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Flugshow über dem Rheindelta: Die Kritik bleibt

28.08.2026 • 16:42 Uhr
Flugshow über dem Rheindelta: Die Kritik bleibt
Die Meinungen zur Flugshow gehen auseinander. Flughafen Altenrhein, Alexander Kapanadze, Serra, Hartinger, Neue (2)

Am Flughafen Altenrhein steigen dieses Wochenende die Feierlichkeiten anlässlich des 100-jährigen Jubiläums. Die NEUE hat Stimmen eingeholt. Die Meinungen sind zwiegespalten.

Die Jubiläumsfeierlichkeiten am Flughafen Altenrhein (Kanton St. Gallen) steigen dieses Wochenende. Doch bereits vor Monaten haben speziell die politischen Vertreter der Rheindeltagemeinden Gaißau, Fußach und Höchst Kritik geäußert. Diese betrifft vor allem mögliche Lärmbelästigung und Umweltbedenken durch eine Show der Schweizer Kunstflugstaffel Patrouille Suisse. Im Februar einigten sich die Regierungen beider Länder auf eine Sondergenehmigung für zwei 30-minütige Flugeinlagen.

Die NEUE hat nochmals Statements aus der Gemeindepolitik eingeholt und sich auch vor Ort umgehört. Dabei betonen die drei Bürgermeister von Gaißau, Fußach und Höchst, dass sich an ihrer bisherigen Haltung nichts verändert hat. Zugleich erklären aber alle die unterschiedlichen Gegebenheiten in der jeweiligen Ortschaft.

Befragte Personen in Höchst zeigen sich gegenüber der Flugshow gelassen, befürworten diese teilweise sogar. Die NEUE hatte hierbei auch Gelegenheit mit zwei Besuchern aus der Schweizer Gemeinde Rheineck zu sprechen. Samira und Ajdin wohnen ungefähr 500 Meter vom Flughafen Altenrhein entfernt. Sie haben demnach erst am Donnerstag erfahren, dass eine Flugshow geplant sei. Von hitzigen Diskussionen über die Veranstaltung haben sie nichts mitbekommen.

Nach wie vor enttäuscht

Philip Schlegel, Bürgermeister der Grenzgemeinde Gaißau, hält fest, dass seine Haltung zum Thema immer noch dieselbe ist wie vor sechs Monaten. “Wir brauchen die Flugshow nicht.”

Angesprochen auf die Kommunikation zwischen klärt er auf, dass sich die Landesregierung in den letzten Monaten nie bei ihm gemeldet habe. “Es war noch nie der Fall, dass man über die Entscheidung einer Gemeinde so drübergefahren ist.”

Die Kommunikation mit den Schweizern sei besser gewesen. Diese haben laut Schlegel das Programm vorgestellt und versucht, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Zugleich sieht er, dass sich ein Teil der Gemeindebevölkerung auf die Flugshow freut, betont aber auch: “Die anderen sind nach wie vor enttäuscht, genau wie ich.”

Philip Schlegel
Philip Schlegel, Bürgermeister von Gaißau. Alexander Kapanadze

Falsche Landeanflüge

Thomas Fitz, Bürgermeister von Fußach, wägt im Hinblick auf die Flugshow ab. Diesbezüglich bestehe grundsätzlich kein Problem. Fußach sei vom Lärm im Gegensatz zu den Nachbargemeinden Gaißau und Fußach kaum betroffen. Doch für ihn steht ein anderes Thema im Vordergrund, welches die Gemeinde seit langer Zeit belastet.

“Aber was uns in Fussach schon belastet ist, dass nach wie vor immer wieder falsche Landeanflüge sind und direkt über die Ortsgebiete von Fussach, Höchst und Gaißau fliegen.” Dieses Problem werde laut Fitz seit Jahren ignoriert. Ihm sei wichtig gewesen, die Flugshow als Anlass zu nehmen, um auf diese Thematik aufmerksam zu machen. Schließlich befinden sie sich im Bereich des größten Vogelschutzgebiets Europas.

