Kultur

Zukunft zum Anfassen: Studierende der FHV entwerfen neue Lebenswelten

12.06.2026 • 11:49 Uhr
New European Bauhaus Festival
Das Projekt „Eco Wall“ veranschaulicht den Einsatz von Textilien zur Begrünung von Fassaden. Furxer(4)

Erstmals nahm die Fachhochschule Vorarlberg am Mittwoch am „New European Bauhaus Festival“ mit einem Satellite Event teil.

Unter dem Titel „Living Otherwise“ präsentierten sieben Studierendengruppen der Fachhochschule Vorarlberg (FHV), Fachgruppe Gestaltung, und eine Partnergruppe der Technischen Hochschule Mannheim ihre Prototypen, Materialexperimente oder narrative Szenarien, die sich mit ökologischen Regenerationen beschäftigten.  Ausgangspunkt war, wie Menschen mit den ökologischen Veränderungen am besten umgehen können und welche Lösungsansätze es für ein gutes Wohnen und Zusammenleben geben kann.

New European Bauhaus Festival

Symbiosen verstehen

Beispielhafte Projekte, die von Studierenden der FHV umgesetzt wurden, sind der Einsatz von Textilien bei der Begrünung von Häuserfassaden sowie ein digital animierter Rundgang an der Dornbirner Ach, die in ein natürliches Flussbett zurückversetzt wurde. Darüber hinaus entwickelten sie einen Lernraum und eine spezielle Lernmethodik für Kinder, um das Verständnis für verschiedene Symbiosen in der Umwelt zu fördern. Die Studierenden der Technischen Hochschule Mannheim präsentierten ihr Projekt des solarbetriebenen Wabenhauses, in dem viele Personen gemeinschaftlich und basisdemokratisch zusammenleben. Sie stellten ihren Entwurf in der Gegenwart vor und machten so deutlich, dass ihr Projekt nicht in der Zukunft verortet ist. Gemeinsam war allen Projekten die Liebe zum Detail und die visuelle Umsetzung, die sie in den Labs der Fachhochschule vorstellten.

Regeneratives Design

„In unserem Fachbereich Gestaltung haben wir seit mehreren Jahren bereits im Bachelorstudiengang eine Vertiefung, die sich mit regenerativem Design beschäftigt. Design hat eine Brückenfunktion. Komplexe Zusammenhänge können visuell und multimedial erlebbar gemacht werden und sind so auch Menschen zugänglich, die keine Experten auf diesem Gebiet sind“, so Fachbereichsleiterin Margarita Köhl. „Wir sind stolz, dass wir das erste Mal beim ‚New Bauhaus Festival‘ dabei sein dürfen.“

New European Bauhaus Festival
Margarita Köhl, Fachbereichsleiterin Gestaltung.

Escape Room und Bewusstseinsbildung

Die Veranstaltung wechselte nach den Präsentationen in die benachbarte Campusväre, wo die Keynotes und die Podiumsdiskussion stattfanden. Nach einer methodischen Einführung von Köhl widmete sich die Kolumbianerin Marcela Torres Heredia (Projekt Otros Futuros), Doktorandin im Fach Sozial- und Kulturanthropologie an der Universität Wien, alternativen Zukunftsszenarien anhand von indigenem Wissen. Bemerkenswert ist, dass Indigenas den Raum und die Zeit anders verknüpfen als Europäer. Die Vergangenheit, das Sichtbare, liege vor einem, wobei das Unsichtbare, die Zukunft, hinter einem liege. Daraus ergeben sich andere Perspektiven auf ökologische Herausforderungen. Flurina Seger, Projektleiterin Biodiversität der Hilti Family Foundation, präsentierte anschließend das Projekt „supergut“. Hinter „supergut“ steht eine Initiative zur Förderung der Biodiversität in Liechtenstein. Ein Escape Room für Jugendliche und ein Schulprogramm für Kinder sind die Pfeiler des Projekts zur Bewusstseinsbildung. Außerdem können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma an Biodiversitätsprojekten, die meist handwerklich ausgerichtet sind, teilnehmen und so danach ihr praktisches Wissen weitergeben.  

New European Bauhaus Festival
Bei der Podiumsdiskussion sprachen Margarita Köhl (l.), Kai Beiderwellen (Hochschule Mannheim), Flurina Seger (Hilti Family Foundation), Marcela Torres Heredia (Projekt Otros Futuros) und Antje Wagner (Energieinstitut Vorarlberg).

CO₂-Fußabdruck

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde klar, dass es ein Handeln auf mehreren Ebenen braucht. Der Einzelne kann zwar seinen CO₂-Fußabdruck verringern, aber es braucht auch große Firmen, die ökologisch handeln und vor allem auch eine politische Agenda, die sich dem Thema widmet. Die Europäische Kommission schafft mit dem „New European Bauhaus Festival“ mit einem Hauptevent in Brüssel und unzähligen Satellite Events in ganz Europa die Ausrollung dieses Themas. Über 100 Studierende und einige interessierte Zuhörerinnen waren beim Satellite Event in Dornbirn dabei und bewiesen, wie wichtig ökologische Umdenken und die Anpassung an die neuen Herausforderungen sind.

Daniel Furxer