Kultur

US-Band besingt Vorarlberg, obwohl sie noch nie im Ländle war

29.08.2026 • 07:00 Uhr
Band und Cover
Die Band: Neil O’Brien (Schlagzeuger, l.), Brian Maryansky (Gitarre), Sean Greene (Bass, Schalträger) und Chris Leo (Sänger, Gitarre). the van pelt

The Van Pelt prägten den New Yorker Underground der 1990er-Jahre. Nun taucht auf ihrem neuen Album ausgerechnet ein Song über Vorarlberg auf. Die NEUE sprach mit Sänger Chris Leo und einem Lustenauer Fan der Band


„Ich hasse es dort!“, schrieb ein früheres Mitglied der Vorarlberger Hardcore-Punk-Szene unter einen Instagram-Post der Band „The Van Pelt“. Dank dieses Gefühlsausbruchs wurde die NEUE auf einen Song aufmerksam, mit dem hierzulande niemand gerechnet hat. Die Rede ist von „A Voralberg of the Mind“. Dass eine US-amerikanische Band und noch dazu eine Größe des „Second Wave Emo“ der 1990er-Jahre, einen Track über Vorarlberg veröffentlicht, ist so verwunderlich, dass man den Rechtschreibfehler im Titel fast übersieht.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Chris Leo, Sänger der Band, gesteht im Interview mit der NEUE, dass er noch nie in Vorarlberg war, ihn die sprachliche Vielfalt der Alpen aber schon lange fasziniert. Auslöser für den Song war ein nächtlicher Ausflug ins Internet, genauer: eine Wikipedia-Recherche im halbtrunkenen Halbschlaf, bei der Leo von den italienischen Alpen zu den Schweizer Kantonen und schließlich im Westen Österreichs landete. Anders als üblich, wo seine Texte über Wochen reifen, schrieb der Musiker den Song in einem Rutsch nieder.

The Van Pelt
The Van Pelt, 1997, bei einer Tour durch die Schweiz. The Van Pelt

Die Fakten seiner durchaus korrekten Recherche beflügelten die Fantasie des anfangs 50-Jährigen. So singt er, freilich auf Englisch, vom alemannischen Dialekt, hoher Siedlungsdichte und streicht die Unterschiede zur Schweiz knapp hervor. Es ist ein ruhiger wie auch eingängiger Track, der mehr über den Sänger und seine Generation als über das Besungene verrät.

Band und Cover
Der Song ist Teil des neuen Albums “Remain Obsucre”. Es erscheint am 18. September. The Van Pelt

Rückblickend betrachtet er die 1990er-Jahre als eine der kulturell außergewöhnlichsten Zeiten in den USA, vor allem in New York. Ein Glück, das er als Heranwachsender nicht verstanden habe.

Band und Cover
The Van Pelt

Damals sei es leicht gewesen, sich durchs Leben zu schlagen: Die Mieten waren überschaubar, Jobs in der Gastronomie rasch zu finden, Touren ließen sich halbwegs mit dem Alltag vereinbaren. Man habe seltsame Bücher verschlungen, in sonderbaren Bands gespielt und sich die Freiheit genommen, einfach zu machen, worauf man Lust hatte.

A Vorarlberg Of The Mind
The Van Pelt

Heute sei der Alltag ein anderer, viel stärker von Arbeit und Verpflichtungen geprägt. Nicht nur sein eigener, denn das Leben in Städten wie New York oder London wurde allgemein teurer. Für jüngere Generationen ist ein Dasein an diesen Orten der Sehnsucht kaum erschwinglich.

Als Betreiber der Bar „The Alps“ in Jersey City ist der Musiker noch immer in der Metropolregion New York verhaftet. Die alten Tage, als man einfach in die nächste Bar gehen, dort 15 Leute treffen und über schwierige Themen reden konnte, sind für ihn aber längst vorbei. Doch obwohl die alten Freunde in aller Herren Länder wohnen, lässt sich der Musiker nicht von Trübsal leiten. „A Voralberg of the Mind“ ist vielmehr Ausdruck einer Sehnsucht nach Verbundenheit.

Lustenauer gibt seinen “Senf” dazu

Doch wie es die Ironie der Geschichte so will, träumt der US-Amerikaner von einem Ort, an dem auch Fans seiner Band „The Van Pelt“ leben. Etwa Felix Bösch. Als einer der drei Köpfe hinter dem Familienbetrieb Lustenauer Senf zog er nie nach Wien, geschweige denn über den Atlantik nach New York. „Mit Anfang 20 habe ich die Band zufällig entdeckt, ich glaube durch einen Sampler oder File-Sharing“, versucht sich der 45-Jährige zu erinnern.

Lustenauer Senf
Felix Bösch kennt die Gruppe seit gut 25 Jahren. Kuzmanovic

Auch wenn er die Gruppe über die Jahre aus den Augen verlor, ist Bösch als Bassist der Post-Rock-Band „Tight Ships“ mit ihrem musikalischen Kosmos wohl vertraut. „Der neue Song ist cool, weich und von einem melancholischen Retro-Vibe geprägt. Hoffentlich kommen sie einmal für ein Konzert nach Vorarlberg.“