Kultur

Der Mensch als Kratzer auf der Biosphäre

14.07.2026 • 18:14 Uhr
Ausstellung "Dunkelraum Metanoia"
Roland Adlassnigg und Amrei Wittwer: „Wir brauchen die Erkenntnis, dass das Unscheinbare, das Lebendige wichtig ist und Aufmerksamkeit braucht.“ NEUE

Der Bregenzer Kultursommer startet am Samstag mit einem breiten Eröffnungsprogramm. Die NEUE sprach im Vorfeld mit den Künstlern Amrei Wittwer und Roland Adlassnigg über ihre neue Ausstellung.

Unter dem Titel „Moment of Impact“ stellt der Bregenzer Kultursommer heuer die Effekte der Kunst in den Mittelpunkt.

Die Festlichkeiten werden mittlerweile traditionell durch eine auf den städtischen Kunstbestand basierende Ausstellung eröffnet. Nachdem 2025 Werke von Hermann Nitsch gezeigt wurden, steht der im vergangenen Jahr verstorbene Maler Hubert Schmalix im Fokus der Eröffnungsschau.

Der Mensch als Kratzer auf der Biosphäre
Schmalix-Bild im Besitz der Stadt Bregenz. Die anderen Werke der Schau sind Leihgaben. Neumayer

Die Vernissage findet am Samstag, 18. Juli, um 18 Uhr im Magazin 4 statt. Gezeigt werden Arbeiten aus mehreren Schaffensphasen des 1952 in Graz geborenen Künstlers, der in den 1970er-Jahren zu den „Jungen Wilden“ gezählt wurde und sich in den 1980er-Jahren erfolgreich in Los Angeles etablierte. Neben Landschaftsbildern zieren Aktmalereien und biografische Filme das Obergeschoss des Magazin 4.

Kultursommer 2026 PK
Stadt Bregenz

Zurück zum Handwerk

In der zwei Stockwerke tiefer gelegenen „Blackbox“ zeigen Amrei Wittwer und Roland Adlassnigg, wohin sie „der permanente Impakt virtueller Welten treibt“. Konkret zum Konkreten. Oder in den Worten Wittwers: „zurück zum Material, zum Handwerk“. Die Ausstellung trägt den Titel „Dunkelraum Metanoia“. Der altgriechische Begriff bezeichnet den Moment, in dem Weltanschauungen und Vorstellungen in etwas Neues kippen.

Wittwer zeigt in ihrer Werkgruppe „Scarabaeidae/Viridian“ Ölbilder bedrohter Blatthornkäfer. Die sechs Bilder machen nicht nur ihr ökologisches Anliegen sichtbar, sie verweisen auch auf die antike Symbolik dieser Käfer als Sinnbild für Transformation, Wiedergeburt und Erneuerung.

Auf ihren großformatigen, weiß auf schwarz gearbeiteten Ölbildern werden die unscheinbaren Tiere auf beinahe menschliche Maße vergrößert. Dadurch kippt die Ordnung. Was klein war, wird groß. Was unwichtig schien, bekommt Gewicht.

Der Mensch als Kratzer auf der Biosphäre
NEUE

Adlassnigg nähert sich dem Motiv über eine andere Achse. Seine dreiteilige Installation trägt den Titel „Impact. Back to Nature, Reverse, Reverse“. Neben einem Kubus aus Baumrinde sticht ein Einkaufswagen in Kindergröße gleich ins Auge. Sechs Jahre lang hat sich ein Haselnussbaum durch die Metallstruktur geschoben, wodurch ein eindrucksvolles Sinnbild für die unbändige Kraft der Natur entstand.

Der Mensch als Kratzer auf der Biosphäre
NEUE

Der Mensch und die Natur

Der Mensch erscheint hier nicht als Herr der Schöpfung, sondern als vorübergehende Störung. „Im Maßstab der Erdgeschichte sind selbst die größten Untaten der Menschheit nicht mehr als ein Kratzer auf der Biosphäre“, schildert die Künstlerin. Da der Mensch die Natur und nicht etwa umgekehrt braucht, spricht sich das Duo für verbindliche Naturschutzgesetze aus. Verantwortung dürfe nicht bloß dem Individuum zugeschoben werden, sondern müsse gesellschaftlich geregelt sein. „Wir brauchen die Erkenntnis, dass das Unscheinbare, das Lebendige wichtig ist und Aufmerksamkeit braucht.“