analyse unter dem Mikroskop einige Wochen. Bis dahin könnte der Bär allerdings schon weitergegangen sein, so Schatz: “Das Tier kann sich in verschiedenste Gebiete bewegen.”

Bär
Landeswildbiologe Hubert Schatz bittet um Hinweise der Bevölkerung. ZVG

Besonders interessiert den Wildbiologen, welche Verhaltensweise das Tier an den Tag legt: “Ich bin neugierig, ob er menschenscheu ist. Der letzte Bär, der 2024 in Vorarlberg gesichtet wurde, ließ Bienenstöcke und menschlichen Müll in Ruhe, er inspizierte nur die Wildfütterung. Der Bär “Bruno” hingegen, der vor 20 Jahren im Land herumging, schlug Schafe und näherte sich Höfen, weil er die Scheu vor dem Menschen abgelegt hatte. Beim nun gesichteten Tier wissen wir dahingehend nichts.” Darum sind Hinweise aus der Bevölkerung entscheidend, falls der Bär oder dessen Spuren gesichtet werden. Schatz rät jedenfalls, den Hausmüll in einem geschlossenen Raum aufzubewahren.

Bürgermeister informierte Bevölkerung

Bürgermeister Klaus Bitschi (Freie Wählerliste) erklärt im Telefonat mit der NEUE, er sei am Vormittag von Landwirtschaftsabteilungsleiter Martin Rusch und Landesrat Christian Gantner (ÖVP) über die Sichtung informiert worden. “Daraufhin haben wir die Bevölkerung und insbesondere die Landwirte über unsere Kanäle informiert und auf Verhaltenstipps bei einer Begegnung mit dem Braunbären aufmerksam gemacht”, so der Ortschef. Einzelne Rückmeldungen habe es bereits gegeben, aber Bitschi stellt fest: “Eine große Beunruhigung sehe ich daraus nicht.”

Klaus Bitschi Brand
Klaus Bitschi stellt in der Gemeinde keine große Beunruhigung fest. Gerry Frank

Gesichtet worden sei das Tier in der Nähe des Brandner Golfplatzes im Bereich zum Eingang des Sarotlatals, unweit der Ortsgrenze zur Nachbargemeinde Bürserberg, “taleinwärts gesehen auf der linken Seite.” Wo der Bär sich aber genau aufhält, weiß der Bürgermeister nicht: “Er könnte auch wieder jenseits der Zimba sein.” Das Sichtungsgebiet werde jedenfalls von vielen Wanderern frequentiert, wenn auch bei diesem Wetter etwas weniger los sei, meint Bitschi. Der Bürgermeister befinde sich nun in Absprache mit der Taskforce: “Wir befinden uns im weiteren Austausch und handeln, wenn es von unserer Seite aus weitere Maßnahmen braucht.”

Keine Panik auf der Sarotlahütte

Auf der Sarotlahütte reagiert man auf die Bärensichtung am Taleingang mit Gelassenheit. “Wir haben, wie alle anderen, heute Morgen von der Sichtung erfahren. Fürs Erste warten wir ab, was die Jäger sagen. Ich selbst bin kein Experte auf diesem Gebiet”, erklärt Pächter Fabian Beck, der gemeinsam mit seiner Frau und zwei Mitarbeitern auf der Hütte ist. Gäste seien aufgrund des Wetters keine vor Ort.

Warum Wildbiologe Schatz nach der Bärensichtung in Brand "neugierig" ist
Fabian Beck ist Pächter der Sarotlahütte. Er ist unbesorgt über die Bärensichtung. ZVG

Ob sich die Bärensichtung auf das Besucheraufkommen auswirken wird? “Das können wir nicht beeinflussen”, antwortet der Pächter und ergänzt: “Es hängt auch davon ab, wie die Medien die Sichtung aufnehmen.” Der Hüttenpächter selbst nimmt die Bärensichtung bewusst unaufgeregt hin: “Wir haben rund um die Hütte Murmeltiere, Gämse und Steinböcke, jetzt ist eben ein Bär unterwegs. Das ist sein Lebensraum, nun wurde er eben einmal auf einer Wildkamera gesichtet. Darum nehme ich die Sache gelassen hin.” Vorbereitet ist er jedenfalls: “Wir haben Hühner auf der Hütte, die sind aber im Stall. Den Müll lagern wir ohnehin nicht draußen.” Panik sieht anders aus.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)