Dornbirner Regisseur zeigt sensible Doku über Berliner Fetisch-Klub

Philipp Fusseneggers neuer Dokumentarfilm „KitKatClub – Kinks of Berlin“ besticht mit einem sensiblen Blick auf die Menschen im berühmtesten Fetisch-Klub Berlins.
Als „gschamiger Bub“ aus Dornbirn fand Regisseur Philipp Fussenegger in Berlin zu einer ihm bis dahin fremden Welt, die ihn mit Mut zu Selbstbestimmung und Freizügigkeit für sich gewonnen hat. Von dieser Leidenschaft zeugt sein neuer Dokumentarfilm „KitKatClub – Kinks of Berlin“, der am 7. September Kinopremiere feiert.

Der 36-Jährige wollte nach eigenen Angaben nie Dokumentarfilme drehen. Seminare zu diesem Thema habe er während seiner Studienzeit an der Kunsthochschule für Medien in Köln sogar geschwänzt. Jetzt liefert der Wahl-Berliner nach „I am the Tigress“ (2021) und der mit dem „Teddy Award“ der Berlinale ausgezeichneten Dokumentation „Teaches of Peaches“ (2024) den dritten Sachfilm in Folge.
Sexpositiver Begegnungsort
Wie keine andere Institution Berlins steht der KitKatClub für freizügige Sexualität. Wer es einmal mit dem richtigen Auftritt durch den strengen Einlass geschafft hat, dem offenbart sich ein, so der Regisseur, „sexpositiver Begegnungsort, wo unterschiedlichste Persönlichkeiten zusammenkommen“. Fussenegger ist einer von ihnen und das auf regelmäßiger Basis. So wurde er von der Betreiberin Kristen Krüger gefragt, ob er nicht einen Film über „den Wahnsinn“ drehen möchte. Damals war die Welt noch fest im Griff der Pandemie und der Klub stand kurz vor dem Konkurs. Nicht gewillt, einen Werbefilm zu drehen, setzte der Regisseur auf die Grundpfeiler: künstlerische Freiheit, Vertrauen und die Zustimmung aller, die gezeigt werden.

So entstand ein alles andere als jugendfreier Film von überragender Sensibilität. Fussenegger und sein Kameramann Dino Osmanović begleiteten Protagonisten wie Drag-Performer Raven Van Krueger in ihrem privaten Leben, bei der Vorbereitung auf den Klubbesuch und beim Feiern. Zuschauer können so hinter die „Masken der Night-Life-Persona“ blicken. Da viele Gäste im Klub „eine Seite ausleben, von der sie nicht wollen, dass man sie im normalen Arbeitsleben erkennt“, erfüllen die Maskierungen eine wichtige Schutzfunktion.

Ein Umstand, der nicht zuletzt auf dem offenen Drogenkonsum basiert. „Techno ist mit Drogen verbunden, sie gehören zur Kultur. Der Film verherrlicht sie aber nicht. Mir ist es wichtig, dass sich jeder ein eigenes Bild machen kann“, bekräftigt Fussenegger. Wer übrigens glaubt, dass im Klub nur Techno-Purismus den Ton vorgeben, irrt. So zeigt eine Szene den Auftritt eines -nackten- Streichquartetts.

Ziel: Skilehrer-Sitcom am Oberlech
Angesprochen auf kommende Projekte, berichtet er von einem komplett anderen Konzept. Mit „Die Skilehrer“ drehte der leidenschaftliche Alpinist bereits vor acht Jahren eine bitterböse Komödie, zu der er von seinen eigenen Erfahrungen als Skilehrer inspiriert wurde. Jetzt stehe die Möglichkeit im Raum, eine Sitcom mit Folgen von jeweils 25 Minuten Länge zu produzieren. „Wenn der ORF zusagt, wird ZDFneo auch mitmachen. Aktuell warten wir aber noch darauf, dass der ORF sein Entwicklungsbudget freigibt. Dann würden wir in Oberlech drehen“, berichtet Fussenegger.