Konkret auf die Flugshow bezogen, sei ihm keine ausufernde Kritik aus der Bevölkerung bekannt. Von der Landesregierung habe es in den letzten Wochen keine Kommunikation gegeben. Der Flugplatz Altenrhein habe über Newsletter regelmäßig informiert, aber nicht persönlich.

Bgm Fußach
Thomas Fitz, Bürgermeister von Fußach. Serra

Haltung unverändert

Auch gegenüber der Gemeinde Höchst habe keine anderweitige Kommunikation von Seiten des Landes oder Altenrhein stattgefunden, erklärt Bürgermeister Stefan Übelhör. Grundsätzlich sei die Kommunikation nicht intensiv gewesen.

“Uns hat man einfach mal die Frage gestellt, ob wir das unterstützen oder nicht und wir haben gesagt: ‘Nein’. Und damit war das Thema dann für uns eigentlich auch wieder vom Tisch.” Die Haltung der Gemeinde habe sich in der Zwischenzeit nicht verändert.

Dennoch wägt Übelhör ab. Es gebe Personen, welche die Flugshow befürworten, ebenso wie jene, die sie ablehnen. In seinen Augen weiche das Stimmungsbild in der Bevölkerung nicht von der Norm ab.

Flugshow über dem Rheindelta: Die Kritik bleibt
Stefan Übelhör, Bürgermeister von Höchst. Hartinger

Andere Stellenwerte

Siegfried Raich stammt aus Höchst. Ihn störe die Flugshow überhaupt nicht, in seinem Umfeld gebe es aber einige Personen, die anderer Meinung sind. Er führt dies darauf zurück, dass er Höchst längere Zeit verlassen hat und für ihn während seiner Zeit in Niederösterreich und Portugal andere Aspekte höheren Stellenwert gewonnen haben. Er vermeidet daher entsprechende Diskussionen.

Zugleich kennt er Flugshows in Altenrhein von vor sechzig Jahren. “Da sind die Flieger dicht über das Dorf hinweg geflogen. Das war mit zehn Jahren schon spannend.”

Flugshow über dem Rheindelta: Die Kritik bleibt
Siegfried Raich aus Höchst. NEUE

Chance für Ingenieure und Piloten

Erna und Nicole Schallert betreiben das Café Schallert in Höchst knapp vor der Grenze zur Schweiz. Beide befürworten die Flugshow. Es sei schließlich ein Jubiläum, das dürfe auch gefeiert werden. “Einmal im Jahr hält man das aus. Es ist auch gut für den Tourismus”, finden die beiden.

Erna Schallert denkt auch an die Verantwortlichen: “Für Ingenieure und Piloten ist das auch eine Chance ihr Können zu präsentieren.” Sie führt aus, dass hinter der gesamten Fluggeschichte eine Pionierleistung stecke und ein langer Weg notwendig war, damit eine Veranstaltung wie diese überhaupt erst möglich wurde.

Sie erzählen allerdings auch, dass manche ihrer Stammgäste durchaus besorgt seien und unter den Gästen auch Diskussionen entstanden seien.

Flugshow über dem Rheindelta: Die Kritik bleibt
Nicole und Erna Schallert im familieneigenen Café in Höchst. NEUE

Staatsvertrag

Die Geschichte des Flughafen Altenrheins geht bis ins Jahr 1926 zurück und hat in diesen 100 Jahren einige Hindernisse erlebt. Zentrale Diskussionspunkte zwischen Österreich und der Schweiz waren vor allem die Nähe zum Naturschutzgebiet Rheindelta, die Zahl der Flugbewegungen, die Benützung des Luftraums, Lärm-Obergrenzen und Betriebszeiten-Beschränkungen. Schließlich wurden Regelungen in Form eines Staatsvertrags getroffen.

Von Seiten der Bürgermeister der Rheindelta-Gemeinden wurde im Frühjahr vor allem kritisiert, dass Diskussionen über eine Sondergenehmigung über sie hinweg geführt wurden. Dies sei von der Vorarlberger Landesregierung an übergeordnete Stellen in Wien übergeben worden.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)