Warum die Kunstmesse Stage Bregenz ausfällt und wovon ihre Zukunft abhängt

Galeristen und Organisator bedauern die Zwangspause und sehen im Bodenseeraum weiterhin großes Potenzial für eine internationale Kunstmesse.
Die Kunstmesse Stage Bregenz wird 2027 nicht stattfinden. Das gab Organisator Renger van den Heuvel via Instagram bekannt. Nach zwei Ausgaben im Festspielhaus in den Jahren 2024 und 2025 pausiert das internationale Kunstformat damit vorerst.

Im Gespräch mit der NEUE präzisiert der Niederländer die Hintergründe. Die Entscheidung sei Mitte Juni gefallen. „Um eine Messe gut zu machen, braucht man eine gewisse Vorlaufzeit“, schildert van den Heuvel. Wer internationale Galerien gewinnen wolle, müsse spätestens im Juni „Vollgas geben“. Ein weiteres Hinauszögern hätte keinen Sinn ergeben.

„Diese Lücke zu schließen, ist mir nicht gelungen“
Dabei weist der Messegründer ausdrücklich Spekulationen zurück, Stadt, Land oder Bund hätten ihre Unterstützung eingestellt. „Ich kann mich über den Beitrag dieser drei absolut nicht beklagen“, betont er. Die ersten beiden Ausgaben hätten allerdings höhere Verluste verursacht als geplant. Für die dritte Messe habe er deshalb eine weniger risikoreiche Organisationsform aufbauen wollen. „Diese Lücke zu schließen, ist mir nicht gelungen.“ Sein Ziel sei es gewesen, die Stage künftig über einen Verein oder eine gemeinnützige Gesellschaft breiter abzustützen. Genau dieser Schritt sei gescheitert.

Van den Heuvel betont, dass die Stage nie als reine Verkaufsplattform gedacht war. Natürlich müssten Galerien Kunst verkaufen, um ihre Teilnahme zu finanzieren. Gleichzeitig verstehe er die Stage als Begegnungsort für die gesamte Vierländerregion. „Wir haben Dynamik in die Region gebracht“, betont er stolz. Museen und Institutionen aus Liechtenstein, Süddeutschland und der Ostschweiz hätten das Konzept begeistert aufgenommen. Auch zahlreiche internationale Gäste seien eigens wegen der Messe an den Bodensee gereist. „Die potenziellen Käufer sind da“, ist der Messegründer überzeugt.
Junge Galeristen
Diese Einschätzung teilt auch Simeon Brugger. Gemeinsam mit seiner Frau Zeynep eröffnete er heuer im März die Galerie Brugger in Klaus. Für das Paar waren die beiden bisherigen Ausgaben der Stage zugleich der Einstieg in die Öffentlichkeit. „Beim ersten Mal ging es darum, kennenzulernen und kennengelernt zu werden. Beim zweiten Mal kannte man sich bereits“, berichtet der studierte Architekt. „Bei der dritten Auflage hätten wir vermehrt Künstler außerhalb von Vorarlberg mitbringen können.“ Gemeinsam mit dem Galeristen Maximilian Thoman gehörte er zuletzt dem Beirat der Messe an.

Besonders positiv sei die Resonanz aus der Kunstszene außerhalb Vorarlbergs gewesen. „Es hat sich teilweise wie eine Klassenfahrt angefühlt“, schwärmt Brugger. Anders als in Metropolen wie Wien, wo Besucher zwischen zahlreichen Museen und Institutionen pendeln, konzentriere man sich in Bregenz auf die eigentliche Messe. Gerade diese Überschaubarkeit habe viele Kolleginnen und Kollegen geschätzt. „Die bewusste Abkehr von der Großstadt hat gut funktioniert.“

„Wir waren total begeistert.“ Auch Leon Boch von der Galerie am Lindenplatz in Vaduz bedauert das Aus. Seine Galerie nahm an beiden Ausgaben teil. „Wir waren total begeistert.“ Besonders die Premiere sei von einer außergewöhnlichen Euphorie getragen gewesen. „Im ersten Jahr herrschte vom Aufbau bis zum Abbau eine unglaubliche Euphorie. Die Leute in der Region waren heiß auf so eine Messe.“
Boch verweist zugleich auf die schwierige Situation des internationalen Kunstmarkts. Klassische Kunstmessen stünden zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Auch die jüngste Absage der Vienna Contemporary zeige, dass Bregenz mit seinen Problemen keineswegs allein sei. Das traditionelle Modell der Kunstmesse befinde sich im Wandel. Gerade deshalb seien neue Formate gefragt.
Brugger sieht es ähnlich: „Der Kunstmarkt existiert ja, nur verändert er sich ständig.“ Entscheidend sei das grundlegende Interesse an Kunst. „Auch auf der Art Basel sind nicht alle Besucher Käufer.“ Diese Affinität sei aber die Voraussetzung dafür, dass später Werke gekauft würden. „Wenn wir nichts verkaufen können, haben Künstler keine Einkünfte und Museen nichts auszustellen. Das hängt alles zusammen.“
Zukunft
Van den Heuvel will keinen Schlusspunkt setzen. „Ich bin offen und motiviert, die Messe 2028 oder später weiterzumachen“, bekräftigt der Niederländer. „Die Rückmeldungen zeigen, dass das Konzept funktioniert.“ Das Festspielhaus sei ein hervorragender Standort, das Einzugsgebiet nahe Süddeutschland, Ostschweiz und Liechtenstein außergewöhnlich attraktiv. „Aber ich brauche dafür eine stabilere Struktur.“ Seine Überzeugung hat die Pause jedenfalls nicht erschüttert: „Ich bin überzeugt, dass dieses Potenzial weiter wachsen kann.“