Gletschersturz und Flutkatastrophe: Ist die Illwerke-Infrastruktur in Vorarlberg geschützt?

Illwerke vkw sieht Szenario wie in Nepal für Vorarlberg als unvorstellbar an und gibt Einblicke in die Sicherheitsprozesse und den Wiederaufbau der Silvretta-Hochalpenstraße.
Ein Brocken aus Felsen und Gletscher bricht ab und verwandelt sich in eine tödliche Sturzflut, die mit hunderten Stundenkilometern durch ein Tal wälzt und alles mitreißt, was ihm in die Quere kommt. So ähnlich dürfte die Flutkatastrophe in Nepal und Tibet abgelaufen sein – der exakte Ablauf ist noch nicht rekonstruiert. Was aber feststeht: Gletscherabbrüche als Folge auftauender Permafrostböden sind eine direkte Folge des Klimawandels und können auch in Vorarlberg vorkommen. Die Illwerke vkw betreiben die Stauseen Silvretta und Vermunt sowie den Lünersee. Die NEUE hat sich erkundigt, wie der Landesenergieversorger seine Kraftwerksinfrastruktur gegen derartige Naturereignisse schützt.
Andere Bedingungen
Die guten Nachrichten zuerst: Eine Katastrophe im Ausmaß jener im Himalaya ist bei uns höchst unwahrscheinlich. Andreas Neuhauser, Sprecher der Illwerke vkw, teilt im Namen des Unternehmens mit: „Die Vergletscherungen haben in Vorarlberg eine geringere Ausdehnung und Mächtigkeit. Beispielsweise ist die Zunge des Ochsentaler Gletschers mittlerweile knapp fünf Kilometer vom Speicher Silvretta entfernt und der Höhenunterschied beträgt knapp 700 Höhenmeter. Die Reste des Brandner Gletschers sind durch die Schesaplana und durch einen Bergrücken vom Lünersee abgetrennt. Aufgrund der topographischen und glaziologischen Randbedingungen ist ein vergleichbares Ereignis in Vorarlberg nicht vorstellbar.“

Um die eigene Infrastruktur vor Naturereignissen aller Art zu schützen, verfügen die Illwerke über umfangreiche Beobachtungssysteme. „Dabei kommen unter anderem satellitengestützte Aufnahmen, vergleichende Laserscanaufnahmen und sehr präzise Kluftüberwachungssysteme zur Anwendung“, heißt es in der Anfragebeantwortung. Darüber hinaus führe man regelmäßige Vor-Ort-Kontrollen durch internes Personal und externe Sachverständige durch. „Wenn erforderlich, können technische Schutzbauten errichtet oder weitere organisatorische Maßnahmen ergriffen werden“, so Neuhauser. Er betont: „Die Sicherheit der Anlagen und in weiterer Folge der Bevölkerung ist das oberste Ziel der Illwerke vkw AG.“

Konkret funktioniert der Beobachtungsprozess wie folgt: „Die Speicherhänge werden beobachtet und festgestellte Veränderungen werden durch interne Geologen oder externe Sachverständige verifiziert. Wenn Veränderungen oder Hinweise auf einen stürzenden oder fließenden Prozess festgestellt werden, werden umgehend weitere Maßnahmen eingeleitet. Neben einer engmaschigeren Beobachtung des potentiellen Hangbereichs kann die Speicherbewirtschaftung angepasst werden oder ein entsprechendes Vorwarn-System in Kraft treten.“
Silvretta-Hochalpenstraße: Arbeiten liegen im Plan
Dass trotz aller Frühwarneinrichtungen auch die Illwerke vkw nicht vor Felsstürzen gefeit sind, zeigt die ebenfalls im Besitz des Energieversorger befindliche Silvretta-Hochalpenstraße. Nach mehreren Felsstürzen ist die mautpflichtige Straße im Abschnitt zwischen Partenen und der Bielerhöhe seit 2024 gesperrt, eine Öffnung ist für 2030 angedacht.

Auf Anfrage zum aktuellen Stand erklärt Neuhauser: „Die bisherigen Arbeiten sind planmäßig verlaufen. Derzeit befindet sich die Planung und Dimensionierung der weiteren erforderlichen Schutzmaßnahmen in der finalen Phase.“
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)