Manfred Honecks Klangwunder in Wolfegg

Der Vorarlberger Stardirigent zeigte bei den Wolfegger Konzerten einmal mehr seine außergewöhnliche Klasse.
Am vergangenen Wochenende boten der Vorarlberger Dirigent Manfred Honeck, die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, der Philharmonische Chor München und hochkarätige Solistinnen und Solisten einen begeisternden Konzertreigen bei den Internationalen Wolfegger Konzerten, deren künstlerischer Leiter der Dirigent ist. Gerade hat er seinen Vertrag beim Pittsburgh Symphony Orchestra bis zur Saison 2032/33 verlängert und wird sein Orchester Ende August/Anfang September auch wieder auf eine zweiwöchige Europatournee führen. Zuvor ist Honeck ab 2. August auch als Dirigent von Richard Strauss‘ „Ariadne auf Naxos“ bei den Salzburger Festspielen verpflichtet.

Rittersaal
Am Samstag war der charaktervolle Rittersaal mit seinen rund 800 Sitzplätzen voll belegt, durch die nach beiden Seiten geöffneten Fenster strömte ein angenehmes Lüftchen und die Deutsche Radio Philharmonie zeigte sich bereits in der Ouvertüre zu Webers „Der Freischütz“ hochmotiviert.

Im ersten Cellokonzert von Joseph Haydn lernte man den leidenschaftlich und frisch musizierenden Spanier Pablo Ferrández kennen. Auf dem leicht schräg gestellten Podium konnte der 35-Jährige, der von Anne-Sophie Mutter gefördert wurde, intensiv mit dem Dirigenten und den Streichern im Orchester kommunizieren. So bekam auch das bekannte C-Dur-Konzert Frische und Lebendigkeit.

Zu vorgerückter Stunde machten Manfred Honeck und die Deutsche Radio Philharmonie Mozarts letzte Symphonie, die großartig durchgeformte Jupiter-Symphonie KV 551 zum Erlebnis. In Honecks wie immer frischer Interpretation verbanden sich Operndramatik und lyrische Linien, starke Dynamik, Tanz und kontrapunktische Meisterarbeit.
Künstler tiefen Glaubens
Im Kirchenkonzert am Sonntag erklangen schließlich a-cappella-Motetten und die große f-Moll-Messe von Bruckner in einer wunderbar verinnerlichten und dramatisch aufflackernden Deutung. Wieder war mit dem Philharmonischen Chor München ein dem Maestro vertrauter Klangkörper eingeladen, der Bruckners Dynamik und Honecks Klangvorstellungen auf bewegende Weise umsetzte. Im Altarraum füllte die Deutsche Radio Philharmonie jeden Winkel, mit Christina Landshamer, Anna Lucia Richter, Maximilian Schmitt und Krešimir Stražanac setzte ein erlesenes Quartett von Solostimmen die Höhepunkte. Die f-Moll-Messe von Anton Bruckner ist die dritte und anspruchsvollste Messe des oberösterreichischen Komponisten, der seine tiefe Verbindung zum katholischen Glauben nicht nur in den Messen und Motetten, sondern auch an der Orgel und in seinen neun Symphonien zum Ausdruck brachte. Ideal für Manfred Honeck, dem die geistliche Musik ebenfalls so am Herzen liegt, der die aus dem Nichts kommenden, an- und abschwellenden Bögen fließen lässt und andererseits mit flammenden Fanfaren und Steigerungen überwältigt. In der angenehm temperierten Pfarrkirche St. Katharina verwirklichte Manfred Honeck mit allen Kräften eine packende und fein differenzierte Aufführung.
Katharina von Glasenapp