Wie ein Bregenzerwälder Filmemacher nach Los Angeles auf den roten Teppich kam

Filmemacher Bastian Innfeld begleitet in „The Music of a Life“ die 94-jährige María Esperanza. Die Kurzdoku war in Los Angeles Finalist und ist nun in London nominiert.
„So einen glücklichen Menschen wie sie habe ich noch nie kennengelernt“, schwärmt der gebürtige Schwarzenberger Bastian Innfeld (27) von der Protagonistin seines Dokumentarkurzfilms „The Music of a Life“. Er handelt von der 94-jährigen María Esperanza, Großtante seiner Freundin und Co-Regisseurin Sofía Rodríguez Oliveros (27), die in den 1950er-Jahren ihre erfolgreiche Karriere als Sängerin in Kolumbien zurückließ und in den USA ihr privates Glück fand.


Esperanzas selbst vorgetragene Lebensgeschichte ist Gegenstand der Produktion, die es unter die fünf Finalisten des Chicano Hollywood Film Festival in Los Angeles geschafft hat. Nun folgt bereits die nächste Station: Vom 2. bis 6. Oktober läuft „The Music of a Life“ beim London Latino Film Festival. Verblüfft, aber sichtlich stolz gesteht der Wahl-Dornbirner: „Ich habe mich selber gewundert, wie ich da hinkomme.“

Weg in die Branche
Innfeld lernte die Grundlagen seines Handwerks in der Firma seines Vaters und machte sich 2019 in der Filmbranche selbstständig. So konnte er im Auftrag des Liechtensteiner Musikstudios Little Big Beat Live-Konzerte schneiden, dokumentarische Interviews mit Künstlern führen und einen Weg einschlagen, der stimmig zu „The Music of a Life“ führt. Als primär im Schnitt Tätiger möchte er weg vom „schnelllebigen Content“ und hin zu Geschichten, die Authentizität glaubhaft vermitteln.

Der Kurzfilm deckt sich mit dem Anspruch an die Marke. Rodríguez Oliveros berichtete Innfeld von ihrer Großtante, womit ein zwei Jahre andauerndes Projekt begann, wobei der eigentliche Dreh in Florida äußerst konzentriert ablief.

Innerhalb von zwei Tagen entstanden Interviews, Alltagsszenen und die Studioaufnahmen. Ein kolumbianischer Produzent aus Miami, der bereits mit Shakira im Studio gearbeitet habe, unterstützte die Aufnahmen. „Ohne ihn wäre es nicht so geworden, wie es ist“, berichtet der Filmemacher.

Aus rund drei Stunden Material wurde schließlich ein 28-minütiger Film. Er basiert fast ausschließlich auf Esperanzas eigener Stimme. Ergänzende Texte geben Orientierung, doch die Erzählung bleibt bei ihr.

Zentral ist dabei der Umstand, dass die gebürtige Kolumbianerin zwar nie wieder an ihre Karriere anknüpfen konnte, ihr Alltag ohne Vokalkunst aber nicht denkbar sei, etwa wenn sie sich singend der Hausarbeit widme. Innfeld und Rodríguez Oliveros lernten sich vor vier Jahren auf einer Reise kennen. Konkret in einer Musikbar im French Quarter von New Orleans. Der gemeinsame Film ist das Regiedebüt der studierten Literaturwissenschaftlerin, die laut dem Vorarlberger über ein ausgesprochenes Sprachtalent verfügt.