Strawinsky teuflisch schön gespielt

Im Seestudio überzeugte Moritz von Treuenfels in Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ mit Sprachwitz, Wucht und großer Präsenz. Das Ensemble spielte dazu glänzend auf.
Zwei Jahre lang hat er auf der Bregenzer Seebühne als höchst beweglicher Teufel und Strippenzieher den Samiel in Webers „Der Freischütz“ verkörpert, nun kehrte Moritz von Treuenfels mit einer weiteren „teuflischen“ Rolle ins Seestudio zurück: Gemeinsam mit einem hervorragenden Instrumentalensemble rund um die Geigerin Sophie Heinrich brachte er Igor Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ zur Aufführung.

Bissiger Charm
Passend dazu leiteten die sieben Musikerinnen und Musiker mit Songs aus Kurt Weills „Dreigroschenoper“ ein: Zum Einzug präsentierte sich der schlanke Schauspieler auch noch mit der Mundharmonika, führte die Truppe wie der „Rattenfänger von Hameln“ an, bevor einige der bekannten Songs mit Posaunenschleifern (Louise Pollock), Trompetensound (Matilda Lloyd) auf der Basis des Schlagzeugers Maximilian Näscher ihren bissigen Charme versprühten.

Seelenhandel
Das Libretto von Charles Ferdinand Ramuz verortet die „Geschichte vom Soldaten“ hier in der Nähe, zwischen „Chur und Walenstadt“, vielleicht nur, weil es sich so gut einpassen lässt in den Wanderrhythmus. Ein Soldat ist auf dem Heimweg zur Mutter und seiner Liebsten, macht Pause an einem idyllischen Bach, träumt sich mit seiner Geige, die er aus dem Brockenhaus hat, fort. Er verkauft seine Geige und seine Seele an den Teufel im Tausch gegen ein mysteriöses Buch, aus drei Tagen werden drei Jahre, der unermessliche Reichtum, den ihm das Buch beschert, macht ihn einsam. Märchenelemente durchziehen das Stück, das Kartenspiel mit dem Teufel, die kranke Prinzessin, die er mit seiner Musik heilt: die Sehnsucht nach dem früheren Leben überkommt ihn, doch der Teufel hat immer die Oberhand und weist ihn mit hämischem Gelächter vom Grenzpfahl zwischen den Welten ab.

Souverän und witzig
Igor Strawinsky hat dazu eine kernige, rhythmisch straff akzentuierte Musik geschrieben, die vom Ensemble glänzend und virtuos ausgeführt wird. Zu den bereits genannten kommen der Klarinettist Francesco Negrini und die Fagottistin Johanna Bilgeri und der Kontrabassist Simon Hartmann, alle werfen sich mit Lust in die pfiffigen Fanfaren, die schmissigen und etwas schräg wirkenden Tänze oder die gleißenden Akkorde eines choralartigen Bläsersatzes. Und Moritz von Treuenfels hat auch diese Rolle gleichsam mit Haut und Haar in sich aufgesogen, spielt mit Stimmregistern, Farben, Deklamation und Witz und ist bemerkenswert souverän im Sprachrhythmus. In enger Verbindung mit dem Instrumentalensemble entsteht eine facettenreiche und packende Aufführung.
Katharina von Glasenapp