Helle Köpfe strahlen in Feldkirch

Beim kleinen Lichtstadt-Format „Spotlight“ gestaltet das Publikum den Inhalt der Projektion.
Mit einem Kunstwerk, das essenziell von seinen Besuchern lebt, hat sich das Multimedia-Kollektiv lightlayer gegen mehr als 30 andere Einreichungen durchgesetzt. Bis Sonntag zeigt Spotlight, das kleine Format der Lichtstadt Feldkirch, die interaktive Installation des Trios vor der Alten Dogana.
Die Arbeit „Archiv des Daseins“ lädt Schaulustige täglich von 19 bis 22 Uhr dazu ein, dem Lichtspektakel nicht nur beizuwohnen, sondern dessen Inhalt auch beizusteuern. Konkret können Besucherinnen und Besucher ihr Gesicht an einer Station mittels einem 3D-Scanner erfassen lassen. Aus den räumlichen Daten entsteht ein abstrahierter digitaler Kopf, der zunächst groß auf die Fassade der Alten Dogana projiziert wird. Danach rückt das Abbild weiter: Die Fenster des Gebäudes dienen wie Bilderrahmen, in denen die jeweils 14 jüngsten Scans nebeneinander erscheinen. Mit jeder neuen Teilnahme verschiebt sich diese Galerie um eine Position. Parallel landen sämtliche während der vier Veranstaltungstage entstandenen Gesichter auf einem Bildschirm und bleiben dort als wachsendes digitales Archiv erhalten.

Das Trio
Hinter lightlayer stehen Sebastian Schmid, Peter Schoiswohl und Beatriz Lacerda. Der aus Bregenz stammende Schmid und sein oberösterreichischer Kollege Schoiswohl lernten sich beim Event-Engineering-Studium in St. Pölten kennen. Die gebürtige Portugiesin Lacerda hingegen kam nach Studienjahren in Porto und London nach Wien, wo sie für den aus Dornbirn stammenden Medienkünstler Stefan Kainbacher arbeitete. Dort lernte sie den 1996 geborenen Schmid kennen.

Angesprochen auf die Arbeitsteilung schwärmt der Bregenzer: „Beatriz ist unser Mastermind im Programmieren.“ Eine Wertung, die sie bescheiden ablehnt. Schmid sieht sich als Bindeglied zwischen den Disziplinen. Bei ihm laufen Kommunikation, Planung und die einzelnen Schritte „von der Idee bis zum fertigen Produkt“ zusammen. Schoiswohl wiederum hat sich auf 3D-Technik und Sensorik spezialisiert. Ganz trennscharf ist die Aufteilung allerdings nicht. Vielmehr versuchen die drei, sich gegenseitig Kenntnisse aus ihren jeweiligen Bereichen beizubringen.

Kunst und Kästle
Spotlight ist die Vorarlberg-Premiere des Trios. Jedenfalls im künstlerischen Sinn. Schließlich sind sie kommerziell schon längst im Land aktiv, etwa mit Projekten für den Skihersteller Kästle. Ganz neu ist das „Archiv des Daseins“ allerdings nicht. Seine erste Fassung entwickelte das Kollektiv im vergangenen Jahr für das Lichtfest in Krems, wo die Projektion das Steiner Tor bespielte. Für Feldkirch wurde die Arbeit weiterentwickelt und auf die Fassade der Alten Dogana zugeschnitten. Vor allem deren Fenster erwiesen sich als dankbares Gestaltungselement. Ihre Ähnlichkeit mit Bilderrahmen habe die Idee nahegelegt, die zuletzt aufgenommenen Gesichter darin anzuordnen.
Der Bregenzer begreift das Werk nicht nur als Einladung, den Ort aktiv mitzugestalten. Er sieht darin auch eine Parallele zum Leben selbst: Die Zeit sei begrenzt und damit stelle sich die Frage, wie man sich in ihr verhält und was man hinterlassen möchte.